Japan-Kommentar

Trump verursacht Weizen-Shitstorm


Ihr "Thumps Up" für die Aussage zu US-Weizenexporten nach Japan wollen wohl wenige Farmer US-Präsident Donald Trump geben.
Foto: OpenClipart-Vectors auf Pixabay
Ihr "Thumps Up" für die Aussage zu US-Weizenexporten nach Japan wollen wohl wenige Farmer US-Präsident Donald Trump geben.

Die Liste der Personengruppen, die US-Präsident Donald Trump verärgere, werde nun um US-Weizenfarmer erweitert. So lautet der lakonische Kommentar der Nachrichtenagentur Bloomberg zu einer abwertenden Aussage Trumps über US-Weizenexporte nach Japan.

Diplomatie ist – vorsichtig formuliert – nicht die größte Stärke des US-Präsidenten. Dies stellte Trump jetzt bei einer Rede im US-Bundesstaat Pennsylvania unter Beweis. Dort äußerte sich der Präsident zum Handelsdefizit zwischen den USA und Japan: „Japan liefert uns Tausende um Tausende, liefert uns Millionen von Autos. Und wir schicken ihnen Weizen. Weizen. Das ist kein guter Deal. Dabei wollen sie unseren Weizen nicht einmal haben. Sie machen das, weil sie uns zumindest das Gefühl geben wollen, das wir gut sind“, hatte der Präsident gesagt.

Die US-Landwirtschaft reagierte prompt mit zahlreichen erbosten Kommentaren auf Twitter. So twitterte die Nationale Vereinigung der Weizenerzeuger (National Association of Wheat Growers – NAWG), dass Japan der größte Absatzmarkt für US-Weizen sei, die USA dort einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent hielten. „Sie kaufen unseren Weizen nicht nur, damit wir uns gut fühlen. Sie kaufen unseren Weizen, weil es der qualitativ beste Weizen in der Welt ist. Das sind keine fake news“, stellt die NAWG auf Twitter klar.

US-Farmer sind verwirrt: Will Trump uns helfen oder schaden?

 Nun kann man natürlich darüber streiten, ob US-Weizen tatsächlich der qualitativ beste Weizen weltweit ist. Aber darum geht es hier ja auch nicht. Laut dem US-amerikanischen Agrarportal agweb exportieren die USA jedenfalls deutlich mehr Agrargüter nach Japan, als sie umgekehrt von dort importieren.  Unter Berufung auf offizielle US-Handelsdaten beziffert das Portal die Werte der Agrarausfuhren nach Japan mit 13 Mrd. US-$ im Jahr 2018, wovon Weizen knapp 700 Mio. US-$ ausmachten, während Mais mit 2,8 Mrd. US-$ und Rindfleisch mit 2,1 Mrd. US-$ zu den größeren Posten zählten. Kein ganz unbedeutender Markt für die US-Landwirtschaft also.

Während Trump sich darüber verärgert zeige, dass China nicht im versprochenen Umfang US-Agrarerzeugnisse importiere, sage er gleichzeitig, dass „Japan unseren US-Weizen nicht einmal haben wolle. Ich bin mir nicht sicher, ob er unseren Landwirten nun helfen oder schaden will“, verleiht ein Tweet folgerichtig der Verwunderung Ausdruck. Und Landwirte aus Montana fühlen sich laut der Regionalzeitung Billings Gazette beleidigt: „Montana arbeitet seit Jahrzehnten daran, Weizenlinien zu entwickeln, die sich besonders gut nach Japan vermarkten lassen. Dass der Präsident sagt, Japan wolle US-Weizen in Wirklichkeit gar nicht haben und kaufe ihn nur, ‚damit wir uns gut fühlen‘ ist eine Beleidung für unsere hart arbeitenden Landwirte in Montana“, twittert das Blatt.

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