Insektenschutz

Bauernverband setzt auf Kooperation


Joachim Ruckwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, fordert beim Insektenschutz mehr Kooperation und weniger Ordnungsrecht.
Bild: DBV
Joachim Ruckwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, fordert beim Insektenschutz mehr Kooperation und weniger Ordnungsrecht.

Für den Deutschen Bauernverband münden die Leitlinien der Bundesregierung für Insektenschutz in Verbotspolitik. Gefordert wird, das Programm zu überarbeiten und freiwillige Maßnahmen zu finanziell zu unterstützen.

Das vom Bundeskabinett beschlossene Aktionsprogramm Insektenschutz werde von der Landwirtschaft nicht in seiner Zielsetzung, aber hinsichtlich der geplanten ordnungsrechtlichen Vorgaben abgelehnt, teilt der Deutsche Bauernverband (DVB) in einer Stellungnahme mit. Vor allem zeigt sich der Verband verärgert darüber, dass man von der Bundesregierung vor Verabschiedung des Programms nicht angehört worden sei.



Der DBV geht davon aus, dass „mindestens 2,3 Mio. ha“ landwirtschaftlich genutzter Flächen von der Umsetzung des Programms betroffen werden sein. Auf diesen Flächen könne „nur noch mit erheblichen Einschränkungen“ gewirtschaftet werden, so DBV-Präsident Joachim Rukwied. Der Verband kritisiert vor allem folgende drei Punkte: ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten, einen zusätzlichen Biotopschutz für artenreiches Grünland und Streuobstwiesen, sowie die Abstandsregelungen für Gewässerrandstreifen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium betonte indes, dass ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln nicht für Biosphären-Reservate und Vogelschutzgebiete gelte.



Darüber hinaus kritisiert Rukwied, dass vielen Agrarumweltprogrammen, die derzeit über die 2. Säule finanziert werden, die Grundlage entzogen werden würde, wenn das Programm „eins zu eins“ umgesetzt würde. Damit weist der DBV-Präsident auf die Tatsache hin, dass Naturschutzmaßnahmen, die innerhalb der Leitlinien für Insektenschutz gesetzliche Pflicht werden, nicht mehr aus der 2. Säule gefördert werden können. Er fordert, dass das Aktionsprogramm Insektenschutz überarbeitet und Kooperation „ausdrücklich Vorrang vor dem Ordnungsrecht“ eingeräumt werden müsse.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 24. September 2019 09:39 | Permanent-Link

    Der heutige Bauer ist kein freier Unternehmer - allenfalls noch auf dem Papier. Er fungiert vollkommen fremdgesteuert, unelastisch, als verlängerter Arm in der Hülle einer hölzernen Marionette, am besten emotionslos und dabei physisch massiv belastbar. Diese grandiose, bis ins letzte Klein-Klein ausgetüftelte Regelungswut - nicht selten mit fehlendem Sachverstand - geht an der Masse der Grundeigentümer bislang spurlos vorbei, sehr vielen fehlt dazu jeder Bezug, so dass man gegen den Bauernstand mittlerweile sogar auf die Straße geht.

    Unsere berufsständische Vertretung positioniert sich eigentlich für die Interessen selbiger Eigentümer und natürlich die der Agrar- und Ernährungsindustrie. Wir Bauern müssen genau das am Ende schlichtweg geflissentlich zur Kenntnis nehmen. Dabei fällt es selbstredend zunehmend schwerer, einen solchen Verband auch noch finanziell zu unterstützen.

    Jede Dezitonne, die heute nicht mehr produziert wird, stellt eine Wertsteigerung dar. Warum verhindert der DBV mithin kontinuiertlich, dass wir Bauern über den Verkauf unserer Erzeugnisse auf unseren Höfen existenz- und betriebswirtschaftlich fortentwicklungsfähig werden!? Warum belässt man uns anstelle dessen am vernichtenden Gängelband von Verordnungen, Erlassen, Restriktionen, verhaftet? Schmerzhaftes Ackern auf der Fläche, in unseren Ställen, unter einer stets bedrohlichen Knute, solange bis der Bestatter auf den Hof kommt!?

    Hochverehrter Herr Rukwied, die Existenzängste auf vielen Höfen sind sehr viel tiefgreifender, als Ihr Verband das in obigen Einlassungen realisiert. Dabei haben Sie und Ihresgleichen eben eine solche fatale Zuspitzung über Jahre, Jahrzehnte, toleriert und in vielen unheiligen Allianzen auch noch unverhohlen forciert. Und genau dafür kassiert heute das gemeine Bauernvolk den Fausthieb unserer Gesellschaft mitten ins Gesicht!

    Wahrscheinlich geht es verbandsseits „gefühlt“ uns Bauern aber gar nicht so schlecht, wenn man die aktuellen Zulassungszahlen der Schlepper oberflächlich analysiert; ein Indiz könnte z.B. sein, dass die Landtechnikbranche im ersten HJ 2019 etwa 10 Prozent mehr Schlepper gegenüber dem Vorjahreszeitraum abgesetzt hat. Hinterleuchten will man diese Gegebenheit natürlich aber vorsorglich mal lieber nicht...

stats