Reaktionen zu Glyphosat

Von begrüßenswert bis instinktlos


In der Berufungsinstanz hat sich doch noch eine qualifizierte Mehrheit für die Zulassung von Glyphosat gefunden. Die Pflanzenschutzindustrie zeigt sich erleichtert. Grüne und NGOs üben scharfe Kritik.

Das Geschacher um Glyphosat hat heute in der Berufungsinstanz in Brüssel ein Ende gefunden. Nun hat sich doch noch eine qualifizierte Mehrheit unter den Mitgliedstaaten gefunden, die einer Verlängerung für fünf Jahre zugestimmt hat. Auch Deutschland hat sich diesmal nicht enthalten, sondern für eine erneute Zulassung gestimmt. Kritik kam von den Grünen und NGO. Die Pflanzenschutzindustrie zeigt sich zwar erleichtert, aber auch unzufrieden über die verkürzte Zulassung.

So begrüßt der Industrieverband Agrar (IVA) zwar die Verlängerung, der Wirtschaftsverband zeigte sich über die auf nur fünf Jahre begrenzte Laufzeit allerdings enttäuscht. „Nach den Regeln der EU-Zulassungsverordnung 1107/2009 wäre eine Genehmigung von 15 Jahren angebracht gewesen“, so IVA-Hauptgeschäftsführer Dr. Dietrich Pradt. In dem Bewertungsbericht, den die zuständigen deutschen Behörden im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt hatten, sei schon vor vier Jahren die Genehmigungsfähigkeit von Glyphosat festgestellt worden. Zuletzt hatte die europäische Chemikalienagentur Echa auf Veranlassung der Kommission die Substanz bewertet und im Frühsommer 2017 nochmals bestätigt, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, heißt es weiter vom IVA.

 „Die Entscheidung zugunsten des umstrittenen, unter Krebsverdacht stehenden Totalherbizids Glyphosat hat Europa dem desolaten Zustand der Regierungsbildung in Deutschland zu verdanken“, wettert hingegen Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament. Er brandmarkte das Verhalten von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) als „instinktlos und skandalös“.

„Die Verlängerung ist eine schlechte Nachricht für die Artenvielfalt, das Vorsorgeprinzip und die längst überfällige Agrarwende. Die drohenden Klagen mächtiger Konzerne wie Bayer und Monsanto haben für viele Politiker offenbar mehr Gewicht als der Wille des EU-Parlaments und der großen Mehrheit der Europäer“, kritisierte auch Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff.

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