Internationaler Rapskongress Berlin 2019

Der Traum vom resistenten Raps


Hubertus von Paetow
Foto: da
Hubertus von Paetow

Mit knapp 900.000 ha hat die Rapsproduktion in Deutschland seinen historischen Tiefstand erreicht. Die Reglementierung von Dünger und Pflanzenschutz erhöht die Unsicherheit in der Landwirtschaft. Alternativen in der Unkrautkontrollen und biologischem Pflanzenschutz sind vorhanden.

Raps ist anfällig für enge Fruchtfolgen, die Ertragskurve ist in den vergangenen Jahren merklich von 5 auf durchschnittlich 3,5 4 t/ha gefallen. Hauptursache für das nachlassende Interesse der Landwirtschaft an Raps sind nach den Worten von Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), die zunehmenden Probleme mit Schädlingen im Raps. Gegen bestimmt Schädlinge sind einige Pflanzenschutzmittel schon resistent. Dies bezeichnet Landwirt Paetow als heimische und selbst gemachte Probleme. Er spricht auf dem Internationalen Rapskongress (IRC) von strengeren Sicherheitsstandards, die sich in den kommenden Jahren abzeichnen. Selbst wenn in Polen in diesem Jahr die Anwendung von Neonicotinoiden ausnahmsweise erlaubt sei, dürfte das Verbot in absehbarer Zeit auch hier gelten. Mit Nachdruck verlangt der Landwirt von der Industrie umweltverträglichere Mittel für den Rapsanbau. Rapsöl ist ein wichtiger Betriebsstoff für Biokraftstoffe. Doch um die C02-Einsparungsziele zu erreichen, müsse auch der Einsatz von Düngern heruntergefahren werden. „Wir müssen große Anforderungen erfüllen, um weiter Raps anzubauen. Der hohe Einsatz von Betriebsmitteln müsse in Einklang mit dem Grundwasserschutz und Resistenzen stehen. Viele Landwirte haben sich den integrierten Pflanzenbau auf die Fahne geschrieben, sich aber an die Forderung nicht gehalten, den Pflanzenschutzmitteleinsaatz auf ein Miminum zu begrenzen.

Eine breite Fruchtfolge sowie alternative Methoden tragen heute schon dazu bei, den Rapsanbau nachhaltiger und weniger umweltschädlich zu gestalten. Konkret nennt Paetow eine Unkrautkontrolle durch mechanische Bearbeitung im Raps sowie der Einsatz von Fungiziden mit biologischen Wirkstoffen. Auch neue Züchtungstechnologien könnten zu einem effizienteren Rapsanbau beitragen. Nach 20 Jahren sollte die Bundesregierung die Gentechnikgesetz ändern und neue Technlogien berücksichtigen wie die Züchtung von Muttergenen.

Paetows Traum ist: Raps zum Soja der kalten Regionen zu machen. Wir müssen den Stickstoffüberschuss und die hohen Emissionen im Rapsanbau in den Griff bekommen. Zusammen mit Wissenschaftlern arbeitet die DLG an nachhaltigen Lösungen zum Rapsanbau. In 15 Jahren könnte Paetows Traum wahr werden, Raps ist resistent gegen Schädlinge, das Unkraut wird mechanisch bekämpft und wir haben einen Raps der alles liefern kann, vom Biodiesel bis zum veganen Fleisch-Burger.

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 18. Juni 2019 13:14 | Permanent-Link

    Es gibt Saatzüchter, die heute schon innerhalb der roten Gebiete Deutschlands im Rapsanbau ein Ertragspotential jenseits der 5 t/ha bei rapsintensiven Fruchtfolgen mit einem reduzierten Pflanzenschutzeinsatz publizieren. - Welche hehren Ziele strebt also die Rapsforschung noch an?

    Bei aktuell verbleibenden 900.000 Hektar Rapsflächen innerhalb deutscher Grenzen - mitnichten „Optimalbestände“, die sich dem kritischen Auge präsentieren - widerspiegelt dieses schwarze Gold ein Erzeugerpreisniveau von kaum mehr 350 €/t, und das bei eher seltenen 10 Überfahrten im Minimum, in der Regel 12 Überfahrten, wo bei letzteren nach oben alles offen blieb.

    Lautet die Zielsetzung der DLG/UFOP also, die Landwirte sollen mehr „schwarze Masse“ produzieren, die an der monetären Wertschöpfung auf unseren Höfen wiederum komplett vorbeigeht!? Die Philanthropen unter uns Bauern werden mithin im Rapsanbau eine nachhaltige Steigerung bewerkstelligen, sozusagen leidenschaftliches Goodwill auf dem Acker, der leider, leider aber an der jeweiligen eigenbetrieblichen Ökonomie dieser Gutmenschen gänzlich vorbeischrammt!?

    Warum setzt man sich nicht mit dem Raps-Ökoanbau ernsthaft auseinander? Entpuppt sich unsere UFOP auf ihrem „Rapsauge“ dahingehend als die Einäugige unter allen Sehenden? Bestünde nicht gerade in diesem Umfeld das allseits erträumte Nachhaltigkeitspotential ohne Ende?

    Schließlich boomt der Öko-Anbau als DAS Umweltschutz-Allheilmittel schlechthin. Eine Vielzahl der aufgeklärten Verbraucher lechzt förmlichst nach selbigem goldfarbenen Rapsöl für eine gesunde Ernährung. Bezeugt haben die Bürger dies in Vorreiterrolle in schon zwei Bundesländern, eine solche Welle schwappt sicherlich noch übers ganze Land. - Warum also verwendet man darauf nicht gewichtig die nötige „Energie“, setzt unverkennbare Zeichen?

    Die zukunftsweisenden Ölpflanzen, die mit weitaus weniger Problemen im Anbau behaftet wären, sind und bleiben ein absolutes Tabuthema, obgleich man sich ernsthaft Gedanken machen sollte im Hinblick auf eine künftig zuverlässige Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren-Versorgung der Bevölkerung. Kein absolutes Armutszeugnis auch für die Wissenschaft, die sich dahingehend gefordert sehen müsste; oder ist ein solches Themenfeld vielleicht derzeit gelistet unter „top(f) secret“!?

    Standardgemäß eilen wir wohl eher aber der Zeit mit „groooßen Schritten“ voraus. ;-)

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