Interview mit Olaf Brandt (BUND)

„Ein Umbau wird am Ende teuer werden“


Foto: BUND

Der neue Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), will die Kontroverse zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zum Konsens führen.


Schwere Zeiten für Olaf Bandt als neuer Vorsitzender beim BUND. Einerseits gibt es Zustimmung zur Agrarwende, andererseits heißt es, damit könne die Landwirtschaft nicht überleben.

agrarzeitung: Wie bewerten Sie das Agrarpaket?

Olaf Bandt: Das Aktionsprogramm Insektenschutz hat uns tief enttäuscht. Wir sehen nicht, dass wir damit die Trendwende für den Insektenschutz in der Landwirtschaft erreichen. Dazu sind die angedachten Fördermittel für die notwendigen Umstellungen in der Landwirtschaft viel zu gering. Am Ende werden die Landwirte alleingelassen mit dem Mehraufwand, den die Umsetzung des Aktionsprogramms mit sich bringt. Dazu wird eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln und an der Ladentheke benötigt. Die Politik setzt mit dem Agrarpaket große Ziele, aber konkrete Maßnahmen für die Betroffenen in der Agrarwirtschaft sind nicht refinanzierbar.

Sind Bauernproteste gerechtfertigt?

Das Sturmlaufen der Landwirte ist aus ihrer Perspektive verständlich. Die ökologischen Anforderungen der Umwelt- und Tierschutzverbände und die wirtschaftliche Lage der landwirtschaftlichen Betriebe sowie die Unterstützung aus der Politik passen noch nicht zusammen. Zudem haben wir uns nicht gesellschaftlich darauf verständigt, welche Landwirtschaft wir in Zukunft haben wollen.

Zur Person

Olaf Bandt (60) bezeichnet sich selbst als Streiter für den Umwelt- und Naturschutz. Vor einer Woche ist der Bundesgeschäftsführer zum neuen Vorsitzenden des BUND gewählt worden. Nach dem Studium arbeitete der Umwelttechniker in der Eisen- und Stahlindustrie. Heute fehlt der Vater von drei Kindern in keiner Verbändeanhörung zu Umweltgesetzen in Berlin. Ämter in Parteien sind für Bandt ein No-go.

Ich fange als Vorsitzender des BUND in einer Zeit an, in der die Gesellschaft und die Landwirtschaft hoch polarisiert sind. Ich bin skeptisch, ob die Bundesregierung den Konflikt mit ihren Vorschlägen zum Agrarpaket lösen kann. Wir brauchen ein Mehr an Verständnis zwischen Landwirten, Natur- und Tierschützern und Verbrauchern, was die Gesellschaft will und unter welchen ökonomischen Bedingungen die Landwirtschaft dies leisten kann. Ich erlebe auf beiden Seiten eine Unzufriedenheit. Wir brauchen einen Gesellschaftsvertrag zur Rolle der Landwirtschaft.

Sie wollen also keine Reduktion im Pflanzenschutz?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Wir brauchen eine tiefgreifende Umstellung in der Landwirtschaft. Ich sehe nur, dass die Politik das nicht hinbekommt, die Umstellung in dem Maße durchzusetzen und so zu begleiten, dass die Wende möglich wird. Die Polarisierung mit der Aktion der Grünen Kreuze zwischen allen Beteiligten ist ohnegleichen in einer gesellschaftlichen Umbruchsituation.

Nun braucht es von der Politik einen Entwurf, wie wirksamer Insektenschutz mit gesicherten Einkommen auch auf bäuerlichen Höfen verbunden werden kann.

„Die Landwirtschaft soll gerechte Preise erhalten.“
Olaf Brand, 

Wo soll das Geld herkommen?

Wenn es mehr EU-Geld gäbe, um ökologische und Tierschutz-Leistungen der Landwirte zu fördern, wäre das sehr gut – egal, aus welcher Säule das Geld kommt. Doch seit Jahren ist das unsere Forderung – und am Ende kommt in den Verhandlungen zu wenig an Fördermitteln für den Umbau der Landwirtschaft heraus. Gleichzeitig geht das Höfesterben in rasender Geschwindigkeit weiter und wir Umweltverbände werden dafür verantwortlich gemacht. Dabei sind doch nicht wir die Täter, sondern es sind andere Mechanismen, die dazu führen, dass Landwirte zu wenige Mittel haben, um die Forderungen der Gesellschaft zu erfüllen. Deshalb müssen die EU-Agrarsubventionen zum einen so umgeschichtet werden, dass daraus gesellschaftlich gewünschte Leistungen auf den ökologisch und konventionell arbeitenden Höfen honoriert werden können.

