Gentechnik

Klöckner verteidigt CrisprCas

Pflanzen mit Veränderungen per Genschere gelten auch als Gentechnik.
Foto: Transgen
Pflanzen mit Veränderungen per Genschere gelten auch als Gentechnik.

Die Bundesagrarministerin wagt sich in Sachen Genschere aus der Deckung und bezieht Position zum CrisprCas-Grundsatzurteil. Sie stellt Gesetzesänderungen infrage.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) bricht eine Lanze für die Genschere: „Die klassische grüne Gentechnik mit CrisprCas in einen Topf zu werden, halte ich für sachlich falsch“, sagte sie jetzt der Nachrichtenagentur Reuters. Ob es zu Gesetzesänderungen komme, werde man sehen. Die Debatte sei noch nicht beendet, fügte Klöckner hinzu.

„Wir müssen achtgeben, dass wir nicht aus Luxuspositionen des Überflusses heraus in Europa eine neue Technologie vor die Tür setzen”, sagte die Ministerin weiter im Reuters-Interview. Die neue Technologie könne beispielsweise durch die Züchtung dürre-resistenter Getreidesorten Lösungen für landwirtschaftliche Probleme bieten.

Damit positioniert sich Klöckner deutlich klarer als noch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Juli. Der Gerichtshof der EU hatte in seinem Grundsatzurteil verkündet, die mit der Genschere veränderte DNA bringe ähnliche Risiken mit sich wie die konventionelle grüne Gentechnik und müsse deshalb auch gleich behandelt werden. Klöckner hatte den Richterspruch damals zurückhaltend als „Klarstellung in einem der bedeutendsten Forschungsfelder“ bezeichnet und angekündigt, das Urteil zunächst „gewissenhaft auswerten“ zu wollen.

Ebner: Klöckner begeht Richterschelte

Kritik kommt prompt von Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik der Grünen im  Bundestag: Als das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vorlag, habe Klöckner noch vorgegeben, „sich über die rechtliche Klarstellung zu freuen“, teilt Ebner am Donnerstag mit. „Doch schon jetzt stellt sie das Urteil in Frage und stellt Gesetzesänderungen in den Raum, um es zu unterlaufen“, beklagt der Grünen-Politiker.

Damit stimme Klöckner „nach kürzester Schamfrist voll ein in den Chor der Gentechnik-Lobby, der sich seit dem Gentechnik-Urteil überschlägt in schriller Richterschelte und Forderungen nach Gesetzesänderungen“, so Ebner weiter. Nach seiner Wahrnehmung hat das Gericht „lediglich eine Selbstverständlichkeit klargestellt: dass auch neue Gentechnik Gentechnik ist und genauso behandelt werden muss.“

 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Gerd Schaaf
    Erstellt 6. September 2018 17:50 | Permanent-Link

    Es wird doch Zeit, dass endlich mal Farbe bekannt wird und man weg von einer rein ideologischen Betrachtung, wie es der Grünenpolitiker wieder tut, kommt und sich auf Fakten besinnt. Aber wer noch keinen richtigen Hunger aus Mangel an entsprechenden Nahrungsmitteln kennen gelernt hat wird es wahrscheinlich nie begreifen, dass man auch neue, effektive Methoden in der Pflanzenzüchtung einsetzten muß um die Ernährung der Menschheit zu sichern. Den Grünen ist es nicht bewußt, dass so ein Katastrophenjahr wie 2018 noch vor 150 Jahren ( was ja das Wunschbild der Grünen für eine mögliche Landwirtschaft wäre) zu einer großen Hungersnot in Deutschland/ Europa geführt hätte. Man kann der Frau Klöckner nur wünschen, dass sie vor den ideologisierten Grünen nicht wieder einknickt.

  2. Josef Willim
    Erstellt 10. September 2018 14:36 | Permanent-Link

    Dem kann man nur zustimmen!!
    Außerdem können auch in der Natur Mutationen entstehen, die die gleichen Resultate wie CrisprCas ergeben können. Wenn man dies als Gentechnik bezeichnet, dann hätte damit schon Gregor Mendel 1863 begonnen, als er künstlich Pflanzen zu bestäuben begann: Zitat aus Wikipedia: "Spätestens nachdem die Erbsen-Versuche 1863 abgeschlossen waren, begann Mendel mit künstlichen Bestäubungen innerhalb anderer Pflanzengattungen."

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