Interview Christoph Hüsing

"Es ist schwer, aus der eigenen Filterblase rauszukommen"

 Christoph Hüsing, Geschäftsführer von Land.Schafft.Werte
Foto: Land.Schafft.Werte
Christoph Hüsing, Geschäftsführer von Land.Schafft.Werte

Die Plattform Land.Schafft.Werte. widmet sich der Verbraucher-Kommunikation. Christoph Hüsing, Geschäftsführer des Träger-Vereins erklärt, wie die Botschaften aus der Fleisch-Branche ankommen.

agrarzeitung: Vor rund einem Jahr ging die Plattform Land.Schafft.Werte. online. Wie läuft es?

Christoph Hüsing: Wir wachsen – aktuell haben wir online ein paar 100 Nutzer pro Woche. Die meisten Nutzer kommen aus den sozialen Netzwerken. Topwert eines Beitrages sind dabei 60.000 erreichte Personen. Und das ist gut.

Knapp 60 Mitglieder entlang der Wertschöpfungskette Fleisch - außer Geflügel - finanzieren Ihren Verein, damit er über die Branche informiert. Kommen Sie aus Ihrer Fleisch-Filterblase heraus?

Christoph Hüsing: Wir wollen nicht für den Vegetarier aus Berlin kommunizieren. Unsere Zielgruppen sind zunächst Menschen, die unserer Branche näherkommen, Young Professionals aus dem ländlichen Raum zum Beispiel. Aber auch die erreicht man nicht ohne große Mühen. Es ist schwer, aus der eigenen Filterblase rauszukommen

Sind die Auftraggeber enttäuscht?

Christoph Hüsing: Nein. Nach einem Jahr ist niemand enttäuscht. Wir sprechen alles offen an. Wir stehen alle vor dieser Hürde „Filterblase“. Uns gäbe es nicht, wenn schon jemand den Königsweg gefunden hätte.

Es gab vor Ihnen schon andere. Das Forum Moderne Landwirtschaft beispielsweise. Wozu noch Land.Schafft.Werte?

Christoph Hüsing: Es gibt genügend Unternehmen, die der Meinung sind, dass die Wertschöpfungskette Fleisch noch nicht ausreichend abgedeckt ist. Wir stellen die Menschen in den Vordergrund. Wir zeigen die Branche auf eine sehr persönliche Art und Weise. So zeigt der neueste Beitrag von Caro on Tour, wo das Wiener Schnitzel herkommt, und warum jemand am Fleischerband steht.

Von Kälberstall bis Schnitzel - die Themen des Website sind breit getreut.
Foto: Land.Schafft.Werte
Von Kälberstall bis Schnitzel - die Themen des Website sind breit getreut.

Laut Homepage wollen Sie die aktuelle Situation zeigen, „ohne zu beschönigen“. Gehört dann das Zeigen von Zähneschleifen und Ferkelkastration nicht dazu?

Christoph Hüsing: Wir wollen eine Nähe zum Verbraucher herstellen, doch wir stehen am Anfang einer breiteren Kommunikation. Wenn das Erste, das neue Nutzer bei uns sehen, die kritischen Themen sind, wird kein langfristiges Interesse geweckt - auch nicht für die vielen Dingen, die rund laufen und in denen wir in Deutschland voran gehen. Dennoch, wir schließen kein Thema aus, aber alles zur richtigen Zeit mit der richtigen Ansprache. 

Imagearbeit

Im April 2017 startete der Verein Land.Schafft.Werte. mit seiner Internetplattform. Sie will über die Fleischbranche informieren und an einem besseren Image feilen. Knapp 60 Mitglieder – vom Agrarhandel über Erzeugergemeinschaften und Tierärzte bis zum Schlachthof zählt der Unterstützerkreis, der 5.000 € jährlich pro Mitglied einzahlt. Die meisten Mitglieder sind bisher in der viehdichten Region im Nordwesten Deutschlands angesiedelt.

„Der Verbraucher“ spricht aber schon darüber.

Christoph Hüsing: Wir können nur für einen kleinen Ausschnitt aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft sprechen. Die Branche ist sehr divers. Da wird man nicht immer alle zu 100 Prozent hinter sich haben. Klar ist aber auch, dass sich die Branche weiterentwickeln und an Anforderungen anpassen muss. Doch wir müssen realistisch bleiben. Nur zum Vergleich: In Südamerika, da läuft noch Round Up Werbung im Fernsehen.

Ein ziemlicher Spagat ... 

Christoph Hüsing: Ich halte die vielen Nischen in der Fleischwirtschaft für sehr positiv und da entwickelt sich auch noch viel mehr. Aber das muss massenfähig bleiben. Wir haben alle ein Interesse daran, dass Agrar in Deutschland bleibt. Ich will mir diesen Grundoptimismus erhalten.

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