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Journalisten jubeln der DLG eine gepanschte Wurst unter. Die prämierte sie mit einer Silbermedaille. Verbraucherschützer fühlen sich getäuscht. Die DLG aber auch.

Das Medienecho ist enorm. Von der FAZ über die Wirtschaftswoche und Stern bis zur Bildzeitung wird über den Beitrag vom ZDF-Magazin "Frontal 21" zum Wurstpanschen berichtet. Die Schlagzeilen reichen von Ekel-Wurst bis zu Siegel ohne Wert. Frontal 21 zeigte die Tricks von Wurstproduzenten und filmte, wie mit "billigsten Resten und Wasser in der Wurst" betrogen werden kann. Das Perfide für die DLG: Die Journalisten reichten die mit Separatorenfleisch, hydrolysierten Eiweißen und Blutplasma aufgehübschte Wurst beim DLG-Testzentrum ein und gewannen eine Silbermedaille. 

Sensorische Analyse im Vordergrund

Verbraucherschützer gehen nun auf die Barrikaden und sprechen von Blamage und Täuschung. Das trifft die Sache einerseits nicht ganz. Denn die DLG verteidigt sich zu Recht mit dem Hinweis darauf, dass im Zentrum die sensorische Analyse der Lebensmittel steht. Also die Frage: Wie sieht die Wurst aus, wie riecht und schmeckt sie. Außerdem sei für eine Teilnahme an den DLG-Prüfungen die schriftliche Bestätigung notwendig, dass die gesetzlichen lebensmittelrechtlichen Vorgaben und die DLG-Prüfbestimmungen eingehalten werden. Insofern fühlt sich die DLG bewusst getäuscht. 

Doch die Vorwürfe gehen noch in eine andere Richtung. Die FAZ rechnet nach Insiderinformationen vor, dass jährlich rund 30.000 Lebensmitteltests durchgeführt werden, für die zwischen 105 und 698 € pro Test verlangt werden, sprich, dass sich die Medaillenvergabe zu einem „rentablen Geschäftsmodell“ entwickelt habe. Die DLG bestätigt, dass für die Teilnahme an der Prüfung eine Gebühr zu entrichten ist, äußert sich aber nicht weiter zu dem Vorwurf. 

Erlaubt, aber kennzeichnungspflichtig

Laut Lebensmittelverordnung ist die Verwendung von Separatorenfleisch von Schwein und Geflügel für Fleischwaren zwar grundsätzlich erlaubt, muss aber klar gekennzeichnet werden. In Erzeugnissen der "Spitzenqualität" beispielsweise darf gar kein Separatorenfleisch drin stecken. Als einfacher Verbraucher verbindet man aber Silber mit Spitzenqualität. Die DLG räumte ein, dass die Analysemethoden zum Nachweis von Separatorenfleisch besser werden müssen. Derzeit sei ein sicherer Nachweis nicht möglich. 

Vieles landet im Tierfutter

Als einen der Anbieter von Separatorenfleisch führte "Frontal 21" Tönnies an. Das Schlachtunternehmen bestätigte, dass es Separatorenfleisch gewinnt. Was es als Zusatzinfo nicht in den TV-Beitrag schaffte, ergänzt Dr. André Vielstädte gegenüber fleischwirtschaft.de: Was bei Tönnies als Separatorenfleisch gewonnen wird, landet entweder in der Tierfutter-Produktion oder wird ins Ausland verkauft. Für die eigenen Fleischerzeugnisse verwendet das Unternehmen kein Separatorenfleisch. 

Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg aus dem Jahr 2014 ergab, dass keiner der großen Discounter und Supermarkt-Ketten Fleischwaren mit Separatorenfleisch anbietet. Auf dem französischen oder englischen Markt finden sich hingegen häufiger Erzeugnisse mit Separatorenfleisch. 

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