Grüne Woche

Rukwied ruft zur Einigung auf


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Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes ist besorgt über die Folgen eines möglichen Brexits. Sollte es zu einem No Deal zwischen der EU und Großbritannien kommen, könnte der Schaden größer als beim Russlandembargo ausfallen.

Großbritannien ist ein Nettoimporteur von Lebensmitteln. Deshalb müsste in beiderseitigem Interesse dringend eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien von den Politiken erzielt werden. Diesen Appell richtete der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied heute auf der Eröffnungskonferenz zur Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin an die Verantwortlichen in London und Brüssel. Am Vorabend hatte das britische Parlament den Austrittsvertrag zwischen der EU und Großbritannien mit großer Mehrheit abgelehnt. Großbritannien sei ein wichtiger Markt für die deutsche Landwirtschaft. Jährlich liefert Deutschland Agrargüter im Wert von etwa 4,5 Mrd. € auf die britische Insel, so Rukwied. Der Agrar-Exportüberschuss Deutschlands liegt gegenüber Großbritannien bei rund 3,5 Mrd. € und damit fast doppelt so groß wie der gesamte Exportwert in die USA. Rukwied zeigte sich besorgt über die Folgen eines No Deals. Sie könnten dramatischer sein als die Folgen des Russlandsembargos im August 2015. Der Exportwert von deutschen Agrargütern betrug damals rund 1,6 Mrd. €. Durch das russische Embargo von westlichen Nahrungsmitteln und Güter entstanden der Landwirtschaft Verluste von 0,5 Mrd. €.

Zum Beginn der IGW äußerte sich Rukwied zu dem vom Handel geplanten Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Tieren. Hier müsse noch das Rindfleischsegment mit eingebunden werden. Doch dies sei noch nicht praxisreif, sagte der DBV-Präsident. Bei der Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Schweinen hält der DBV eine Stufe Null für sinnvoll, darunter würde alles was unter dem deutschen Standard produziert würde, angesiedelt sein. Keine Zweifel hat Rukwied, dass der Verbraucher mit dieser Stufe umgehen könnte. Die erste Stufe würde die Mindeststandards in Deutschland abdecken. Auch aus Sicht der Bioerzeuger gebe es noch offene Fragen zur Kennzeichnung. Die Öko-Tierhalter fordern eine eigene Stufe für Biofleisch. Ferner fehle dem DBV noch der Hinweis zur Regionalität. In der Summe bewertet Rukwied das Kennzeichungssystem des Lebensmitteleinzelhandels mit vier Stufen von 1 bis 4 vorsichtig positiv. Beim staatlichen Tierwohllabel, das das Bundesagrarministerium (BMEL) nun vorlegen will, befürchtet der DBV, dass viele Betriebe schon die hohe Messlatte in der Eingangsstufe nicht schaffen. „Viele Betriebe können diesen Weg nicht gehen“, so Rukwied. Er befürchtet, dass diese Tierwohlkennzeichnung in einer Nische oder Premiumsegment landet, gerade in der Schweinehaltung.

Die Folgen der Dürre 2018 dürften laut Rukwied die Betriebe über Jahre belasten. Insgeamt erwartet der Bauernpräsident stabile Preise für seine Berufskollegen in diesem Jahr. Die Milchpreise von 34 bis 35 Cent/Liter bezeichnet er derzeit als ebenfalls stabil. Die Weizen- und Gerstenpreise liefen seitwärts und notieren 10 bis 15 Prozent über dem Niveau der Ernte 2017. Unerfreulich sei für Rukwied der Rapspreis. Er stehe mit rund 360 €/t unter Druck, ausgelöst durch steigende Sojaimporte aus den USA. Eine Stagnation sei bei den Schweinepreisen erkennbar, die deutlich unter dem Vorjahr liegen. Noch größere Sorgen bereitet dem DBV die Ferkelerzeugung, die mit 30 bis 40 € nicht kostendeckend sei.

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