Jahresbericht

Hessens Tierschutzbeauftragte rügt Bund und Landwirtschaft


Das Verschieben des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration kritisiert die hessische Tierschutzbeauftragte scharf.
Foto: schweine.net
Das Verschieben des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration kritisiert die hessische Tierschutzbeauftragte scharf.

In ihrem Jahresbericht stellt die Landestierschutzbeauftragte Hessens die Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft in den Fokus. Dem Bund und der Branche stellt sie beim Thema Tierschutz ein schlechtes Zeugnis aus. 

Die Landestierschutzbeauftragte für Hessen, Madeleine Martin, hat ihren Jahresbericht 2018 vorgelegt. Als weiterhin wichtigstes Thema für die Zukunft bezeichnete Martin die notwendige Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft. Martin führte aus: „Der Bund und verschiedene Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen zeigen aber leider deutlich, dass ihnen eine glaubwürdige, zukunftsfähige Landwirtschaft mit angemessenen Vorgaben für den Tierschutz nicht so wichtig ist.“

Als eindringlichstes Beispiel nennt Martin die Verschiebung des Verbotes der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, das seit Jahren festgelegt sei, nun aber um weitere zwei Jahre hinausgezögert werde. Der Bund zeige damit – wie auch bei der Novellierung der Tierschutz Nutztierverordnung – dass ihm das Staatsziel Tierschutz in Abwägung gegen ökonomisch Interessen unbedeutend erscheine. Längst gebe es zuverlässige, tiergerechte Alternativen, die weltweit seit vielen Jahren angewandt werden, bei denen die neugeborenen Ferkel unversehrt blieben, führt Martin weiter ihre Kritik aus. Die Ebermast oder auch die Impfung gegen Ebergeruch würden in anderen Ländern sowohl von landwirtschaftlichen wie auch Verbraucherverbänden empfohlen.

Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung stockt

Ein weiterer Kritikpunkt von Martin ist, dass es kein Vorankommen beim Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern gebe. Sie appelliert in ihrem Jahresbericht daher auch an den Lebensmitteleinzelhandel. Denn allein eine ausdrückliche Kennzeichnung der Milch von Tieren, die in diesem Haltungssystem leben, versetze den Verbraucher in die Lage, frei entscheiden zu können, ob er solche Milch noch konsumieren wolle. Eine solche Ausweisung auf der Packung sollte nach Auffassung Martins endlich erfolgen.

Auch was die Lieferungen von Schlacht- oder Zuchtrindern in Drittländer betrifft, fand Martin deutliche Worte. Bundesregierung, Milchindustrie und Zuchtverbände erklärten ihren Ausführungen nach seit Jahren, Zuchtrinderexporte dienten dem Aufbau einer Milchproduktion in den Exportländern. „Die Milchproduktion stagniert dort allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Obwohl bereits Hunderttausende Zuchtrinder exportiert wurden, gelingt es nicht, eine nachhaltige Milchviehpopulation und eine tragfähige Milcherzeugung aufzubauen", so die Landestierschutzbeauftragte.

Nach hiesigem Recht Tierquälerei

In den genannten Drittstaaten würden zur Schlachtung häufig Maßnahmen ergriffen, die nach hiesigem Recht als Tierquälerei anzusehen sind. Zu diesen Maßnahmen gehörten etwa das Verdrehen des Schwanzes, das Zusammenbinden der Extremitäten, das Niederwerfen der Tiere, auch das Durchschneiden der Sehnen oder Ausstechen der Augen. Diese Problematik treffe nicht nur auf die offiziell als „Schlachttiere“ deklarierten Tiere zu. „Auch diejenigen, die als Zuchttiere exportiert werden, gelangen schlussendlich früher oder später zur Schlachtung", gab Martin zu Bedenken.

Laut ihrem Bericht wurden zwischen 2013 und 2017 circa 250.000 offiziell zur Zucht bestimmte Rinder aus Deutschland vornehmlich in die Türkei, in den Libanon, nach Marokko, Algerien und Ägypten exportiert.


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