Gentechnik

Ökoverbände bringen sich in Stellung

Der Countdown für das mit Spannung erwartete Urteil zu Crispr/Cas läuft. Derweil bringen sich die Ökoverbände, die die neuen Züchtungsmethoden als Gentechnik ansehen, in Position. Doch es gibt auch einen Mittelweg.

Züchter, Händler sowie Agrar- und Ernährungswissenschaftler blicken auf den 25. Juli. Dann wird der Europäische Gerichtshof mit Sitz in Luxemburg das Urteil, ob Crispr/Cas künftig als Gentechnik reguliert wird oder nicht, verkünden. Zahlreiche Ökoverbände sprechen sich dafür aus, die neuen Züchtungsmethoden als Gentechnik zu regulieren. Bioland, der neben Naturland und Demeter zu den ökologischen Anbauverbänden zählt, hat nun gemeinsam mit 20 weiteren Verbänden und Stiftungen, darunter der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), eine Resolution unterzeichnet. Diese fordert die Kennzeichnung der neuen Biotechnologie. Bioland beruft sich in dieser Sache auf das Vorsorgeprinzip. Danach sollen mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit im Voraus, trotz unvollständiger Wissensbasis vermieden werden.

Fürsprecher sehen Riesenchancen

Fürsprecher der Methode fordern Crispr/Cas nicht als Gentechnik zu bezeichnen. So könne diese Technologie ohne aufwendige Zulassungsverfahren angewendet werden. Sie stufen die Chancen für die Welt der Züchter viel größer als die Risiken ein. Das heiße zwar nicht, dass es keine Risiken gibt, jedoch ließe sich der Missbrauch der Methode durchaus durch ein Regelwerk begrenzen, so die Argumentation der Befürworter.

Niggli ist auch für Transparenz

Gegenüber der Lebensmittelzeitung äußerte Prof. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick, der anders als seine Kollegen aus den Ökoverbänden für die Methode spricht, folgende Idee zur Kennzeichnungsfrage: Es wäre denkbar, die Produkte zu deklarieren, aber eine Risikobewertung zugrunde zu legen, die dem tatsächlichen, wesentlich geringeren Risiko angepasst ist. "Das würde die Kosten massiv senken und dafür sorgen, dass diese Verfahren nicht von den Monsantos und Syngentas dieser Welt monopolisiert werden", schilderte Niggli seine Vorstellung. Zeitgleich würde es dem Bedürfnis nach Transparenz Rechnung tragen.

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