Grüne Woche

Landwirte wollen wieder investieren


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Schwache Weizen- und Rapspreise verderben den Landwirten die Stimmung. Digitale Technik macht die Arbeit in Feld und Stall effektiver und schont die Umwelt.

 

Nach zwei Krisenjahren sind die Einkommen der Landwirte wieder gestiegen, dank höherer Preise für Milch und Fleisch. Aktuell ist die wirtschaftliche Stimmung in der Landwirtschaft jedoch wieder getrübt. Dies führt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), auf der Eröffnungskonferenz zur Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin auf rückläufige Preise für Weizen und Raps zurück. Aber auch die pessimistischen Zukunftserwartungen nach den neuesten Daten des Konjunkturbarometer Agrar des DBV nennt Rukwied als Ursache. Ein besonders belastender Einfluss gehe unverändert von den Pachtpreisen aus.

Die Schweinepreise haben sich nach einem Anstieg auf einem Niveau von 1,34 €/kg eingependelt. Relativ positiv werden dagegen die Rinderpreise und weiter besonders die Kapitalmarktzinsen und Leasing-Konditionen beurteilt. Landwirte nutzen ihr gestiegenes Einkommen aber auch, um mehr Eigenkapital zu bilden und Fremdkapital abzubauen.

So wollen 32 Prozent der befragten Landwirte wieder investieren und dafür laut Konjunkturbarometer 4 Mrd. € im 1. Haljbahr 2018 ausgeben, davon 2 Mrd. € in den Stallneu- und umbau und 1 Mrd. € in Maschinen. Vor diesem Hintergrund wünscht sich Rukwied schnell eine handlungsfähige und stabile Bundesregierung in Deutschland. Denn Landwirte, die in einen Stall mit mehr Tierwohl und verbesserter Technik investieren wollen, erwarten von der Politik eine Gesetzgebung, die einen Umbau oder Neubau von Ställen mit mehr Tierwohl ermöglicht. "Wir brauchen Stallumbauten, die mehr Tierwohl bringen", fordert Rukwied. Restriktive Einschränkungen, die die Vorhaben verhindern, lehnt der DBV ab.

Vor der internationalen Presse hebt Rukwied besonders den Technikvorsprung der Landwirtschaft hervor. Eine exakte Ausbringungstechnik von Düngern und Wirtschaftsdüngern, reduziere die Nitratgehalte in den Gewässern. Das neue Düngerecht ermögliche, so Rukwied, einen besseren Gewässerschutz. "Wir haben den Düngemitteleinsatz um 26 Prozent in den vergangenen 25 Jahren reduziert und gleichzeitig die Effizienz erhöht und die Nitratwerte gesenkt", sagte Rukwied. Doch gibt er zu, dass immer noch zu viele Brunnen im Roten Bereich der Nitratwerte liegen. Hier sieht Rukwied Handlungsbedarf. Wir sagen den betroffenen Landwirte. Die Werte müssen sinken. Aber das gehe langsam und brauche Geduld, denn Wasser habe ein langes Gedächnis.

Der Einsatz digitaler Technik geht auch in der Tierhaltung voran. Eine moderne Tierfütterung fördere die Gesundheit der Tiere und senke den Ausstoß von schädlichem Methan und Lachgas. Günstig sei die Technik nicht, sagte Rukwied. Doch könne sich jeder Landwirte das Passende für seine Betriebsgrößen aussuchen. Ferner bieten Maschinenringe oder Lohnunternehmen innovative Techniken an.

Aktuell ist der Index des Konjunkturbarometer Agrar gegenüber der Erhebung aus September 2017 von 26,6 Punkten auf 23,2 Punkte gefallen. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen zusammen. Bei der Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation gibt es in den Antworten Unterschiede zwischen den Betriebsformen. Während Ackerbau- und vor allem Veredlungsbetriebe eine schlechtere wirtschaftliche Situation sehen, erholt sich die Lage in den Milchviehbetrieben weiter, sagte Ruckwied. Die Zukunftserwartungen sind im Durchschnitt aller Betriebe im Dezember im Vergleich zum September deutlich zurückgegangen. Maßgebend dafür ist eine erheblich pessimistischere Einschätzung der Futterbaubetriebe.

Konjunkturumfrage
Das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird vierteljährlich im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Zur aktuellen Runde im Dezember 2017 befragte dazu das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt rund 2.100 Landwirte und Lohnunternehmer in ganz Deutschland.

 

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