Klimadebatte

Hilferuf aus dem Nordwesten

Uwe Bartels (links) überreichte das Positionspapier an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil.
Foto: AEF
Uwe Bartels (links) überreichte das Positionspapier an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Die Agrarbranche im Oldenburger Münsterland fürchtet um ihre Existenz und will mehr Klimaschutz durch Innovation. Die Politik müsse dafür die Voraussetzungen schaffen.

Die Landwirtschaft und insbesondere die Tierhaltung zählen in der öffentlichen Diskussion zu den größten Klimasündern. Aus Deutschlands Hochburg der tierischen Veredelung, dem Oldenburger Münsterland im Westen Niedersachsens, mischt sich die Branche nun mit einem Positionspapier in die Debatte ein. Das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland AEF sieht die Wertschöpfungskette in Niedersachsen aufgrund der aktuellen Debatten „hochgradig in ihrer Existenz gefährdet“. Mit einem Abwandern der Produktion würden die Probleme aber nicht gelöst, sondern nur verlagert, betont der AEF-Vorsitzende Uwe Bartels im Gespräch mit agrarzeitung.de. Wichtig sei es, die Zielkonflikte zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. An die Politik apelliert Bartels, die rechtlichen Voraussetzungen zur Umsetzung zu schaffen und finanzielle Unterstützung bei Investitionen zu leisten.



Maßnahmenpaket Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, Quelle: AEF

In dem Positionspapier finden sich einige sehr konkrete Forderungen. So solle auf den Import von Sojaprodukten aus Regenwaldrodungen verzichtet werden. Dafür sollen mehr zertifiziertes Soja verfüttert und mehr heimische Eiweißpflanzen angebaut werden. Die Politik müsse heimische Proteinquellen wie Insekten und „hochwertige Futtermittelkomponenten tierischen Ursprungs“ als Futtermittel erlauben. Auf Nachfrage erklärte Bartels, dass damit auch eine Wiederzulassung von Tiermehl als Futtermittel gefordert werde. In der Biogasproduktion sollen nach dem Willen des AEF vermehrt Wirtschaftsdünger und energiereiche Nebenprodukte zum Einsatz kommen, um so den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen zu reduzieren. 

Am Montag überreichte das AEF seine Thesen dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Er zeigte sich erfreut, dass die 90 Unternehmen der Branche einen Beitrag zur aktuellen Klimaschutzdebatte leisten und sicherte zu, die Vorschläge „sorgsam zu prüfen“. „Großes Verständnis habe ich insbesondere für die Forderung des AEF, Regelungen für mehr Klima- und Umweltschutz und Regelungen für mehr Tierwohl aufeinander abzustimmen und hierfür ein Gesamtkonzept zu erstellen“, so Weil. Dieses Gesamtkonzept, das in einem Vertrag mit der Gesellschaft fixiert werden soll, ist auch für Uwe Bartels die entscheidende Voraussetzung zur Lösung der Probleme. Notwendig sei es zudem, Innovationen, wie neue Methoden in der Pflanzenzucht nutzbar zu machen.

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