Glyphosat

US-Abgeordnete wollen IARC vorladen


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In den USA zweifeln Politiker die Rolle der Krebsagentur IARC in der Bewertung von Glyphosat an. Eine Anhörung soll Klarheit bringen.

Der Wissenschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses will in einer Anhörung klären, ob die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) ihre Bewertung zu Glyphosat unabhängig erstellt hat. Der Ausschuss fordert in einem Schreiben IARC-Direktor Christopher Wild auf, bis zum 8. November Wissenschaftler zu benennen, die als mögliche Zeugen vor dem Ausschuss auftreten können. In einem zweiten Schreiben an den US-Gesundheitsminister Eric Hargan stellt der Ausschuss die wissenschaftliche Integrität der IARC-Monografie zu Glyphosat in Frage.


Ende Juli 2015 hatte das IARC diese Monografie veröffentlicht, mit der die Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ wissenschaftlich belegt werden sollte. Genau diese Wissenschaftlichkeit zweifelt der Ausschuss des Repräsentantenhauses aber an. Die Autoren der Monografie könnten in Interessenkonflikten gestanden haben, so der Vorwurf. Besonders umstritten ist die Rolle von Prof. Christopher J. Portier (siehe Kasten). Außerdem bemängelt der US-Ausschuss einen Mangel an Transparenz in der wissenschaftlichen Bewertung der Versuchsergebnisse zu Glyphosat. Er unterstellt sogar, dass ein erheblicher Teil der Tierstudien manipuliert worden sei. Darüber hinaus seien Studien, die keine Krebsgefahr gezeigt hätten, in der Monografie einfach gelöscht worden.

Wer ist unabhängiger Wissenschaftler?
Eine zentrale Figur in der IARC-Bewertung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ spielt Prof. Christopher J. Portier. Er hatte immer wieder „schwere Bedenken“ hinsichtlich der positiven Glyphosat-Bewertung der europäischen Behörden geäußert. Sie hätten Daten der Industrie ungeprüft übernommen und sich nicht mit allen einschlägigen Forschungsergebnissen befasst. Mittlerweile ist aber Portier selbst unter den Verdacht geraten, nicht unabhängig zu sein. Er war 2014 beim IARC an verantwortlicher Stelle für die Glyphosat-Bewertung zuständig. Gleichzeitig soll er als Berater für zwei Rechtsanwaltskanzleien Material gegen die Firma Monsanto gesammelt und dafür ein Honorar von mindestens 160.000 US-$ erhalten haben.

„Der Ausschuss ist besorgt über die wissenschaftliche Integrität der Bewertung von Glyphosat und der IARC im Allgemeinen“, heißt es in dem Brief an den US-Wissenschaftsminister und weiter: „Da die US-Steuerzahler die IARC mit finanzieren, ist es die Pflicht unseres Ausschusses, für solide Wissenschaft und Transparenz innerhalb der Agentur zu sorgen.“

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