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Zum anderen sind da die Supermärkte, wo fünf Konzerne die Preise diktieren und die Landwirte zu Bittstellern in den Verhandlungen degradiert werden. Ein Umbau der Tierhaltung, eine Wende im Ackerbau und mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft werden am Ende teuer. Dazu brauchen wir ein Umdenken an den Kassen der Supermärkte.

Führen Volksbegehren zur Wende?

Das ist ein Ausdruck der gesellschaftlichen Polarisierung, dass ein Teil der Menschen in Deutschland die konventionelle Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form nicht mehr akzeptiert. Denn tatsächlich sind die negativen Auswirkungen mit dem Insektensterben und den Grundwasserbelastungen nicht mehr hinnehmbar. Ich möchte dazu beitragen, die Konfrontation zum Konsens zu führen. Man merkt, dass durch die Volksbegehren Konfrontationen entstehen, die ein gemeinsames Handeln erschweren. Ich beobachte eine Konfrontation zwischen Umweltverbänden und Landwirtschaft, die nicht zielführend ist. Wir haben weiter das Höfesterben und den Verlust von Arten. Dass Bauernverbände und Umweltschützer nicht mehr miteinander reden und keine gemeinsame Linie finden, finde ich bei allen Möglichkeiten der Finanzierung, die es in Deutschland und in der EU gibt, nicht akzeptabel.

In Bayern sind die Begleitgesetze zum Volksentscheid aufgenommen worden. In Baden-Württemberg setzen sich die Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, zu dem auch der BUND gehört, erstmals mit Politik und Landwirtschaft an einen Tisch, um einen Konsens zu finden.  Auf Bundesebene sind wir noch nicht soweit.

Sind Kooperationen ein Weg?

In Bremen kooperieren wir als BUND mit Landwirten für den Schutz von Wiesenbrütern. Man lernt sich kennen und zu akzeptieren. Das sind positive Einzelbeispiele. Wir brauchen staatliche Rahmenbedingungen und die nötigen Finanzen, damit das der Normalzustand wird. Das geht nicht nur auf freiwilliger Ebene, aber auch nicht allein mit Ordnungsrecht, mit dem man etwas ohne Rücksicht auf ökonomische Notwendigkeiten durchsetzen kann. Da braucht es gesellschaftlichen Konsens.

Wo soll das Geld herkommen?

Hier ist die Politik gefragt. Es muss Umsteuerungen in der Agrarpolitik geben, weil man merkt, dass es nur in kleinen Häppchen funktioniert. Wenn es einen gesellschaftlichen Kompromiss geben soll, muss es doch in Deutschland möglich sein, dass sich höhere Preise für Nahrungsmittel abbilden lassen. Die Landwirtschaft soll nicht von EU-Milliarden abhängig gemacht werden, sondern auch gerechte Erzeugerpreise erhalten. Ich weiß, das ist ein dickes Brett.

Kann die Landwirtschaft die Düngeverordnung umsetzen?

Ja. Wir sehen aber, dass die Anforderungen an die Landwirtschaft hoch sind und sie es aus eigener Kraft nicht schaffen wird. Es braucht Finanzierung aus der EU-Agrarförderung beim Umbau der Stallanlagen und gerechte Preise an der Ladentheke sowie ein verpflichtendes, staatliches Tierwohllabel. Gerade in den Ballungsräumen der Tierhaltung wird es ohne eine Abstockung der Bestände nicht gehen. Das sagt ja sogar die Wissenschaft. Doch der Mut, etwas zu stemmen, der fehlt mir in der Politik und beim Bauernverband.

Ist die Digitalisierung der Schlüssel?

Für uns ist das Vorbild der bäuerliche Betrieb, der Arbeitsplätze im ländlichen Raum sichert. Ich befürchte, dass Wissen und Technologie in den Händen Weniger sind und die Landwirte wieder in neue Abhängigkeiten geraten. Ich möchte mir den ländlichen Raum nicht als Arbeitsplattform für autonome Agrarmaschinen vorstellen, sondern als Lebensgrundlage für bäuerliche Betriebe mit sicheren Arbeitsplätzen und lebendiger Nachbarschaft.

