Jan Philipp Albrecht

Auf grünen Fußspuren nach vorn

Jan Philipp Albrecht
Bild: Ruprecht Stempell
Jan Philipp Albrecht

Er selbst bezeichnet sich als „Minister für Draußen und Digitales“, eine Sonntagszeitung schreibt vom „Minister für Diverses". Aufmerksamkeit weit über Kiel hinaus ist Jan Philipp Albrecht gewiss, wenn er in der kommenden Woche sein Amt als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein antritt.

Regelrecht berühmt ist der 35-Jährige als „Mr. Datenschutz“. Den Spitznamen hat er sich in Brüssel erworben. Der studierte Jurist wurde 2009 mit gerade einmal 26 Jahren für Bündnis 90/Die Grünen als jüngster deutscher Abgeordneter ins Europäische Parlament gewählt. Dort hat er zuletzt als Verhandlungsführer die Datenschutz-Grundverordnung – die berühmt-berüchtigte DSGVO – wesentlich geprägt.

Albrecht kann es durchaus als persönlichen Erfolg verbuchen, dass nach mehrjährigen zähen Verhandlungen den Datenkraken Google und Facebook jetzt in Europa Zügel angelegt werden. Dass sich auch Mittelständler mitunter durch die DSGVO drangsaliert fühlen, versteht Albrecht zwar, er wirbt aber um Einsicht. Für ihn hat der Schutz der Daten absolute Priorität in einer zunehmend digital tickenden Welt, die ja in der Landwirtschaft ebenfalls den Takt vorgibt. Hier baut Albrecht gerne die Brücke zu seiner neuen Aufgabe als Agrarminister. Auch Bauern hätten ein Interesse an einer Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter und möchten unabhängig von großen Konzernen bleiben, argumentiert der Jurist.

Gleichwohl betritt Albrecht mit der Agrarpolitik Neuland. Deswegen möchte er sich als neuer Chef des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung – für das es übrigens keine gebräuchliche Abkürzung gibt – erst einmal einen Überblick verschaffen. Er wolle sich in die Aufgaben seines neuen Amtes einarbeiten und vor allem viele Landwirte besuchen, kündigte Albrecht kürzlich vor der Landespresse an. Es gehe ihm darum, die Strukturen und die Bedürfnisse der Betriebe kennenzulernen, um in der anstehenden EU-Agrarreform als „Stimme aus Schleswig-Holstein" hörbar zu sein. Zugute kommt dem gebürtigen Braunschweiger, dass er während seiner Brüsseler Jahre immer sein Zuhause in Norddeutschland beibehalten hat.

Der grüne Politiker übernimmt in Kiel durchaus attraktive Ressorts. Mit den Themen Agrar und Umwelt sowie Energie lässt sich Profil gewinnen. Schon sein Vorgänger und Parteifreund Robert Habeck hat das Kieler Ministerium als Sprungbrett genutzt und wird künftig in der Bundespolitik als einer der beiden Parteivorsitzenden das grüne Profil schärfen. Habeck ist außerdem ein Beispiel dafür, dass grüne Landwirtschaftsminister nicht zwangsläufig ein Schreckgespenst für den Berufsstand darstellen müssen.

Beim Bauernverband Schleswig-Holstein ist man gar etwas wehmütig angesichts des Abschieds. Habeck sei in seinen immerhin sechs Ministerjahren fähig gewesen, tragbare Kompromisse einzugehen, heißt es beim Verband. Besonders wird dem Grünen zugute gehalten, dass er immer auch ökonomische Gesetzmäßigkeiten in der Landwirtschaft respektiert habe. So kann sich Habeck am heutigen Freitag, wenn er zum letzten Mal als Kieler Agrarminister den Landesbauerntag in Rendsburg besucht, warmer Worte gewiss sein. In seinen Anfangsjahren wurde er eher mal ausgepfiffen.

Jetzt hoffen die schleswig-holsteinischen Bauern, dass sich Habecks Nachfolger als ebenso pragmatisch erweisen wird und nicht nur grüne Ideologie durchsetzen will. Albrecht relativiert solche Befürchtungen aber gerne. Im Interview mit der agrarzeitung (az) sagte er kürzlich, dass grüne Politik nicht unbedingt im Gegensatz zu dem stehen müsste, was Landwirte interessiert. Die „großen Fußspuren“ seines Vorgängers schrecken ihn ebenfalls nicht. Auch er habe „keine kleinen Füße mehr“, konterte Albrecht auf eine entsprechende Frage eines Kieler Journalisten.

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