Grüne Woche

Ost-Erweiterung bei Soja

Mit Montenegro, Moldavien, Kosovo und Mazedonien wollen vier weitere europäische Länder ihren Leguminosenanbau ausweiten
Foto: kbo
Mit Montenegro, Moldavien, Kosovo und Mazedonien wollen vier weitere europäische Länder ihren Leguminosenanbau ausweiten

Der Leguminosenanbau erfährt eine Stärkung. Vier weitere Länder unterschreiben die europäische Soja-Erklärung. Ob das die Importwege für Eiweiß verändern wird, steht aber noch auf einem anderen Blatt.

„Die Wirtschaftlichkeit ist zur Zeit noch ein Problem“, erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, anlässlich des Unterschriftstermins im Rahmen der Grünen Woche. Mit Montenegro, Moldavien, Kosovo und Mazedonien unterschreiben vier weitere Länder die Absicht, vermehrt Soja oder andere Leguminosen anzubauen. Bereits im Sommer 2017 hatten vierzehn europäische Landwirtschaftsminister sich dazu verpflichtet mehr Eiweißpflanzen zu kultivieren. Bleser drückt seine Freude anlässlich der Unterzeichnung aus, er hoffe, dass die Absichtserklärung dann auch mit Leben gefüllt werde, so der Parlamentarische Staatssekretär.

Mit Soja, Made in Europe, sind vielfältige Hoffnungen verknüpft. Sie reichen von Unabhängigkeit von Importen aus Südamerika, dem Schutz des dortigen Regenwaldes und der dortigen Kleinbauern bis hin zu einem bewussteren (Fleisch) –Konsum. Von der Erfüllung ist Europa aber noch relativ weit entfernt. In der Europäischen Union können derzeit etwa 2 Mio. t produziert werden. Nach Angaben von Oil World verbraucht aber allein Deutschland rund 4,2 Mio. t Sojaschrot jährlich. Von einer Bedarfsdeckung ist man also noch relativ weit entfernt. Eine vollständige Selbstversorgung ist aber auch nicht das Ziel.

Alle ein bisschen radikaler werden

Für Matthias Krön, Geschäftsführer des österreichischen Vereins Donau Soja und eine der treibenden Kräfte der europäischen Soja-Erklärung könnten aber alle mal „ein bisschen radikaler werden“. Für ihn stehen zwei Dinge fest. Zum einen, dass über Produktionssteigerung in der Tierhaltung in Europa keine Wertschöpfung mehr zu erzielen ist. Zum anderen, dass der Fleischkonsum einen Wandel erfährt. „Wenn wir die Wertschöpfung erhalten wollen, müssen wir nicht in die Menge gehen, sondern in die Qualität. Das ist mittlerweile Mainstream“, so Krön.

Die Qualitätsoffensive im Fleischbereich könnte Krön zufolge über das Futter geleistet werden, eben über die Fütterung mit europäischem Soja. Das mache Fleisch teurer, schaffe aber eine Tierernährung, die frei von gvo sei und unabhängiger von Importen wäre. Die Hoffnungen ruht dabei auf den süd- und osteuropäischen Ländern. Denn in Nordeuropa sind die klimatischen Bedingungen für Soja schlecht. Aber das waren sie bei Mais ja auch einmal.
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