Glyphosat

Österreich: Totalverbot ja oder nein?


Das von der SPÖ angestrebte Totalverbot von Glyphosat widerspricht einer Studie zu Folge EU-Recht.
Bild: Österreichisches Parlament
Das von der SPÖ angestrebte Totalverbot von Glyphosat widerspricht einer Studie zu Folge EU-Recht.

Die SPÖ will ein Totalverbot, die ÖVP plädiert für ein Teilverbot. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) würde ein nationales Totalverbot aber gegen EU-Recht verstoßen. Bald wollen die österreichischen Parlamentarier entscheiden.

Auch in Österreich ringen die Parteien um ein Verbot des umstrittenen Herbizids Glyphosat. Die SPÖ will gemeinsam mit der FPÖ ein Verbot auf den Weg bringen. Die FPÖ ist sich allerdings inzwischen nicht mehr ganz so sicher, ob sie da mitgehen will. So warnt die ÖVP davor, dass dies auf Grund der geltenden EU-Bestimmungen nicht durchführbar sei.  

Unterstützt wird dies durch eine heute präsentierte Machbarkeitsstudie der Universität für Bodenkultur (Boku), die die Möglichkeiten eines Ausstiegs aus der Glyphosat-Anwendung untersucht hat. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein nationales Totalverbot von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln gegen EU-Recht verstößt, weil die EU-Mitgliedstaaten mit Blick auf die EU-Zulassung und den Vorgaben der Wirkstoffgenehmigung nicht autonom agieren könnten, berichtet das Agrarische  Informationszentrum (aiz).

Landwirte fürchten Bodenschäden

Die Experten sind sich ferner einig, dass es keine alternativen Herbizide mit einer vergleichbaren Wirkungsweise und -breite gibt. Möglich wäre laut der Studie, die vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus beauftragt wurde,  allerdings ein Verbot der Verwendung von bestimmten Pflanzenschutzmitteln in besonders sensiblen Bereichen.

Im Rahmen qualitativer Interviews wurden auch die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Landwirten abgefragt. Der Großteil der Befragten spricht sich aus ökonomischen und ökologischen Gründen gegen ein österreichweites Verbot glyphosathaltiger Herbizide aus. In Abhängigkeit von standortspezifischen Faktoren (Bodentyp, Hangneigung, Wetterbedingungen) und sozioökonomischen Einflussfaktoren (maschinelle, personelle und finanzielle Ressourcen) erwarten die Landwirte unterschiedliche Auswirkungen auf ihre Betriebe, wenn glyphosathaltige Herbizide in Österreich verboten werden würden.

Sorge um Wettbewerbsfähigkeit

Bei der Bewirtschaftung von erosionsgefährdeten Flächen hätte dieses Verbot vorwiegend steigende Kosten und Arbeitszeiten sowie sinkende Erträge und Deckungsbeiträge zur Folge. Eine intensive mechanische Bodenbearbeitung auf erosionsgefährdeten Flächen würde zu einem vermehrten Bodenabtrag und Humusverlust führen, wird betont. Viele befürchten auch eine geringere Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt.  

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich appellierte daher an die Abgeordneten im Nationalrat, von einem Totalverbot Abstand zu nehmen. Heute wollen die Abgeordneten über die Anträge von SPÖ/FPÖ und von der ÖVP debattieren und darüber abstimmen.

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