Dr. Dietrich Pradt, Hauptgeschäftsführer des IVA, hält den Glyphosatausstieg für Symbolpolitik, die nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gedeckt sei.
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Dr. Dietrich Pradt, Hauptgeschäftsführer des IVA, hält den Glyphosatausstieg für Symbolpolitik, die nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gedeckt sei.

Die Diskussion um Glyphosat nimmt wieder Fahrt auf. Der Wirkstoff soll nach den Plänen der Bundesregierung nach 2023 sicher nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

Der Industrieverband kritisiert diese Entscheidung als Symbolpolitik ohne wissenschaftliche Grundlage. Bayer will noch mehr und vor allem anders kommunizieren. „Die Bundesregierung nimmt Entscheidungen vorweg, die in den kommenden Jahren auf europäischer Ebene auf fundierter wissenschaftlicher Basis getroffen werden müssen. So ist die Ankündigung eines nationalen Glyphosat-Ausstiegs zunächst einmal Symbolpolitik“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA), Dr. Dietrich Pradt. Für die deutsche Landwirtschaft bedeute dies einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, für die Hersteller dagegen ginge Planungssicherheit verloren, wenn auf das EU-Recht kein Verlass mehr sei. Kritisch sieht Pradt auch, ob die Ziele zu Arten-, Insekten- oder Klimaschutz durch diese politische Entscheidung wirklich erreicht würden. Denn ohne wirksame Herbizide würden umweltverträgliche Formen des modernen Ackerbaus wie eine konservierende Bodenbearbeitung weiter erschwert“, so Pradt.

Der Wirkstoff ist in der EU noch bis Ende 2022 zugelassen. Heute hat das Bundeskabinett den Ausstieg beschlossen.

Bayer ändert seine Kommunikations-Strategie

Der Bayer-Konzern will den Wirkstoff zwar weiter verteidigen, lenkt in seiner Kommunikation inzwischen aber ein. „Wir können nachvollziehen, dass es in einigen europäischen Ländern den Wunsch gibt, politische Entscheidungen zu treffen, um den Einsatz von Glyphosat zu reduzieren. Und wir respektieren, dass Regierungen Entscheidungen auf der Basis einer Vielzahl von Aspekten treffen müssen", erklärte Deutschlandchef Crop Science Peter R. Müller gegenüber agrarzeitung.de. Nach wie vor ist der Wirkstoff für Bayer auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse sicher. Der Konzern respektiere aber Initiativen einzelner EU-Mitgliedstaaten, Anwendungen zu reduzieren.

„Wir werden mit Landwirten, Regierungen, Universitäten, Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um alternative Lösungen zu entwickeln. Dieses Ziel werden wir auch im Rahmen des bevorstehenden Verfahrens zur Wiederzulassung glyphosat-basierter Produkte über das Jahr 2022 hinaus verfolgen“, erklärt Müller weiter. Mit diesen Aussagen läutet Bayer einen anderen Umgang mit der Thematik Glyphosat ein. Den Landwirten jedoch wird ein weiterer wichtiger Baustein im Ackerbau fehlen und Alternativen sind zurzeit rar.

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