Interview mit Dr. Andreas Möller

"Die Summe an Einschnitten macht mürbe"

Dr Andreas Möller kritisiert die fehlende landwirtschaftliche Fachkenntnis von Städtern.
Bild: David Ausserhofer
Dr Andreas Möller kritisiert die fehlende landwirtschaftliche Fachkenntnis von Städtern.

Andreas Möller kritisiert in seinem Buch "Zwischen Bullerbü und Tierfabrik" die Bequemlichkeit der ‚Bionade Biedermeier‘ vom Prenzlauer Berg. Diese tragen zum Frust der Landwirte bei, meint er.

agrarzeitung: Was haben ‚Bionade-Biedermeier‘ mit den aktuellen Protesten zu tun?

Dr. Andreas Möller: Eine Menge. Auch wenn sich die Proteste aktuell gegen die EU-Landwirtschaftspolitik und das Agrarpaket der Bundesregierung richten, muss man die Ursachen der Frustration tiefer suchen. Es gelingt unserer Gesellschaft offenbar nicht, die Lage vieler Landwirte im Spannungsfeld von steigenden Bodenpreisen, Fremdkapital, fallenden Erlösen für Erzeuger und gleichzeitig steigenden regulatorischen Auflagen und dauerhafter öffentlicher Kritik unter einen Hut zu bekommen.

Was genau werfen Sie der Gesellschaft vor?

Ich erlebe das in meinem städtischen Freundeskreis hautnah, in dem viel von Nachhaltigkeit die Rede ist, zugleich aber elementare Kenntnisse der Nahrungsmittelproduktion fehlen. Kaum jemand kann dort die vier Hauptgetreidearten auseinanderhalten, geschweige denn sich einen ‚Rucksackbullen‘ vorstellen.

"Zwischen Büllerbü und Tierfabrik",Verlagsgruppe Random House, ISBN: 978-3-579-08724-5
Verlagsgruppe Random House
"Zwischen Büllerbü und Tierfabrik",Verlagsgruppe Random House, ISBN: 978-3-579-08724-5

Was müsste der Verbraucher tun, um die vielfach geforderte Agrarwende zu unterstützen?

Wir brauchen die Bereitschaft, uns der Komplexität der Landwirtschaft stellen zu wollen – und uns dabei nicht aus der Rechnung herauszustreichen. Genau das geschieht aber jeden Tag. Es ist en vogue geworden, Forderungen wie jene der Volksbegehren zur Rettung der Bienen isoliert auf die Straße zu bringen, das heißt: ohne vorher nach möglichen Kollateralschäden zu fragen. Das ‚Bienensterben‘ ist dabei besonders mobilisierungsfähig, weil die anschließenden Maßnahmen nur wenige Menschen direkt betreffen – die Landwirte nämlich. Es ist einfacher, für etwas zu stimmen, das einem selbst nicht wehtut und dazu einem übergeordneten Ziel dient.


Mutet das Agrarpaket den Landwirten zu viel zu?

Ich habe auf Twitter den Satz gelesen: Das Agrarpaket sei nicht der Stein des Anstoßes, sondern der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Das trifft es ganz gut. Es ist die Summe, die mürbe macht, nicht nur die Einschnitte beim Pflanzenschutz allein. Bei vielen Landwirten hat sich das Gefühl verfestigt, man ließe sie ohne das Aufzeigen praxistauglicher Alternativen zum Pflanzenschutz im Regen stehen und setze der Zulassungsdauer für Glyphosat in der EU keinen wirtschaftlich tragfähigen ‚Fahrplan‘ zum Umstieg entgegen. Es geht also nicht um die Grenzen der Zumutbarkeit der jetzt beschlossenen Maßnahmen, sondern um die Grenzen der Zumutbarkeit insgesamt.

Wie kann der Konflikt zwischen Landwirten, Bauernverbänden und Politik gelöst werden?

Die Landwirtschaft braucht mehr symbolische Rückendeckung...

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 43/2019, Seite 3. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen

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