Gentechnik

Reaktionen reichen von "Gute Nachricht" bis "Abkehr von Innovation"

Nun ist es entschieden: Die Crispr/Cas-Methode fällt unter das Gentechnikrecht. Die Züchtungsbranche ist erschüttert. Auch die Reaktionen deutscher Politiker lassen nicht lange auf sich warten.

Harald Ebner, Sprecher der Grünen für Gentechnik, hält das für eine "sehr gute Nachricht". Er begrüßt die Pflicht, Sicherheitsprüfungen und Kennzeichnungen der mit Crispr/Cas hergestellten Produkte durchführen zu müssen.
Aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium heißt es, man werde das Urteil nun erst einmal auswerten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) teilte mit, sie wolle den Blick für Entwicklungen und Innovationen offen halten. Diesen Weg sehen die kleinen und mittelständischen Züchter nun allerdings versperrt.

BDP spricht von Abkehr vom Fortschritt

Für die Pflanzenzüchter bedeutet das Urteil einen herben Rückschlag. Die Vereinigung der Pflanzenzüchter, Saatgutproduzenten und Saatgutkaufleute Österreichs, Saatgut Austria, hatte sich bereits im Vorfeld der Urteilsverkündung gegen eine Einstufung als Gentechnisch veränderter Organismus (GVO) ausgesprochen. Denn sonst würden die Techniken kleinen und mittelständischen europäischen Züchtern aus wirtschaftlichen Gründen verwehrt bleiben, so die Auffassung. Saatgut Austria erklärt nun, die Entscheidung füge einen "immensen Schaden" zu. Im internationalen Wettbewerb seien die kleinen und mittelständischen Unternehmen längerfristig quasi chancenlos.

Auch der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) empört sich über die Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union. "Der EuGH ignoriert mit seinem Urteil die wissenschaftliche Bewertung der Experten europäischer und nationaler Behörden, nach der Pflanzen, die sich nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden, nicht als GVO einzustufen sind", sagt Stephanie Franck, Vorsitzende des BDP. Der Verband kritisiert das Urteil als eine Abkehr von Innovationen und Fortschritt in der Landwirtschaft.
Für den Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie (OVID) verlieren mit dem Urteil wissenschaftliche Bewertungen als Grundlage für rechtliche und politische Entscheidungsprozesse weiter an Bedeutung. Außerden "koppelt sich Europa vom technologischem Züchtungsfortschritt ab“, so die Ovid-Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld. Der freie Agrarhandel gerate noch mehr unter Druck.

Hubertus Paetow, Präsident der DLG  spricht von einer vertanen Chance vor allem für den Pflanzenschutz und die Düngung. Seiner Auffassung nach wird chemischer Pflanzenschutz nicht mehr in allen Fällen erste Wahl sein. Gleichzeitig scheuten die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln angesichts hoher Zulassungsauflagen die teure Entwicklung zielgerichteter, weniger riskanter Wirkstoffe. Nach Auffassung von Paetow könnten innovative Züchtungstechniken hier eine Alternative bieten. "Und je schneller wir unsere Nutzpflanzen durch Züchtung vor Schädlingen schützen, umso eher können wir den Einsatz von Chemie auf dem Acker minimieren“, so der DLG-Präsident.

Greenpeace sieht Vorteile für den Saatgutmarkt

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürwortet das Urteil, weil Anträge zur Genehmigung von Pflanzen, die mit Crispr/Cas erzeugt wurden, nun einer strengen Regulierung unterliegen. Dies wirke sich positiv auf den Saatgutmarkt aus, weil Konzerne wie DowDupont oder Bayer/Monsanto die Kontrolle über Saatgut und Nahrungsmittelproduktion verlieren würden, so die Argumentation von Greenpeace. Von den kleinen und mittleren Unternehmen, um die sich unter anderem Saatgut Austria sorgt, spricht Greenpeace allerdings nicht.

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