Kontraste Sendung zum Rinder-Export

Verband wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS) beklagt irreführende Aussagen in einem Bericht des ARD-Magazins Kontraste. Dabei ging es um die Bedingungen für Exportrinder.

In dem Beitrag "Tiertransporte ins Ausland - Gequält und eingepfercht mit amtlicher Genehmigung" wurden schwere Vorwürfe zu Verstößen gegen die EU-Tierschutzverordnung erhoben. Das ARD-Magazin Kontraste strahlte am 24. Mai 2018 einen Beitrag aus, in dem den am Export beteiligten Unternehmen vorgeworfen wird, dass Schlachtrinder als Zuchtrinder ausgewiesen werden würden, um im Ankunftsland direkt geschlachtet zu werden. Diese Aussage ist falsch und fachlich unhaltbar, berichtet Dr. Bianca Lind, Geschäftsführerin des BRS, der als Dachverband auch die Rinderproduzenten in Deutschland vertritt.

Die Argumentation: Zuchtrinder müssten vor der Ausfuhr in Drittländer in einer Veterinärquarantäne stehen, um unter anderem auf bestimmte Rindererkrankungen untersucht zu werden. Die Kosten für den Ankauf von Zuchtrindern mit Zuchtbescheinigung, die Unterbringung in der Quarantäne und die Untersuchungskosten würden bedingen, dass Zuchtrinder wesentlich teurer seien als Schlachtrinder. Hinzu kämen die Kosten für den Transport der Tiere, die Zollgebühren und die Versorgungskosten für den Transport.

Der Preis, den der Käufer somit für ein Zuchtrind im Drittland bezahle, liege laut Lind auch bei guten Schlachtpreisen im Drittland über dem Erlös, wenn das Rind direkt der Schlachtung zugeführt werden würde. Ich bin erschrocken, dass diese Gegenüberstellung nicht gemacht wird und die Unterstellung undifferenziert ausgestrahlt wird.

„Die Zuchtrinder kommen trotz langer Strecken bei fachgerechter Umsetzung des Transports ohne Schäden bei den Kunden an und sind auch in der Regel über mehrere Abkalbungen in den landwirtschaftlichen Betrieben zu finden.“
Dr. Bianca Lind, 


In dem Beitrag wurden Exportzahlen von Rindern aus 2017 aufgeführt. Dabei kam heraus, dass 70 Tiere als Schlachtrinder den Transport in Drittländer angetreten hatten und knapp 80.000 Tiere als Zuchtrinder. Das sei meist reiner Etikettenschwindel, wird Dr. Michael Marahrens von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, im Anschluss an die Zahlen zitiert. Marahrens ist zudem stellvertredener Institutsleiter für Tierschutz und Tierhaltung am Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesinstitut für Tiergesundheit. Es fehle schlichtweg an der Futterbasis und landwirtschaftlichen Strukturen, die Tiere dort zur Zucht zu halten, so Marahrens Argumentation. Auf die Frage, was mit den Tiere in den den Drittländern passiere: "Sie landen natürlich im Schlachthaus." 

Lind, die ebenfalls in dem Magazinbeitrag zu Wort kommt, hat den Aussagen Marahrens nun heute in einer schriftlichen Stellungnahme widersprochen. In den angesprochenen Ländern, insbesondere der Türkei, Russland, Marokko, Algerien, setzten die Regierungen auf die Weiterentwicklung der Landwirtschaft. In Demonstrationsprojekten arbeiteten unter anderem die deutschen Rinderzuchtverbände mit der einheimischen Rinderproduktion zusammen, um die Landwirte in Drittländern zu schulen und ihr Wissen weiterzugeben. Die pauschalisierende Behauptung, in Drittländern wären generell keine ausreichende Futtergrundlage und kein geeignetes Know-How vorhanden, sei irreführend und diffamierend. "Drittländer, in die Zuchtrinder exportiert werden, verfügen auch über Regionen, in denen Milchkühe gut und nachhaltig gehalten werden können.", so Lind. 

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