Handelskrieg

China will US-Bohnen ersetzen

Trotz eines riesigen Bedarfs will China auf die Einfuhren von Sojabohnen aus den USA verzichten. Andere Eiweißträger sollen die Lücke schließen.

Die chinesische Regierung bemüht sich, in den Medien des Landes die Auswirkungen des Handelsstreits mit den USA herunterzuspielen. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass sich China mit dem Strafzoll auf Sojabohnen aus den USA selbst schadet. Den hohen Bedarf rund 100 Mio. t könne das Land nicht außerhalb der USA decken. Diesem Eindruck versucht der Präsident des staatlichen Getreidehandels Cofco, Yu Xubo, in einem Interview mit der Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas, People's Daily entgegenzutreten.

Yu Xubo sagte in dem Interview, dass China die Sojabohnenimporte aus Südamerika erhöhen könnte. Außerdem könne China mehr Rapssaat und Sonnenblumenkerne kaufen sowie mehr Fischmehl, Soja-, Raps- und Sonnenblumenchrot importieren, um die Versorgungslücke zu schließen. Zunehmende Fleischimporte seien ebenfalls eine Option. Yu Xubo reagiert in dem Interview auf Befürchtungen, dass die hohen Einfuhrzölle die Kosten für die Tierhalter in die Höhe treiben und Schweinfleisch verteuern könnten. „Auf lange Sicht haben Südamerika und die Schwarzmeerregion in ihrem Ackerland immer noch ein großes Potenzial und können eine größere Rolle im globalen Sojabohnenversorgungssystem spielen", sagte er der Zeitung.


China kaufte im vergangenen Jahr 32,9 Mio. t Sojabohnen in den USA, das war gut ein Drittel aller Einfuhren und machte knapp 60 Prozent aller Sojabohnen-Exporte der USA aus. Internationale Analysten bezweifeln, dass China seinen Bedarf komplett außerhalb der USA decken kann. Die Rabobank schätzt, dass Peking mindestens 15 Mio. t einfuhren muss. Die Einfuhr von Sojaschrot könnte sich als Selbstbetrug herausstellen. Es wird erwartet, dass internationale Agrarhändler US-Bohnen nach Argentinien verschiffen, dort verarbeiten lassen, um das Schrot nach China zu exportieren. Ein ähnliches Modell wäre mit Indien möglich, denn auch dort gibt es freie Verarbeitungskapazitäten.

Dass China zumindest einen Teil der Bohnen in den USA kaufen muss, scheint auch der Staatsführung klar zu sein. Regierungskreise hatten bereits angekündigt, dass die Einnahmen aus den Strafzöllen eingesetzt werde sollen, um die wirtschaftlichen Folgen für die Tierhalter abzumildern.

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