Restrukturierung bei John Deere

Nur jeder dritte Händler bleibt übrig


imago images / Jan Huebner

Die zweite Stufe des konzernweiten Konsolidierungsprogramms rollt auf Europa zu. Gerade Familienbetriebe sind oft überfordert.

Konsolidierungsprogramme tragen oftmals euphemistische Namen. So „Dealer of Tomorrow“ von John Deere, das bereits seit 2002 für die USA gilt. Um die Leistungsfähigkeit der eigenen Vertriebspartner zu steigern, sollte die Händlerstruktur aus Unternehmen mit drei bis fünf Filialen und einem Umsatz von mehr als 50 Mio. US-Dollar bestehen.

Vom Familienbetrieb zum Groß-Filialisten

Diese Strategie scheint in den USA erfolgreich zu sein. Laut dem jüngsten „Big Dealer“-Report von Ag Equipment Intelligence gehörten in den USA im Jahr 2018 bereits 83 Prozent der 1522 John-Deere-Verkaufs- und Servicestandorte zu Händlergruppierungen, die über fünf oder mehr Outlets verfügten – ein Plus von 74Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2011 verfügten erst 24 Händler von John Deere über mehr als zehn Standorte für Landmaschinen, in 2018 waren es bereits 61 Händler.

Die verbliebenen Vertriebspartner von John Deere zeigen sich zufrieden. Die Strategie sei definitiv eine Erfolgsstory. Sowohl die Kundenzufriedenheit als auch die Marktanteile hätten sich verbessert und gleichzeitig sei die Rentabilität für die Händler gestiegen.

Der wirkliche Gewinner ist jedoch John Deere selbst: Als Samuel R. Allen in 2010 zum CEO und Chairman ernannt wurde, ist für den Konzern eine Marktkapitalisierung von 38 Mrd. US-Dollar ausgewiesen worden. Als der das Steuerrad Anfang 2019 an seinen Nachfolger John C. May übergab, war der Wert auf über 55 Mrd. US-Dollar angewachsen.

Die Konsolidierung wurde von John Deere seitdem nicht nur in Amerika, sondern auch in allen anderen Verkaufsregionen kontinuierlich vorangetrieben. Aber gerade europäischen Vertriebspartnern ist von der ersten Stufe von „Dealer of Tomorrow“ in den Köpfen hängen geblieben, wie radikal dieser Prozess seitens John Deere in der Region 2, sprich Europa und GUS, durchgezogen wurde. Nicht wenige der bis dato kerngesunden Familienunternehmen waren mit dem Strategiewechsel schlicht überfordert.

Das lässt sich für Deutschland mit einem Blick in den Bundesanzeiger nachvollziehen. Durch die forcierten Übernahmen von benachbarten Händlern – wegen deren oft überteuerten Standorten, vor allem aber wegen deren Maschinen- und Warenbeständen – war im Grunde in den vergangenen Jahren kaum eine Eigenkapitalbildung möglich. Erik Hogervorst, der amtierende Präsident der Arbeitsgemeinschaft der nationalen Branchenverbände der Landmaschinen-Händler (CLIMMAR) aus den Niederlanden, moniert unverhohlen die Art und Weise, mit der „Dealer of Tomorrow“ in Europa umgesetzt wurde: „Man hat im Grunde die gleiche Strategie wie in den USA verfolgt, ohne auf die Spezifika hierzulande Rücksicht zu nehmen, dass viele Dinge in Europa so einfach nicht funktionieren können.“

Händler sind unzufrieden mit Prozess-Steuerung

In den Niederlanden seien von ursprünglich 57 Händlern respektive Eigentümern aktuell noch sechs übrig, so Hogervorst. Dass infolge dieses mehr als holprigen Prozesses das Händlerzufriedenheitsbarometer von John Deere im Vergleich mit anderen Marken regelrecht abgestürzt sei, bringe die Unzufriedenheit der Vertriebspartner plastisch zum Ausdruck. „Nachdem man diverse Punkte in der Zusammenarbeit nachgebessert hat, werden die Umfrageergebnisse seit 2014 aber wieder freundlicher.“

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Hendrik Haeglet
    Erstellt 9. Januar 2020 22:49 | Permanent-Link

    Also werde ich in Zukunft meinen Fuhrpark umstellen.

  2. M. Holthoff
    Erstellt 11. Januar 2020 07:48 | Permanent-Link

    Jahrelange Treue

    Dafür hat man jahrelang John Deere die Treue gehalten. Und das ist der Dank dafür: Dann Super John Deere, das wars auch mit Euch.

  3. Fe
    Erstellt 11. Januar 2020 08:39 | Permanent-Link

    Der kleine Betrieb ist nichts wert

    Ich habe einmal für John Deere gearbeitet und war mit den Maschinen zufrieden. Aber für Kunden, die Geräte gekauft haben, war manche Garantie-Leistung ein Grauen. Denn wo es wirklich an John Deere lag, wurde einfach abgelehnt und die Kunden blieben auf den Schäden sitzen . Mir hat es Spaß gemacht, die Geräte zu reparieren, und den Kunden zu helfen. Aber die Freude wurde mir genommen von John Deere. Denn der schöne Betrieb wurde einfach dem Hauptbetrieb entzogen durch listige Eigenschaften und an Große weitergegeben. Das ist so ein Dreck . Der kleine Betriebe ist nichts mehr wert und hat John Deere erst berühmt gemacht- Damit werden sie belohnt Abzogge und Enteignung, das hätte man von so einem Betrieb nicht erwartet . Aber irgend wann wird sich das Rächen.

  4. Karlheinz MÜLLER
    Erstellt 11. Januar 2020 14:11 | Permanent-Link

    Wir haben doch unsere Deuzt -Fahr - Firma. ok.

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