Kroatien müsste eigentlich ein landwirtschaftlich starkes Land sein. Doch es liegt brach und ist im Ackerbau nicht mit anderen europäischen Ländern zu vergleichen. Doch Kroatien arbeitet sich hoch.

Unterschiedlichste natürliche Vegetationsbedingungen ermöglichen in Kroatien die Produktion einer breiten Palette von Agrar- und Fischereierzeugnissen. Das Potenzial in den drei wichtigsten landwirtschaftlichen Gegenden, die von der intensiven Ackerbau- und Tierproduktion im östlichen und nordwestlichen Teil des Landes über die extensive Viehzucht im zentralen gebirgigen Teil bis hin zur Oliven-, Obst- und Weinerzeugung entlang der Küste reichen, ist groß. Dennoch ist die Agrarproduktion in dem Land von 2008 bis 2017 kontinuierlich zurückgegangen - viele Flächen liegen brach, wie aus Berichten der aiz.info hervorgeht. Mit dem EU-Beitritt im Jahr 2013 haben nicht alle kroatischen Landwirte ihre Freude. "Durch die Öffnung der Märkte sind die Nahrungsmitteleinfuhren gestiegen und der Wettbewerb ist härter geworden", klagten einige Bauern gegenüber einer Gruppe europäischer Agrarjournalisten.

Seit dem Beitritt Kroatiens zur EU haben sich die Handelsströme im Agrar- und Lebensmittelbereich verändert. Die wichtigsten Handelspartner sind nun die EU-Länder, auf die 86 Prozent der Importe entfallen und gleichzeitig gehen 61 Prozent der kroatischen Ausfuhren in die Europäische Union. Die wichtigsten Exportdestinationen des Landes sind Slowenien, Italien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland und Serbien. Auf der anderen Seite werden hauptsächlich Nahrungsmittel aus Deutschland, Italien, Ungarn, Slowenien und den Niederlanden importiert.

Der Anteil der Pflanzenproduktion am Wert der Agrarerzeugung des Landes ist von 57 Prozent im Jahr 2009 auf 63 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Hingegen ist jener der Tierproduktion von 43 Prozent auf 37 Prozent gesunken. "Kroatien, das traditionell eine starke Viehzucht betrieben hat, kann sich mit dieser Struktur nicht zufriedengeben, insbesondere weil die Pflanzenproduktion von Getreide und Ölfrüchten dominiert wird und nicht von Früchten, Gemüse, Blumen, Tee, Heilpflanzen oder Kräutern, die mehr Geld einbringen", sagte Zvjezdana Blažić Expertin für Agrarwirtschaft. Der niedrige Selbstversorgungsgrad bei den meisten pflanzlichen Produkten sowie Milch, Fleisch, Obst und Wein stößt zahlreichen kroatischen Agrarproduzenten sauer auf. Selbstversorgen kann sich das Land laut Blažić nur mit Getreide, den Ölpflanzen Sonnenblumen, Raps und Soja sowie mit Äpfeln, Mandarinen und Sauerkirschen.

Durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 10 ha

Die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebes in Kroatien beträgt 10 ha - rund 70 Prozent der Höfe bewirtschaften allerdings weniger als 5 ha. Eine Vielzahl der kroatischen Bauern betrachtet die Landwirtschaft als traditionelle Tätigkeit, als eine zusätzliche Einnahmequelle oder sogar als Hobby. Andererseits ist auch eine große Anzahl von Bauernhöfen im Besitz älterer Menschen, die die Landwirtschaft als eine Lebensart sehen und die ihre Produkte nur für den persönlichen Gebrauch verwenden und somit keinen zusätzlichen Wert für die gesamte landwirtschaftliche Produktion liefern.

Das Ziel der Agrarpolitiker in Kroatien ist es, eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft - besonders in den Bereichen der Tier-, Obst- und Gemüseproduktion - zu schaffen. Mit dem EU-Beitritt und dem ersten kroatischen Programm für Ländliche Entwicklung, das von der EU kofinanziert wird, werden in dem Land etwa die Errichtung neuer Farmen, die Auspflanzung von Dauerkulturen, der Kauf von neuen Landmaschinen, aber auch Investitionen in die lokale Infrastruktur, wie etwa in Wasserversorgungs- und Bewässerungssysteme sowie der Bau von Zugangsstraßen, Kindergärten etc. bezuschusst. Gleichzeitig erhalten die Landwirte in dem Land günstige Klein- und Kleinstkredite mit Zinsen in einer Höhe von 0,5 Prozent und für den am meisten gefährdeten Sektor - die Tierproduktion - gibt es Darlehen mit einem Zinssatz von nur 0,1 Prozent, erklärte Tomislav Tolušić, stellvertretender Ministerpräsident für Wirtschaft und ehemaliger Landwirtschaftsminister.

Bemüht sei man auch in die landwirtschaftliche Ausbildung zu investieren sowie einen lebenswerten ländlichen Raum zu schaffen, der für die junge, gebildete Generation attraktiv genug ist, um in die ländlichen Gebiete zurückzukehren, betonte Tolušić. Laut dem aktuellsten Farm-Register aus dem Jahr 2016 besitzen nur 6 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsführer einen Universitätsabschluss, 32 Prozent haben eine weiterführende Schule absolviert und 62 Prozent der Landwirte sind nur zur Grundschule gegangen oder haben diese nicht einmal abgeschlossen. "Ernste Herausforderungen" erwartet Blažić auch hinsichtlich der Altersstruktur in der kroatischen Landwirtschaft, weil etwa 36 Prozent der Betriebsinhaber älter als 65 Jahre sind und 35 Prozent der Altersgruppe 51 bis 65 zugeordnet werden. "Das bedeutet, dass 71 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsinhaber in Kroatien älter als 50 Jahre sind und nur 12 Prozent jünger als 41 Jahre", gab die Expertin für Agrarwirtschaft zu bedenken.

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