Geballte Bauernprominenz präsentierte sich am Montagabend zur besten Sendezeit in der ARD. Die Chance, einem großen Publikum die Landwirtschaft näher zu bringen, blieb aber ungenutzt.

Die Mischung stimmte: Tiere (Bienen), kleine Kinder und zwei einander entgegengesetzte Pole zur Zukunft der Landwirtschaft waren die Zutaten der gestrigen Sendung "Hart aber fair". Und auch der Moderator Frank Plasberg gab sich die größte Mühe, die Diskussion in einer für den normalen Zuschauer verständlichen Sprache zu halten - sprich bei der Frage "Wer vergiftet unsere Natur?" möglichst wenige Neonics und sonstige Begriffe aus der Agrarchemie vorkommen zu lassen.

DBV bleibt Antworten schuldig

Doch die Chance, einem großen Publikum die Landwirtschaft näher zu bringen oder gar sympathisch erscheinen zu lassen, blieb ungenutzt. Von Anfang an bekleckerte sich der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, nicht mit Ruhm.

Er wirkte allzu oft wie der reflexhafte Funktionär, der auf die Frage, welchen Anteil denn die Landwirtschaft am Insektenschwund habe, ausweichend antwortete. Man wisse, dass Handlungsbedarf bestehe, räumte Krüsken zwar ein, konnte sich aber gleichwohl nicht dazu durchringen, eine Mitschuld der Landwirtschaft am Bienensterben klar zu benennen. Verständlich ist die Weigerung, sich als alleinig Schuldiger brandmarken zu lassen. Aber ob das der Glaubwürdigkeit der Branche und ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit der ARD-Zuschauer in dem Moment genutzt hat, sei einmal dahingestellt.

Sicher hätte auch ein Wissenschaftsjournalist wie Ranga Yogeshwar einordnen können, welche Ursachen das Insektensterben neben dem Pestizideinsatz außerdem hat. Diesen Kritikpunkt an einer allgemein gelungenen, unaufgeregten Debatte muss man an Moderater Plasberg richten: Hier hätte er sich um mehr Ausgewogenheit in der Betrachtung bemühen und nachfragen sollen.

Krüskens Hinweis, dass Landwirte auch nur Menschen seien, denen effiziente Arten der Unkrautbekämpfung wie eben die Anwendung des hart umstrittenen Glyphosat Freiräume schafften, um beispielsweise Zeit mit der Familie zu verbringen, ist angebracht und auch wichtig. Auch ist es von der Öffentlichkeit nicht zu viel verlangt, Landwirten zuzugestehen, der ökonomisch sinnvollsten Art der Bewirtschaftung nachgehen zu wollen, da dies neben zeitlichen, auch finanzielle Freiräume schafft. Nur leider hat es der DBV-Generalsekretär nicht vermocht, dies menschlich verständlich zu transportieren.

Zuschauer verteidigt Landwirtschaft

Das leistete stattdessen der Kommentar eines Zuschauers, der provokant die Frage in den Raum stellte, was denn wohl passieren würde, wenn Elektrosmog als eine wichtige Ursache des Insektensterbens identifiziert würde. Ob dann alle ihre Smartphones und Tablets abschalten würden?, wollte der Zuschauer wissen. Wohl kaum. Da wurde dem Verbraucher vor Augen geführt, wie schwer es doch tatsächlich ist, was sich in der öffentlichen Diskussion so leicht von den Landwirten einfordern lässt: Gewohnheiten und sein Verhalten zu ändern.

Was die Sendung ebenfalls schaffte, war Lust auf die Imkerei zu wecken. Dazu trugen die geladenen Hobby- und Profi-Imker bei. Vielleicht ein Ansatz: Wenn die Sprecher der Landwirtschaft in ihrer Verteidigungshaltung verharren, bleibt es dem Verbraucher unbenommen, Insektenförderung im eigenen Vorgarten zu praktizieren.

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