Grüne Woche

Im Namen der Biene

Teilnehmerin mit Biene auf der Demonstration "Wir haben es satt" zur Grünen Woche 2018 in Berlin.
Foto: kbo
Teilnehmerin mit Biene auf der Demonstration "Wir haben es satt" zur Grünen Woche 2018 in Berlin.

Vielfalt, auskömmliche Arbeit und Nachhaltigkeit. Bauern und viele andere Interessierte demonstrieren in Berlin und in ganz Deutschland für die Landwirtschaft. Dass zwei verschiedene Initiativen dahinter stecken, fällt kaum auf.

"Krach schlagen für eine neue Agrarpolitik" war dieses Mal das Motto der traditionell zur Grünen Woche stattfindenden Demonstration "Wir haben es satt". Das hat viele Menschen am Samstagmorgen angesprochen. Denn den Veranstaltern zufolge - einem Bündnis aus Umwelt-, Menschenrechts- und alternativen Landwirtschaftsverbänden - kamen 33.000 Menschen zum Marsch durch die Berliner Innenstadt - so viele wie noch nie seit dem Start vor sieben Jahren und doppelt so viele wie 2017. "Das zeigt, dass das Interesse an den Themen Landwirtschaft und Ernährung immer wichtiger wird", erklärt Christian Rollmann, Sprecher der Bewegung. Die Polizei spricht von mehreren Zehntausend.

Essen ist politisch

Auch rund 160 Landwirte schlossen sich mit ihren Traktoren der Demonstration an, die am Bundeswirtschaftsministerium vorbei führte, in dem zur gleichen Zeit die Berliner Agrarministerkonferenz tagte. Mit Löffel und Kochtopf wurde ordentlich Lärm geschlagen, um von den mehr als 80 Agrarministern aus aller Welt bessere Bedingungen für die Umwelt, die Bauern, die Nutztiere, die Verbraucher und mehr zu fordern. Denn "Essen ist politisch", erklären die Initiatoren und als Symbol dafür steht der Kochtopflärm. Aber eigentlich dominierte ein anderes Symbol die Veranstaltung: die Biene. Viele führten Plakate mit, auf denen Insekten zu sehen waren, um auf Umweltthemen wie die Verwendung von Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat aufmerksam zu machen.

Im Berliner Wirtschaftsministerium tagen zur gleichen Zeit mehr als 80 Landwirtschaftminister aus aller Welt.
Foto: GFFA
Im Berliner Wirtschaftsministerium tagen zur gleichen Zeit mehr als 80 Landwirtschaftminister aus aller Welt.

Bauern ist Insektensterben nicht egal

Im Namen der Biene stand auch die Aktion, die von dem Bündnis "Wir machen Euch satt" auf die Beine gestellt wurde. In rund 50 Innenstädten verteilten Landwirte Samentütchen, mit denen jeder zuhause seine eigene Bienenweide anlegen kann. Weitere rund 350 Landwirte trugen auf einer Landkarte im Internet die Flächen ein, an denen sie Blühstreifen und Blühflächen anlegen werden. Die Landwirte wollen zeigen, dass ihnen das Insektensterben nicht egal ist. Die vor vier Jahren entstandene Initiative "Wir machen Euch satt" verzichtete damit in diesem Jahr auf eine eigene Kundgebung in der Hauptstadt. Es setzt auf die lokalen Aktionen und den leiseren Dialog vor Ort. In Einzelgesprächen beim Samstagseinkauf erklären sie, wie Landwirte heute arbeiten und was sie für die Insekten tun. 

Mit rund 50 regionalen Aktionen zeigen Landwirt, dass ihnen das Insektensterben nicht egal ist.
Foto. Twitter Screenshot Ostfriesisches Landvolk
Mit rund 50 regionalen Aktionen zeigen Landwirt, dass ihnen das Insektensterben nicht egal ist.

Die beiden Initiativen "Wir machen Euch satt" und "Wir haben es satt" arbeiten nicht zusammen. Dabei gäbe es bei einigen Themen durchaus Überschneidungen, beispielsweise bei der Forderung, Lebensmitteln und der Arbeit der Bauern Wertschätzung entgegen zu bringen. Eine klare Trennschärfe herzustellen, fällt Verbrauchern, die mit landwirtschaftlichen Themen nicht so tief vertraut sind, vermutlich schwer. 

Auch solche Plakate sind auf der Demonstration zur Grünen Woche zu sehen.
Foto: Twitter Screenshot Nadine Henke
Auch solche Plakate sind auf der Demonstration zur Grünen Woche zu sehen.

Solange aber Nazi-Vergleiche und andere Plakate mit radikalen Sprüchen auf der Demonstration "Wir haben es satt" zu sehen sind, wird eine Annäherung für viele Landwirte unmöglich bleiben. "Widerlich. Wie können Landwirte da mitlaufen?", schreibt die Landwirtin Nadine Henke auf Twitter zu einem Plakat mit der Überschrift "Hühner-Auschwitz".

stats