Hasskommentare

„Deine Kinder sollen (…) gebraten werden“

Auf Social Media-Seiten kann es besonders für Schweinehalter unangenehm werden.
Bild: Pixabay / LoboStudioHamburg
Auf Social Media-Seiten kann es besonders für Schweinehalter unangenehm werden.

Insbesondere Schweinehalter stehen im Fokus von Internethetze, hat ein Wiener Wissenschaftler herausgefunden. Er fordert: „Dialog“ gehört in die landwirtschaftliche Ausbildung.

Sozialen Netzwerken wird eine wichtige Rolle bei der Annäherung von Landwirtschaft und Verbrauchern zugesprochen. Doch Tierhalter erleben oft genug genau das Gegenteil, hat der Tierethiker Christian Dürnberger herausgefunden. Der Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat untersucht, was passiert, wenn Bauern den Dialog mit Konsumenten auf einer Plattform wie Facebook suchen. Neben einem positiven Feedback sind die Landwirte dabei oft auch beleidigender Kritik ausgesetzt. Dabei ist Erschreckendes zu lesen. „Im Fokus der Kritik steht ganz klar die Nutztierhaltung, und nicht etwa andere umstrittene Themen wie Umweltprobleme, Antibiotikaeinsatz oder Förderungen“, erklärt Dürnberger in einem Interview auf dem Internetportal Biorama.

Holocaustvergleiche gehören mit dazu

„Mörder“, „Tierquäler“, „Ausbeuter“ oder „Krimineller“ sind dem am Messerli-Institut arbeitenden Tierethiker zufolge typische Beleidigungen. Auch Holocaustvergleiche kämen immer wieder vor. Besonders belastend waren für die an der Umfrage teilnehmenden Landwirte die persönlichen Beleidigungen oder die von Familienangehörigen. Einer Landwirtin wurde vorgeworfen, empathielos und eine schlechte Mutter zu sein, weil sie Kühe habe und ihnen die ‚Babys‘ wegnehme. Andere mussten auf Facebook lesen: „Deine Kinder sollen (…) gebraten werden“ oder „Deine Kinder sollen an Krebs verrecken“. Der Wissenschaftler kommt nach der Auswertung der Antworten der Tierhalter zu dem Schluss, dass vor allem Schweinehalter von Hasskommentaren betroffen sind.

Kommunikation auf Augenhöhe lernen

Er fordert, dass der Umgang mit dieser Art von Kritik ein essentieller Teil der landwirtschaftlichen Berufsausbildung werden sollte. Einfach nur mehr Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Konsumenten einzufordern reiche nicht mehr. „Landwirte sollten als essentieller Teil ihrer Berufsausbildung darauf vorbereitet werden, dass sie besondere Verantwortung für Umwelt und Tier tragen – und sie sollten über diese besondere Verantwortung auch Auskunft geben können“, so Dürnberger.


Derzeit hätten Landwirte ein „enges“ Verständnis von Dialog. Viele Teilnehmer der Studie würden unter „Dialog“ die Kommunikation zwischen Experten und Laien verstehen: Der Landwirt als Experte erklärt dem Bürger als Laie, wie Landwirtschaft funktioniert. „Das ist nicht unbedingt ein echter Dialog auf Augenhöhe“, erklärt Dürnberger. Dieser ersten qualitativen Auswertung der Social-Media-Kommentare sollen weitere wissenschaftliche Untersuchungen folgen.

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