Junglandwirte Niedersachsen

Klare Richtung der Politik erforderlich


Hernrik Brunkhorst dankte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für ihre Rede.
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Hernrik Brunkhorst dankte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für ihre Rede.

Fachlich sinnvolle und zugleich aufeinander abgestimmte Ziele und Vorgaben fordert der landwirtschaftliche Nachwuchs von der Politik. Gleichzeitig bekennen sich die jungen Unternehmer offen zu Veränderungen.

 

Verlässliche Politik und Planungssicherheit sind wichtig für zukünftige wirtschaftliche Entscheidungen, die auf den Höfen anstehen. Diese Forderung stellte der Vorsitzende der Junglandwirte Niedersachsens, Niklas Behrens auf dem Junglandwirtetag 2020 heute in Burgdorf. Fehlende politische Rahmenbedingungen und  das „zu viel“ an  Auflagen erschwerten dem Berufsnachwuchs das Wirtschaften und den Blick in die landwirtschaftliche Zukunft. Politik, Verbraucher und Landwirtschaft hätten aber auch noch nie um ihre Beziehung so gerungen wie im Moment. Gleichzeitig bestünden viele Ideen, die Betriebe neu auszurichten. Das große Potential würde aufgrund von Entscheidungsnotständen ausgebremst. 

Junglandwirtetag: Diskussionen mit zwei Ministerinnen



Die Diskussion zwischen den Beteiligten war noch nie so kontrovers, bestätigte auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf der Veranstaltung. „Dennoch sind wir in einer Phase, in der wir viel falsch aber auch viel richtig machen können. Lassen Sie uns offen und ehrlich über Fakten reden“, rief sie den jungen Leuten zu. Ein beschlossenes Gesetz zum Thema Insektenschutz gebe es noch nicht. Es sei über ein Aktionsprogramm entschieden worden, das politische Leitplanken vorgebe. Hier werde die Landwirtschaft nicht in Alleinhaftung genommen. Fakt sei, dass es im Insektenschutzprogramm genauso auch um Siedlungsentwicklung, Verkehr, Lichtverschmutzung und Gärten gehe. Ein weiterer runder Tisch speziell zum Thema Landwirtschaft und  Insektenschutz werde im März folgen. Hier sitze der Berufsstand  natürlich mit am Tisch. „Uns ist es wichtig, dass wir dort, wo neue Belastungen unvermeidbar sind auch unterstützen“, so Klöckner. An alternativen Lösungen zum Pflanzenschutz werde geforscht. 

Zur Düngeverordnung erläuterte die Ministerin, dass die Änderungsverordnung nach Wunsch der Kommission spätestens im April in Kraft treten soll, um das EuGH-Urteil fristgerecht umsetzen zu können. Damit soll den Betrieben  langfristig Planungssicherheit gegeben und das Grundwasser besser geschützt werden. Gleichzeitig prognostizierte sie, dass strengere Regelungen bei der Düngung in nitratbelasteten roten Gebieten kommen werden. Die Grundlagen dafür müssten aber nachvollziehbar sein. „Die Länder müssen erkennbar darlegen, dass ihre Messnetze sachgerecht messen. Notwendige Nachbesserungen müssen durchgeführt werden. Die Länder sind in der Pflicht zu handeln“. 

Digitalisierung bezeichnete sie als ein zentrales Vorhaben der kommenden Jahre. Rund 50 Mio. € seien im Ministerium in den kommenden drei Jahren für digitale Experimentierfelder eingeplant. „Wir müssen uns auch diesen Entwicklungen stellen, wir werden nicht daran vorbeikommen. Sie werden in der Zukunft mehr Bedeutung bekommen“. Dazu sei aber auch ein dringender Ausbau des Internets in den ländlichen Räumen unabdingbar. 

Die Landwirtschaft wird trotz ihrer Sorgen nicht umhinkommen, wesentliche Kritikpunkte aufzugreifen und aktiv zur Lösungsfindung beizutragen. Dies wird nicht ohne schmerzhafte Anpassungsprozesse zu bewältigen sein. Davon geht Prof. Dr. Alfons Balmann, Leiter der Abteilung  Strukturwandel, Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), Halle,  aus. Will die Landwirtschaft vermeiden, dass andere über sie entscheiden, ist sie dringend gefordert, sich selbstkritisch und proaktiv damit auseinander zu setzen, welche Lösungsangebote sie der Gesellschaft machen kann und zugleich wie Härten aufgefangen werden können. Umgekehrt werden auch Zivilgesellschaft, Medien und auch Politik selbstkritisch hinterfragen müssen, welche Erwartungen und Veränderungen berechtigt, realistisch und umsetzbar sind und welche Prioritäten sie angesichts zahlreicher Zielkonflikte setzen wollen.

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