Grüne Woche Berlin

Mit Kochtopf und Blüten für die Bauern

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Der erste Samstag der Grünen Woche hat viel zu bieten. Das Bündnis von "Wir haben es satt" will mit Kochtopflärm die internationalen Agrarminister wachrütteln. "Wir machen Euch satt" startet seine lokale Blüh-Aktion. Und Bauer Willi tanzt auf beiden Hochzeiten.

Zur IGW scheppern in Berlin die Töpfe. Das bunte, grün-linksorientierte Bündnis "Wir haben es satt" demonstriert dann wieder gegen die Agrarindustrie. Mit Kochgeschirr ausgerüstet ziehen am Samstag, 19. Januar die Demonstranten vom Hauptbahnhof aus am Wirtschaftsministerium vorbei, wo sich die Agrarminister aus aller Welt treffen, bis zum Brandenburger Tor. "Wir rechnen mit 10.000 Teilnehmern", sagt Christian Rollmann von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So viele seien jedenfalls zur Demonstration angemeldet. Das bunte Bündnis von "Wir haben es satt" setzt sich aus mehr als 50 Trägerorganisationen zusammen, darunter Bio-Bauern und Bio-Verbände, der Imkerbund und die AbL, aber auch NGOs wie Campact und Attac. 

Das vor vier Jahren aus einer Art Gegenbewegung der eher konventionellen Bauern entstandene Bündnis "Wir machen Euch satt" verzichtet hingegen in diesem Jahr auf eine Kundgebung in der Hauptstadt. Sie will mit der Aktion "Deutschland blüht auf!" einen regionalen Gegenpol setzen. "Die zentrale Kundgebung lassen wir sausen", bedauert Bernhard Barkmann, einer der Organisatoren, das ein bisschen. Aber die Mobilisierung der Landwirte aus allen Ecken Deutschlands für die Kundgebung in Berlin sei nicht ganz leicht gewesen. "Wir vetreten aber immer noch die Mehrheit der Landwirte", betont Barkmann. An der lokalen Blühaktion von "Wir machen Euch satt", die an dem Demonstrationssamstag startet, können sich Landwirte und ganz normale Gartenbesitzer beteiligen. Wer etwas für Insekten tun und einen Blühstreifen anlegen, will, kann sich einfach melden. Denn die Zahl von aktuell 140 Teilnehmern sei noch ausbaufähig, so Barkmann. 


Den Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof hatte in den vergangenen drei Jahren immer die Demonstration von "Wir machen Euch satt" besetzt. Jetzt wird von dort aus die Demonstration von "Wir haben es satt" starten. Für Christian Rollmann ist das keine besonders große Sache. "Wir sehen das nicht als Wettstreit", sagt er. Und die Blühstreifen-Aktion sei eine gute Sache. Allerdings dürfe sie auch nicht das Feigenblatt der konventionellen Landwirtschaft sein.

Es gibt aber auch Personen, die mit beiden Lagern auf Tuchfühlung gehen können. So wird der von seinem Blog her bekannte konventionelle Landwirt "Bauer Willi" am Samstag Redezeit auf der Bühne von "Wir haben es satt" bekommen. Um die Meinung seiner Berufskollegen dort einbringen zu können, will sich Willi im Vorfeld im Internet dazu öffentlich austauschen. "Wir sind doch schon im vergangenen Jahr auf beiden Demonstrationen gewesen und haben nichts Schlimmes dabei gefunden", erklärt Blogger-Kollege Alois Wohlfahrt. "Das schlimmste sind die Ultras auf beiden Seiten", sagt Wohlfahrt.

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