ISN-Umfrage

Ferkelerzeuger haben es satt


ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack nennt die Ergenbisse der Umfrage "besorgniserregend".
Foto: Steffen Bach
ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack nennt die Ergenbisse der Umfrage "besorgniserregend".

Mehr als die Hälfte der Sauenhalter in Deutschland will den Betrieb bis 2028 dicht machen. Die ISN fordert von der Politik gegen den drohenden Strukturbruch vorzugehen.

Die Stimmung unter den Sauenhaltern ist schlecht. Viele Betriebe wollen in den kommenden Jahren die Ferkelproduktion einstellen, ergab eine Befragung, die von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) organisiert wurde. An der freiwilligen, nicht repräsentativen Umfrage beteiligten sich 645 der rund 8.200 Sauenhalter in Deutschland. 52,1 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie die Sauenhaltung in den kommenden 10 Jahren aufgeben werden. Der Strukturwandel würde sich damit in einem ähnlichen Tempo wie in den vergangenen Jahren fortsetzen. Seit 2010 hat sich die Zahl der Betriebe von 16.000 auf 8.000 halbiert. Vergleiche mit den Jahren davor sind nur bedingt möglich, weil die Art der Erhebung ab 2010 geändert wurde.

Jeder sechste Betrieb gibt bis 2020 auf

In den vergangenen Jahren verringerte sich die Zahl der Betriebe um jeweils rund zehn Prozent. Dieses Tempo könnte in Zukunft beibehalten werden, denn allein in den kommenden beiden Jahren wolle jeder sechste Schweinehalter aufgeben, so die ISN. Deren Geschäftsführer Dr. Torsten Staack nannte die Zahlen heute bei einer Pressekonferenz in Osnabrück „besorgniserregend“. Die deutsche Sauenhaltung stehe auf dem Spiel. Begründet wurde die geplante Einstellung der Produktion vor allem mit politischen Ursachen und Fragen des Tierschutzes. Welche Rolle das Alter der Betriebsleiter oder das Fehlen eines Hofnachfolgers in der Zukunftsplanung spielt, wurde in der Umfrage nicht thematisiert.
ISN

Die ISN nutzte die Vorstellung der Umfrage, um von der Bundesregierung mehr Planungssicherheit für die Ferkelerzeuger zu fordern. Es sei schwierig Genehmigungen zu bekommen, wenn man die Ställe für mehr Tierschutz umbauen wolle. Selbst wenn ein Schweinehalter diese Hürde überspringe, wisse er nicht, „ob der Stall den er morgen nach den aktuellen Vorgaben bauen würde, übermorgen noch den Vorgaben entspräche“, kritisiert die Organisation. „Das ist Gift für jede Investition“, so Staack. Notwendig seien Anpassungen im Baurecht. Dazu müssten sich die dafür zuständigen Ressorts Umwelt, Landwirtschaft und Inneres in Berlin schnell an einen Tisch setzen. Als Vorbild nannte Staack den interministeriellen Arbeitskreis in Niedersachsen, in dem Lösungen für diese Themen gesucht werden.

Bio und Stroh sind keine Alternative

Grundsätzlich sind viele Sauenhalter an einer Weiterentwicklung ihrer Betriebe interessiert. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer der Umfrage planen Baumaßnahmen wie zum Beispiel im Deckzentrum (16,1 Prozent), im Abferkelbereich (15,5 Prozent). Nur 7,3 Prozent haben das Ziel, die Sauenherde aufzustocken. 9,6 Prozent wollen die Tierzahl reduzieren. 15,4 Prozent wollen in die Schweinemast und 12,6 Prozent in die Ferkelaufzucht investieren. Kaum ein Ferkelerzeuger plant den Einstieg in die Bioproduktion (0,9 Prozent), die Strohhaltung (0,6 Prozent) oder die Umwandlung in Außenklimaställe (2,6 Prozent).

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Torsten Staack

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. maximilian
    Erstellt 6. September 2018 22:01 | Permanent-Link

    Die Befragung von 7,86% der Sauenhalter ist alles andere als repräsentativ.

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