Klimareport

Niedersachsen wird wärmer und nasser


Niedersachsen ist im Jahresmittel wärmer geworden. Es stieg seit 1881 um 1,5 Grad C an.
Bild: DWD
Niedersachsen ist im Jahresmittel wärmer geworden. Es stieg seit 1881 um 1,5 Grad C an.

Der Klimareport Niedersachsen zeichnet ein klares und drastisches Bild. Der Umweltminister des Landes, Olaf Lies, gibt sich alarmiert. Klimaschutz dulde keinen Aufschub mehr. Doch Lies begreift den Wandel auch als Chance.

Da dürfte es selbst den Minister gegruselt haben: Der Klimareport des Deutschen Wetterdienstes gibt einen Überblick über die Klimaentwicklung im Land Niedersachsen. Das Bild ist ziemlich eindeutig: Das Jahresmittel der Temperatur ist um 1,5 Grad gestiegen. Die Anzahl der kalten und sehr kalten Tage nimmt ab (23 Frosttage weniger als 1951), die Anzahl der warmen und heißen Tage nimmt immer weiter zu (16 Sommertage mehr). Es regnet heute rund 17 Prozent mehr als noch vor 137 Jahren. Die Tage, an denen es mindestens 10 Liter/m² regnet, stieg seit 1951 um zwei Tage. Der Meeresspiegel in der deutschen Bucht ist in den letzten 100 Jahren um 25cm gestiegen. Mit dem Abschmelzen der Polkappen und dem Erwärmen der Weltmeere wird der Spiegel noch weiter, noch schneller steigen. Im Klimabericht werden zwar keine Vorhersagen, sondern nur Projektionen unter bestimmten Voraussetzungen gemacht, doch selbst beim positivsten Szenario spitzt sich die Lage weiter zu.

Die rote Kurve zeigt die Monatswerte der Kohlendioxidwerte, die schwarzen Werte das Jahresmittel, gemessen auf Hawaii. Es gilt: Je mehr CO2 in der Atmosphäre, desto wärmer ist das Klima.
Bild: DWD
Die rote Kurve zeigt die Monatswerte der Kohlendioxidwerte, die schwarzen Werte das Jahresmittel, gemessen auf Hawaii. Es gilt: Je mehr CO2 in der Atmosphäre, desto wärmer ist das Klima.

Insbesondere die Landwirtschaft ist betroffen

Für Niedersachsen als Land an der Küste und Agrarland kann das entscheidende Veränderungen haben. Umweltminister Lies kommentierte die Ergebnisse: „Die Verschiebung der Niederschläge in das Winterhalbjahr, verbunden mit der Temperaturerhöhung wird insbesondere für die Landwirtschaft Konsequenzen haben. Bei dieser Datenlage muss uns allen klar sein: Der Klimaschutz duldet keinen Aufschub mehr.“
Meteorologen betonen jedoch, dass sich das Klima auch auf die Lebensqualität der Menschen in den Städten auswirken wird. „Die sommerliche Hitze in den Mittagsstunden und eine nur geringe nächtliche Abkühlung wird zukünftig noch stärker die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner beeinträchtigen. Durch städteplanerische und gestalterische Maßnahmen können diese Belastungen reduziert werden“, erläutert Prof. Günter Gross, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Universität Hannover.
Die jährliche Niederschlagshöhe in Niedersachsen für den Zeitraum 1981 bis 2010.
Bild: DWD
Die jährliche Niederschlagshöhe in Niedersachsen für den Zeitraum 1981 bis 2010.

Ausbau erneuerbarer Energien soll helfen 

Lies begreift den Klimawandel jedoch nicht nur als Bedrohung, sondern auch als eine Chance für sein Land. Noch könne man sich auf die Auswirkungen vorbereiten. Wichtig sei jetzt, das Ausmaß in beherrschbaren Grenzen zu halten. Umweltpolitik müsse bundesweit höchste Priorität haben. Dafür sei vor allem ein beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig. Es ginge weniger um eine Strom-, als mehr um eine Mobilitäts- und Wärmewende. Der Umweltminister will sich für den konsequenten Kohleausstieg stark machen, denn mit Kohle seien die Klimaziele unmöglich zu erreichen, so Ließ.
Der notwendige Strukturwandel müsse auch sozial verträglich gestaltet werden. Lies setzt auf die Entwicklung von neuen Energietechnologien. Dies werde neue, zukunftstaugliche Arbeitsplätze schaffen. Um die industrielle Entwicklung mache er sich in diesem Szenario keine Sorgen. „Die Industrie folgt der Energie. Niedersachsen hat dabei große Chancen, auch als Industrie und Wirtschaftsstandort zu profitieren“, ist sich Lies sicher.

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