1 Kommentar

  1. Thies Kruse
    Erstellt 25. November 2019 19:12 | Permanent-Link

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Mit ausdauernder Beharlichkeit behauptet Herr Brandt wieder einmal, das Landwitschaft der Haupt Auslöser des Insektensterbens ist.
    Es ist bewiesen, das die Krefeldstudie das Jahr mit dem höchsten Druck an Insekten, an das sich Insektenkundler und Landwirte erinneren können, als Maßstab genommen haben, und ein Nasses kaltes Jahr als negativ Beweiß. 1991 zu 2018 wäre deer Unterschied nur 9 % zu sehen bei Werner schleupen 20119 sind die Landwirte nur der Sündenbock im Netzt.
    Die Jahrzentelange Insektenbonitierung ist hier massiv mißbraucht worden, und mit falschen Schlüssen versehen. Danach wurde sie durch PC manipullierte Eingriffe innerhalb von Stunden zu einer angeblich meißtbeachteten Studie der letzten Jahre, mehrere 100000 mal aufgerufen. Das ist der Maßstab, der als Gradmesser für die 65 Seiten des Ministeriums BmU Frau Schulze dient. Eine Frechheit des Ministeriums und des BUND.
    Seit über einem Jahr wird darüber im Netz gesprochen, siehe Bauer Willi, Herwig Scholz im März 19. Keine Presse nimmt es auf, sondern druckt immer weiter diese Fak News des BUND. schon 2008 hat der BUND und Nabu bei Proffessor Warnke eine Studie in Auftrag gegeben, Auswirkung der Strahlung von Frequenzen auf Bienen, und Vögel.
    Schon damals war klar, wie stark die Einwirkungen auf Insekten und Vögel sind. Dazu bitte das Buch Bienen Vögel und Menschen 40 Seiten lesen vor allem auch Seite 28 und 29., im Netz zu erhalten Download, und gleichzeitig dazu viele Infos der Kompetenzinitiatve für Mensch unf Tier, die auch das Buch von Herrrn Warnke herausgebracht hat.
    Ich wünsche mir ein veröffentlichtes Staitment zwischen ihnen und dem BUND zu dem Thema, dann kommen wir den Ursachen des Insektensterbens näher. Dazu die Auswirkungen des sauren Regens, und dem Problem des Höfestrebens und der Nutzungsänderung. , usw. , keine Misthaufen, keine Insekten, keine Vögel.
    Dazu noch Folgendes, im Getreidebestand können unmengen an grünen Pfirsichblattläusen vorkommen, nie im Leben finden sie dort eine mehlige Kohlblattlaus. Will heißen, es ist natürlich, und Biologisch erklärbar, das in unterschiedlichen Kulturen, Beständen, unterschiedliche Populationen zu finden sind.
    Nach der Wende sind viele Landwirte nach Ostdeutschland gezogen, Argumente: Grosse Flächen, Effektive Flächen für große Maschienen, sie gaben der Kleinparzelligkeit Westdeutschlands keine Zukunfsaussichten. Heute wird über einen Kamm gebügelt.
    Der BUND steht in Brandenburg, MVP auf dem Acker, und sieht keine Ackerrandstreifen, die Westdeutschen Betriebe können Landauf Landab schon heute 7 % Greening also die Auflage Ausweichflächen nachzuweisen schon jetzt in ihren Grundanträgen zum größten Teil ohne zusätzliche Maßnahmen nachweisen, sondern einfach durch Grabenränder usw. Fragen sie die Jäger, Füchse Marderhunde Krähen Bussarde Eulen Weihen haben stark zugenommen, Hauptnahrung Mäuse, Singvögeleier und Vögel, Bodenbrüter Eier und Küken, Hasen Kanninchen usw;Fragen sie die Wissenschaftler um Proffesort Warnke, und sie werden wissen, das geerade weil die Landwirtschaft vielfälltig ist, Gemüse Getreide Mist Gülle Saatkörner junge alte Pflanzen als Nahrung zur Verfügung stellt, sich die Bestände derPrädatoren so gut entwickeln, und FRagen sie auch was die fressen, wenn keine Mäuse da sind. Dann hätte ich gerne gewußt, wieviel ha Schrebergarten der BUND seit seinem bestehen geschaffen hat, wieviel ha Blühpflanzen in den letzten 10 Jahren geschaffen wurde, und zwar nicht durchkauf von Fläche sondern durch Überzeugungsarbeit bei der Urbanen Bevölkerung um die Akzeptanzdes einzelnen, selber etwas zu tun zu erhöhen.
    Bisher empfinde ich es so, das immer nur auf 25 % der Fläche Deutschland 6 Millionen ha Getreide + Raps und Gemüse Zuckerrüben von 35 Millionen ha eingedroschen wird, bei Spritzmitteln und Beize, und auf 25 % der Fläche Deutschland bei der Gülleausbringung. Mais und Grünland Rechnen sie das mal nach, wenn 60 bis 70 der Fläche im Moment nicht beachtet, kommentiert werden,Wald sonstiges Bioanbau BiorRinderhaltung auf Weiden, Wasserflächen Straßen 500000 km dort aber auch Strahlen durch Frequenzen, saurer Regen, Queksilber und Kadmium herunter kommt, Nitrat und Tablettenreste aus den Klärwerken sickert, die Cats der Autos und Ad Blue im Winter gar nicht wirken weil es zu kalt ist, efvtl tut man den Landwirten ja doch unrecht Vom Schiffsverkehr auf den Flüssen und dem Flugverkehr ganz zu schweigen.

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