Windkrafträder können einen negativen Einfluss auf die Insektenpopulationen haben.
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Windkrafträder können einen negativen Einfluss auf die Insektenpopulationen haben.

Wissenschaftler bescheinigen der konventionellen Landwirtschaft negative Auswirkungen auf Schmetterlinge. Aber auch bei Erneuerbaren Energien wie Wind ziehen Insekten den Kürzeren, zeigt eine weitere Studie.

Den Ergebnissen von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und der Senckenberg Naturforschungsgesellschaft zufolge, sinkt die Anzahl von Schmetterlingsarten auf Wiesen mit angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen um mehr als die Hälfte im Vergleich zu Flächen in Naturschutzgebieten.
Für ihre Untersuchung haben die Forscher 21 Wiesenflächen östlich von München unter die Lupe genommen. 17 dieser Flächen liegen der TUM zufolge inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen, auf denen regelmäßig Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Die übrigen vier hingegen liegen in naturnah bewirtschafteten Naturschutzgebieten der „Dietersheimer Brenne“ und „Garchinger Heide“. Auf den Wiesen innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen haben die Wissenschaftler im Schnitt 2,7 Tagfalter-Arten gefunden, auf den vier Untersuchungsgebieten in den Schutzgebieten waren es durchschnittlich 6,6 Arten, teilt die TUM mit.

Während die Forscher der TUM ihren Fokus auf die negativen Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft gerichtet haben und umweltverträglichere Anbaumethoden fordern, nennt eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Windräder als eine Ursache für den Tod vieler Insekten. Eine Modellrechnung des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik beziffert die Zahl der durch Windräder in Deutschland getöteten Fluginsekten während der warmen Jahreszeit auf 5,3 Milliarden pro Tag. Im Nordosten könnten zwischen April und Oktober annähernd eine Milliarde Insekten pro Tag durch Rotorschlag getötet werden. Jedes siebte deutsche Windrad - knapp 2.000 an der Zahl - steht in Mecklenburg-Vorpommern.

Verluste von 1.200 t Biomasse pro Jahr

Laut den Forschern suchen Fluginsekten vor der Eiablage in großen Schwärmen hohe, schnelle Luftströmungen auf, um zu entfernten Brutplätzen zu gelangen. Die Flugrouten würden mittlerweile vermehrt von Windrädern durchschnitten, deren Rotorblätter mit Blattspitzengeschwindigkeiten von mehreren Hundert km/h für durchfliegende Insekten den Tod bedeuteten. Pro Jahr entstünden beim Durchflug Verluste von mindestens 1.200 t Insekten. Die Forscher sprechen von einer Größenordnung, "die für die Stabilität der gesamten Population durchaus relevant sein könnte".

Kritik an der Studie des DLR kommt vonseiten des Bundesverbandes Wind Energie. Dieser moniert methodische Schwächen: Es handele sich um grobe Schätzungen, denen keine empirisch gesicherte Basis zugrunde liege. Die Wissenschaftler räumen Unsicherheiten ihrer Analyse ein, nichtsdestotrotz sei die Entwicklung besorgniserregend, so die DLR-Forscher.

Um wissenschaftlich fundierte Daten zum Insektenstatus bemüht sich auch die Bundesregierung. Das Konzept zur Einrichtung eines wissenschaftlichen Monitoringzentrums für Biodiversität soll im Frühsommer 2019 fertig sein. Damit soll eine wissenschaftliche Grundlage für den Schutz von Insekten geschaffen werden. Der Aufbau des Zentrums werde ein bis zwei Jahre dauern. 

Einflussfaktoren auf Insektenpopulation

Quelle: az-Recherche, BMU



Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Ulrich Windhüfel
    Erstellt 22. März 2019 17:36 | Permanent-Link

    Konsequenz: alle Windräder stilllegen. Einverstanden. Aber dann auch: generelle Geschwindigkeitsbeschränkung von Autos und Zügen auf 40 km/h. Bei meinem Schlepper hatte ich nämlich noch keine Insekten auf der Frontscheibe.

  2. Thomas Schmidt
    Erstellt 23. März 2019 08:29 | Permanent-Link

    Die Studie der TUM mag sicher richtig sein, jedoch wäre die richtige Interpretation die, dass es sich gelohnt hat, diese Naturschutzflächen auszuweisen, da hier mehr Schmetterlinge sind als in intensiver genutzten ldw. Flächen. Übrigens sind 40% des Wertes aus Naturschutzflächen ein guter Wert für die Population von Insekten in ldw. Flächen.

  3. Eberhard Hepp
    Erstellt 24. März 2019 12:37 | Permanent-Link

    Alle unnötigen Beleuchtungsquellen ausschalten. Auch dort rennen sich Falter und Mücken
    zu tausenden die Köpfe ein. Da sollte sich PETA mal drum kümmern, ob das mit Tierschutz vereinbar ist!

  4. Fe Krem
    Erstellt 25. März 2019 09:07 | Permanent-Link

    Dann bitte auch den Flugverkehr einschränken. Aber das würde dann an der Komfortzone des Bürgers rütteln. Dann doch lieber als Hauptverursacher den kleinen Landwirt an den Pranger stellen!

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