Internationale Grüne Woche

Digitalisierung bis zur letzten Scholle


Foto: da

Digitalisierung ist für Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) ein Mittel, um die Konflikte von steigender Produktivität bei gleichzeitigem Schutz von Ressourcen in der Landwirtschaft zu lösen. Beim Tierschutz will Deutschland in der EU Standards setzen.

„Wir brauchen die Digitalisierung bis zur letzten Scholle und in den entferntesten Stall. „Wir werden nicht ohne Pflanzenschutz auskommen, um die Welternährung zu sichern“, sagte Klöckner heute auf der Grünen Woche in Berlin. Rund 70 Mio. € will das Bundesagrarministerium (BMEL) für digitale Testflächen ausgeben. Im Bundesagrarministerium bekommt jede Abteilung einen Referenten für Digitales. Auch die BMEL-Halle auf der Grünen Woche in Berlin als Publikumsmagnet ist komplett interaktiv aufgestellt. Jeder Stand vom Steilhang bis zum Stall ist mit digitaler Technik zum Anfassen für die Besucher neu gestaltet worden. Digitale Technik soll schnell von der Ackerfurche bis in die Cloud reichen, lautet das Ziel von Klöckner. Damit lasse sich Tierwohl und der Einsatz von Düngern messen. Klöckner ist wichtig, dass es kein Deutschland der zwei Geschwindigkeiten geben darf. Jeder Landwirt muss das schnelle Internet nutzen können.

Klöckner wirbt in Berlin dafür, die Polarisierung zwischen Verbrauchern und Landwirten aufzulösen. Auf der politischen Bühne sieht die CDU-Politikerin den schwelenden Konflikt mit Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) entspannt. Schulze hatte ihr vorgeworfen, Klöckner würde die Umweltaspekte bei den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik in Brüssel vernachlässigen und davon nichts verstehen. „Wir kommen Schritt für Schritt in Brüssel weiter. Dabei geht es um die Ecoschemes für die Umweltleistungen sowie die Konditionalisierung der ersten Säule“, sagte Klöckner gegenüber der agrarzeitung (az).

Jede Politikerin habe ihre Schwerpunkte, sagte die Ministerin in Richtung Umweltministerin Schulze. Doch bevor darüber verhandelt werde, wie die Grüne Architektur der GAP aussehen soll, müsse erst einmal klar sein, wie viel Geld überhaupt der EU-Agrarhaushalt für die neue Förderperiode ab 2021 bereit halte. Darüber werde sich Deutschland zusammen mit Finnland, das im 2. Halbjahr 2019 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt und Gastland der IGW ist, einsetzen.

In ihrem Statement vor Agrarjournalisten in Berlin betonte Klöckner, dass sie kein Gesetz erlassen wird, das den Menschen vorschreibt, was sie essen sollen. Sie reagiert auf kritische Fragen von Journalisten hinsichtlich der freiwilligen Teilnahme am staatlichen Tierwohllabels und die unzureichende  Kennzeichnung auf Lebensmitteln. 

„Ich habe eine moralische Pflicht, mich nicht nur mit Gesetzen zu Wort zu melden, sondern auch gesellschaftliche Debatten anzustoßen", erwiderte Klöckner. Viele Verbraucher wollten wissen wie ein Tier gehalten wird und würden auch für mehr Tierwohl mehr zu bezahlen. Wir müssen bei der Gesetzgebung EU-konform bleiben deshalb liege das Gesetz zur Einführung der Haltungskennzeichnung derzeit bei der EU-Kommission in Brüssel. Über das Tierwohllabel werde der Deutsche Bundestag diskutieren und eine Verbändeanhörung durchführen.

Auf das Schärfste verurteilte Klöckner den Tod von 900 Schweinen im Stall von Johannes Röring. Wenn die Elektronik bewusst vorsätzlich von Einbrechern abgeschaltet werde, habe das nichts mit Tierschutz zu tun. Der Staat muss kontrollieren, dass Gesetze eingehalten werden. Wer sich nicht an das Tierschutzgesetz hält, dessen Stall werde geschlossen. Für die Kontrollen seien die Länder verantwortlich.

Für richtig hält Klöckner die Entscheidung, das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre zu verschieben. Jetzt sei das Mittel Isofluran 2019 zugelassen und die Narkosemasken können in großen Mengen produziert werden. Die Landwirte werden nun für die Kastration mit Isofluran geschult. All das wäre zum 1. Januar 2019 nicht möglich gewesen. "Mit unserer Forschung haben wir die Geschlechtsbestimmung im Ei erreicht." Nun wird es nicht mehr zum Schreddern von männlichen Küken kommen. „Mit diesen Fortschritten wird Deutschland den höchsten Tierschutz-Standard in der EU erreichen.“

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats