IWH-Studie

Klöckner will Ostdörfer schützen


Ländliche Räume sind nicht schlechter als Ballungszentren - nur anders.
Foto: klimkin / Pixabay
Ländliche Räume sind nicht schlechter als Ballungszentren - nur anders.

Die neue Leibniz-Studie über Unterschiede zwischen Ost und West deuten Kritiker als Einladung zur Abwicklung ländlicher Räume. Bundesagrarministerin Klöckner nutzt dies für ein Plädoyer für gleichwertige Lebensverhältnisse.

Die Studie „Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ des Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) sorgt für Kritik. Der Grund: Die Studienautoren würden für das Aufgeben ländlicher Räume im Osten plädieren zugunsten der Förderung von Städten. In diese Kerbe schlägt jetzt auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) - allerding mit entgegengesetzter Botschaft. „Dörfer im ländlichen Raum aufzugeben, die Heimat sind für über die Hälfte unserer Bevölkerung, Landschaften einfach verwüsten zu lassen – diese Vorstellung halte ich für befremdlich“, schaltete sich die Ministerin am Donnerstag in die Debatte ein.

Direkte Appelle finden sich in der Studie, die die Produktivitätsunterschiede zwischen Ost und West 30 Jahre nach dem Mauerfall untersucht, nicht. Die Studienautoren stellen aber fest, dass der Abstand zwischen der ost- und westdeutschen Wirtschaft mit Blick auf die ländlichen Räume geringer ausgeprägt sind als zwischen ostdeutschen und westdeutschen Ballungsgebieten. Daraus folgert das IWH in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Publikation, dass man „vor allem die Städte stärken“ müsse, wenn sich die Wirtschaftskraft in Ost und West weiter annähern solle. Denn in Städten entstünden „jene hochwertigen Dienstleistungen, die die Wirtschaft mehr und mehr bestimmen. In der Wissensgesellschaft sind Städte die zentralen Orte von Forschung, Innovation und Wertschöpfung – und damit für Wohlstand.“

Ländliche Räume "nicht schlechter als Ballungszentren"

Das will Klöckner in ihrer Eigenschaft als Ministerin für die ländlichen Räume so nicht stehen lassen: Die Annahme sei „falsch, ländlichen Räumen gehe es per se schlechter als Ballungszentren“ stellt die CDU-Politikerin fest. Man müsse ländliche Regionen vielmehr „passgenau unterstützen.“ Dabei könne es nicht darum gehen, „jeglichen Unterschied zu glätten.“ Ziel der Politik müsse es sein, „gleichwertige“ und nicht „gleiche“ Lebensverhältnisse zu schaffen, so Klöckner. „Das bedeutet konkret: Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein, egal, wo man lebt. Es geht um Nahversorgung, Ärzte, Kitas und Schulen, eine gute Verkehrsinfrastruktur, schnelles Internet“, schiebt sie in ihrer Eigenschaft als Co-Vorsitzende der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ nach.

Konzentration auf Metropolen sei undemokratisch

Wenig überraschend zeigen sich ostdeutsche Politiker empört über die Studie. „Für eine erfolgreiche Gesamtentwicklung in Ostdeutschland müssen wir die ländlichen Räume stärken“, sagte Rainer Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, der Regionalzeitung „Volksstimme“. Die Menschen in den ländlichen Gebieten müssten „mitgenommen werden“. Man könne sich nicht auf Metropolen konzentrieren und die „Mehrheit der Menschen und Regionen ausklammern. Das ist undemokratisch, unsozial und politisch unhaltbar“, wird Haseloff weiter zitiert. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wolle an der Strategie festhalten, sowohl die Metropolen als auch die Regionen zu entwickeln, berichtet die Volksstimme.

Im Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“ hatte IWH-Präsident Reint Gropp wenig dafür getan, die aufkeimende Stadt-Land-Debatte zu ersticken. Mit Sätzen wie „Wir hätten dann mehr Naturschutzgebiete“ zu aussterbenden Kommunen, oder: „Die Demografie in den ländlichen Regionen ist extrem alterslastig. Wir werden keine Alternative haben, als das dort mehr Natur und weniger Stadt ist“, zitiert ihn das Blatt.

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