Hofnachfolge

Diversifikation als Baustein


Bild: Privat

Potenzielle Hofnachfolger stehen häufig vor einer schwierigen Grundsatzentscheidung. Tobias Roeren-Wiemers baut auf Windenergie, Tierhaltung und den Anbau von Schnittblumen.

Vor gut fünf Jahren stand Tobias Roeren-Wiemers vor genau dieser Frage. Mit 26 Jahren musste der junge Betriebsleiter nach dem plötzlichen Tod des Vaters die Entscheidung treffen, den elterlichen Betrieb, den Borchelhof im ostwestfälischen Lichtenau in der Nähe von Paderborn, zu übernehmen – oder abzugeben. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften wollte er sich ursprünglich zunächst an anderen Stellen beruflich engagieren. Die Übernahme des elterlichen Betriebs zu einem späteren Zeitpunkt war jedoch immer eine Option. Dazu fühlte er sich allein aufgrund der Tradition verpflichtet: Seit 1326 wird auf dem Hof Landwirtschaft betrieben, mit Tobias Roeren-Wiemers führt ihn die Familieheute in der 11. Generation.

Über rund 75 ha Ackerbau sowie eine Schweinemast mit damals rund 2.400 Mastplätzen verfügte der Betrieb im Jahr 2013. Auch heute noch ist die Tierhaltung der wichtigste Betriebszweig, sagt Roeren-Wiemers. Doch für eine Erweiterung im klassischen Sinne sah und sieht er keine zielführenden Ansätze. Das derzeitige gesellschaftliche Umfeld stehe dem entgegen, ist er überzeugt. Auch wollte er sich vom ständigen Auf und Ab der Marktpreise in den klassischen landwirtschaftlichen Segmenten lösen und das Betriebseinkommen in stabilere Bahnen lenken.

Der Borchelhof
Betrieb Tobias Roeren-Wiemers:
80 ha Ackerbau, Kooperation mit zwei weiteren Betrieben mit jeweils 200 ha Ackerbau, 2.100 Schweinemastplätze (Initiative Tierwohl), Betreiber von Windkraft und Fotovoltaikanlagen

Betrieb Benedikt Roeren-Wiemers:
15 ha Schnittblumen
Gemeinsamer Betrieb: 14.000 Legehennenplätze, 130 ha Ackerbau, Direktvermarktung
4 Vollzeit-AK, 2 Lehrlinge
Kreative Lösungen waren gefragt. Seine Überzeugung für neue Formen der Energiegewinnung und die Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) führten sehr rasch zu der Entscheidung, sich am Projekt Bürgerwindpark Lichtenau zu beteiligen. Mit insgesamt 200 Kommanditisten und einer Gesamtinvestitionssumme von 59 Mio. € entstanden bereits im Jahr 2015 insgesamt elf große Windenergieanlagen. Ein Jahr später entschloss sich auch sein Bruder Benedikt Roeren-Wiemers, nach dem Abschluss des Agrarstudiums an der Entwicklung des Betriebes mitzuwirken. Das Konzept der Diversifikation wurde konsequent erweitert. Nach Prüfung der Marktlage entschied sich die Familie für den Anbau von Schnittblumen. Heute werden Blumen auf 15 ha angebaut. Im Jahr 2018 ergab sich für die Brüder die Möglichkeit, in der Nachbarschaft einen weiteren Betrieb mit etwa 130 ha und einem Legehennenbestand von 14.000 Tieren zu pachten.

Offen sein für neues, ständiges Prüfen der Perspektiven, Entscheidungen treffen und umsetzen lautet das Konzept von Tobias Roeren-Wiemers. „Das Wetter, den Markt und auch die Politik können wir nicht beeinflussen“, sagt er. Wichtig sei, die Freude an der eigenen Arbeit für sich und die anderen Mitarbeiter im Betrieb zu erhalten und auszubauen. Ständige Weiterbildung, Netzwerke und Offenheit für gesellschaftliche Entwicklungen lauten seine Empfehlungen für alle Berufskollegen.

Nähere Informationen zum Thema Hofübergabe finden Sie unter hofuebergabe.agrarzeitung.de.

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