Landwirte dürfen ihre Ferkel auch in Zukuft selbst kastrieren. Für die Isofluran-Narkose müssen sie keinen Tierarzt bestellen, wenn sie sich die Kenntnisse in einem zweitägigen Lehrgang aneignen.
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Landwirte dürfen ihre Ferkel auch in Zukuft selbst kastrieren. Für die Isofluran-Narkose müssen sie keinen Tierarzt bestellen, wenn sie sich die Kenntnisse in einem zweitägigen Lehrgang aneignen.

Nach der Isofluran-Entscheidung des Bundestages werden die meisten Sauenhalter die Kastration unter Narkose anwenden. Für Ebermast und Immunioastration sehen sie nur eine geringe Marktakzeptanz.

Auch nach der Entscheidung des Bundesrats vom Freitag bleibt das Thema Kastration in der Diskussion. Landwirte dürfen zwar in Zukunft bei ihren Tieren die Isofluran-Narkose selbst anwenden, müssen aber zuvor einen Lehrgang absolvieren. Gefordert werden zweitägige Schulungen mit einer mündlichen und schriftlichen Prüfung. Die Anforderungen sind dabei recht hoch, sodass sie nur von qualifizierten Mitarbeitern erfüllt werden können. Für ungelernte Mitarbeiter oder Beschäftigte mit schlechten Deutschkenntnissen könnte die Latte dagegen zu hoch liegen.



Dennoch gehen Marktbeobachter davon aus, dass in Deutschland die Isofluran-Narkose das am weitesten verbreitete Verfahren zur Ferkelkastration sein wird. Für die Ebermast und die Immuno-Kastration sieht Albert-Hortmann Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aufgrund von Bedenken auf Seiten der Abnehmer nur einen Marktanteil von zehn Prozent. Außerdem seien diese Verfahren für die die Landwirte in der Vermarkung unattraktiver. Denn die Tiere würden von den Schlachtunternehmen um drei bis vier Euro schlechter bezahlt als kastrierte Schlachtschweine. Hinzu kommen die Kosten für die Eberimpfung, die ebenfalls bei vier Euro je Tier liegen.

Die deutschen Ferkelerzeuger müssten sich diesen Anforderungen des Marktes stellen. Wenn die deutschen Mäster keine im Inland kastrierten Schweine kaufen könnten, würden sie die Tiere in Dänemark bestellen, warnt der Kammer-Experte. Dort ist der so genannte „Vierte Weg“ erlaubt, die örtliche Betäubung der Ferkel. Hortmann-Scholten erwartet, dass sich der Ferkelmarkt in Zukunft spalten werde und für männliche Ferkel, die nicht kastriert wurden, Preisabschläge fällig werden.

Wie und durch wen die Isofluran-Narkose in Zukunft in der Praxis eingesetzt werde, müsse abgewartet werden. Denkbar sei, dass die Kastration als Überbetriebliche Dienstleistung angeboten werde. Dagegen spreche aber die Gefahr, dass mit den Gerätschaften Krankheitserreger von einem Betrieb zum anderen verschleppt werden, geben Praktiker zu bedenken. Die Kosten der Narkose werden wohl bei bis zu fünf Euro je Ferkel liegen, wobei die großen Betriebe gegenüber kleineren im Vorteil sein werden.

Derzeit arbeiten die Bundesländer an Schulungsmodellen zur Betäubung mit Isofluran. In Nordrhein-Westfalen soll der Unterricht insgesamt etwa zwölf Stunden dauern und auf zwei Tage aufgeteilt werden, weiß Dr. Jürgen Harlizius von der Landwirtschaftskammer NRW. „Wir wollen die Kurse ab 2020 anbieten“, so der Fachtierarzt für Schweine. Dabei solle, ähnlich wie bei der Besamungsschulung, der Unterricht aus Theorie und Praxis bestehen. Die Kursteilnehmer werden dann unter tierärztlicher Aufsicht selbst eine solche Narkose durchführen. Die maximale Gruppengröße wird, so Harlizius, 30 Teilnehmer betragen.

Geplant sei zudem eine Online-Schulung für die Theorie. Bestandteil des Unterrichts solle zudem eine frühzeitige Erkennung von Problemen bei der Betäubung und Notsituationen sein. Die Teilnahme an diesen Schulungen setze eine zweijährige Erfahrung in der Ferkelkastration voraus. Das Konzept für die Gestaltung des Unterrichts muss noch vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz abgesegnet werden.


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