Während der 12-tägigen Klimakonferenz in Bonn bereiten Unterhändler aus aller Welt die Leitlinien zur Umsetzung des Pariser Abkommens vor. Klimaexperten fordern Ernteversicherungen für die Landwirtschaft, die zugleich Verursacher und Leidtragender der Erderwärmung ist.

Extreme Wetterereignisse nehmen zu: Die Landwirtschaft leidet unter den Folgen der Erderwärmung.
Foto: USDA
Extreme Wetterereignisse nehmen zu: Die Landwirtschaft leidet unter den Folgen der Erderwärmung.

Für Fidschi ist der Klimawandel keine theoretische Gefahr. In dem Inselstaat ist der Meeresspiegel, bedingt durch den Treibhauseffekt, seit 1993 um fast 15 Zentimeter gestiegen, Menschen mussten umgesiedelt werden. Die Wahl Fidschis zum offiziellen Gastgeber der Klimakonferenz in Bonn hat daher Signalwirkung. Es muss gehandelt werden, damit das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 in Erfüllung gehen kann: die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Das Abkommen ist ehrgeizig, passiert ist bislang wenig. Auch bei der Klimakonferenz in Bonn wird der große Wurf wohl ausbleiben. Die EU-Kommission, die einen der neun Verhandlungsblöcke auf der COP23 bildet, erwartet nur so viel: Auf der Konferenz sollten „Fortschritte“ bei der Erarbeitung der Leitlinien zur Umsetzung des Pariser Abkommens erzielt werden, teilte die Vertretung der Kommission in Deutschland mit.

Konkretisierung des Klimaschutzplans 2050 im kommenden Jahr

Hierzulande soll der Klimaschutzplan 2050 im Laufe des Jahres 2018 durch einen Maßnahmenkatalog konkretisiert werden – das gelte auch für die Landwirtschaft, teilt das Bundesagrarministerium auf Anfrage der agrarzeitung (az) mit. Als langfristiges Ziel legt die Bundesregierung im Klimaschutzplan fest, bis 2050 „weitgehend treibhausgasneutral“ zu werden. Mittelfristig sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Die Landwirtschaft, die 2014 für 8 Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen hierzulande stand, soll bis 2030 Emissionen in Höhe von 31 bis 34 Prozent einsparen. Eine Weichenstellung ist die neue Düngeverordnung. Zudem prüft die Bundesregierung, im Rahmen der Reform der EU-Agrarpolitik nach 2020 die Zahlungen von Subventionen stärker an Beiträge zum Klimaschutz zu koppeln. Darüber hinaus soll bis 2021 eine Strategie vorliegen, wie die Tierhaltung ihren Ausstoß von Treibhausgasen senken kann.

Landwirte fordern Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel

Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte anlässlich der Klimakonferenz Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel über „Beratung, Forschung sowie Vorsorge- oder Versicherungslösungen“. Die Landwirtschaft spüre die Auswirkungen des Klimawandels, etwa indem Schädlinge aus anderen Klimazonen wie die Kirschessigfliege „ganze Ernten“ bedrohen.

„Schädlinge aus anderen Klimazonen bedrohen ganze Ernten. “
Bernhard Krüsken, Deutscher Bauernverband, 

Dabei bekommt der DBV Schützenhilfe von Prof. Hermann Lotze-Campen, Leiter des Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Schon heute gebe es deutliche Anzeichen für eine Zunahme extremer Wettersituationen wie Dürren und Starkregen, so Lotze-Campen. Folgen seien erhebliche Ernteverluste. Dies habe Deutschland gerade in diesem Sommer zu spüren bekommen, sagte der Experte gegenüber dieser Zeitung. Er empfiehlt, Versicherungslösungen für Landwirte zu entwickeln, um Einkommensrisiken durch Witterungsschwankungen abzufedern. Die Erderwärmung betrachtet Lotze-Campen mit Blick auf die Landwirtschaft aus zwei Richtungen: Einerseits trage der Sektor dazu bei, andererseits leide er unter den Auswirkungen. Daher plädiert der Professor für Investitionen in Forschung oder die Entwicklung von an den Klimawandel angepassten Produktionssystemen.

In Bonn ist die Landwirtschaft derweil ein Randthema. Für Lotze-Campen bedarf die Landwirtschaft einer erheblich komplexeren Betrachtung als andere Wirtschaftsbereiche. Sie ist Nahrungsmittelproduzent, gleichzeitig Lieferant von Bioenergie und trägt auch zum Entzug von CO2 bei. Treibhausgasemissionen könnten nur über Effizienzsteigerung in der Produktion vermindert werden. Technische Lösungen zur Emissionssenkung seien in der Landwirtschaft nicht so leicht zu entwickeln wie etwa in der Industrie.

Biokraftstoffbranche kritisiert Brüsseler Mobilitätspaket

Passend dazu dominieren Debatten um den Ausstieg aus der Braunkohle oder über die Senkung der Emissionen aus dem Verkehrssektor die Berichterstattung über die Konferenz. Am Mittwoch hat die EU-Kommission ihr neues Mobilitätspaket präsentiert: 2030 sollen Neuwagen 15 Prozent weniger Abgase produzieren als im Jahr 2021. Dabei überlässt die Kommission es der Automobilindustrie, wie sie dieses Ziel erreicht. Das Paket greife zu kurz, bemängelt der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Der VDB fordert, dass der Gesetzgeber den Einsatz von Bioethanol und Biodiesel anstelle von mineralischem Kraftstoff vorgibt.

Mehr zur Klimakonferenz COP23 in Bonn lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der agrarzeitung (az).

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