Frei lesbar: Insektenschutz

Klöckner streitet mit Havellandbauern


Bild: has

 Die vom Bundeskabinett verabschiedeten Leitlinien zum Insektenschutz sorgen für Unmut. Julia Klöckner und Svenja Schulze bekamen den Ärger bei einem Besuch im Havelland zu spüren.

Als Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Montag im Havelland in Ribbeck einen F.R.A.N.Z.-Betrieb besichtigen wollte, warteten schon einige Landwirte auf sie. „Uns ärgert Ihr rigoroser Ansatz, Verbote auszusprechen“, konfrontierte Wolfgang Scherfke, Geschäftsführer des Landesbauernverbandes Brandenburg die Ministerin. Gemeinsam mit den anderen Demonstranten sprach Scherfke sich gegen das in der vergangenen Woche von der Bundesregierung beschlossene und für 2023 angekündigte Glyphosat-Verbot aus. Darüber hinaus störten sich die anwesenden Landwirte massiv an den vom Bundeskabinett beschlossenen Leitlinien für ein geplantes Insektenschutz-Gesetz. Dazu zählt ein ab 2021 geplantes Pflanzenschutzmittelverbot in Schutzgebieten sowie auf Gewässerrandstreifen. Klöckner zeigte klare Kante: „Sie sollten nicht immer nur die Kommunikation des DBV übernehmen. Da ist Luft nach oben.“

Bauerndemo: Der Unmut der Bauern trifft Klöckner im Havelland


Zwar erkannte sie auch die Sorgen der Landwirte an. So erklärte sie, dass Einschränkungen für Betriebe, die in erosionsgefährdeten Gebieten wirtschaften, einer Enteignung gleich kämen, weil dort Unkräuter nicht mechanisch bekämpft werden könnten. Nichtsdestotrotz forderte sie die Landwirte auch heraus. „Lassen Sie uns ins Detail gehen und nicht in Überschriften diskutieren“, bat sie Scherfke. Als dieser sich über ein „pauschales“ Verbot von Pflanzenschutz in Schutzgebieten beschwerte, verwies Klöckner auf die geplanten Ausnahmeregelungen. Sollte ein Landwirt in Schutzgebieten, Probleme mit Schädlingen oder Krankheiten haben, könne dieser bei der zuständigen Naturschutzbehörde die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln beantragen.

Bauern haben Angst für Naturschutz nicht bezahlt zu werden

 Scherfke gab sich damit nicht zufrieden. „Vor lauter Antragsstellung kommen wir nicht mehr zum Arbeiten“, äußerte er im Gespräch mit agrarzeitung.de. Außerdem fehlt den Havellandbauern offenbar das Vertrauen in die Politik. „Wenn Naturschutzmaßnahmen, die Landwirte derzeit freiwillig leisten, gesetzliche Pflicht werden, dann haben wir keinen Anspruch mehr auf eine Förderung aus der zweiten Säule“, sagte ein Landwirt gegenüber agrarzeitung.de.

Zum Pressetermin auf dem Havellandhof von Peter Kaim, erschienen auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Joachim Rukwied. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes beklagte, dass mit dem Glyphosat-Verbot die Treibhausgasemissionen durch eine intensivere Bodenbearbeitung anstiegen. Für ihn überwiegen die Vorteile bei der Anwendung des umstrittenen Mittels. Schulze konterte: „Außer, dass Sie dann keine Insekten mehr haben.“

Darüber hinaus betonte Schulze, dass es „ein guter und richtiger Weg“ sei, mehr Mittel in die 2. Säule umzuschichten. Besonders vor dem Hintergrund, dass der EU-Agrarhaushalt künftig schrumpfe werde und die EU-Kommission bereits darüber diskutiere, die Fördergelder innerhalb der 2. Säule überproportional zu kürzen. Das Bundeskabinett hat in seinem Agrarpaket beschlossen, für das Jahr 2020 6 Prozent der Flächensubventionen, anstatt der bisher geltenden 4,5 Prozent, in die 2. Säule für Agrarumweltprogramme fließen zu lassen.  

 

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats