Lagebild Antibiotika

Licht und Schatten bei Abgabemengen


Bild: Pixabay / Ulleo

Die gute Nachricht zuerst: Die verabreichte Menge Antibiotika in der Tiermedizin sinkt in Deutschland weiterhin. Sie ging um mehr als die Hälfte seit Anfang des Monitorings zurück. Die schlechte Nachricht: Ausgerechnet einige kritische Wirkstoffe stiegen weiter an.

Antibiotikaresistenzen stehen nach Angaben des Bundesagarministeriums (BMEL) auf der Liste der Themen, derer sich die Agrarminister der G20 bei ihrem Treffen am Freitag in Buenos Aires widmen werden. Passend dazu veröffentlicht das BMEL nun einen Lagebericht zu Antibiotika in der Tierhaltung, den die Arbeitsgruppe „Antibiotikaresistenz“ erarbeitet hat. Der Gruppe gehören neben Mitarbeitern des Bundesagrarministeriums auch Vertreter des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an.

Seit 2011 wird gemäß dem Arzneimittelgesetz (AMG) bekannt gegeben, welche Mengen an Antibiotika pharmazeutische Unternehmen und Großhändler an Tierärzte abgeben. Seit 2014 werden im Rahmen des AMG auch Kennzahlen der Therapiehäufigkeit ermittelt. Die Bilanz liest sich auf den ersten Blick positiv: Insgesamt sanken die Antibiotikamengen, die Schweinen, Mastputen, Masthähnchen, Rindern und Kälbern zwischen 2011 und 2017 verabreicht wurden, deutlich. Laut Lagebild sanken sie von 1.706 t im Jahr 2011 auf etwa 973 t im Jahr 2017.

Doch während die Gesamtmenge der verabreichten Antibiotika zurückging, ist die Menge der gegebenen Fluorchinolonen gestiegen, und zwar um rund 20 Prozent gegenüber dem ersten Erhebungsjahr 2011. Die Verwendung dieser Antibiotika in der Veterinärmedizin wird wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Humanmedizin sehr kritisch gesehen. Zu den Fluorchinolonen gehört unter anderem das Medikament Ciprofloxacin, ein Breitbandantibiotikum, mit dem viele für den Menschen gefährliche Krankheiten bekämpft werden. Es kommt bei Atemwegs- und diversen Harnwegsinfektionen bis hin zur Gonorrhoe zur Anwendung. Die Gonorhoe machte in den vergangenen Jahren durch auffällige Resistenzen von sich reden. Die Resistenzraten verhalten sich sehr unterschiedlich. Während die Resistenzen für viele alte Wirkstoffe sinken, stiegen die Resistenzen für relativ neue Wirkstoffklassen (Tetrazykline) an.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) ist sich dennoch sicher, dass die Minimierungsstrategie der Bundesregierung funktioniert: „Für mich zählen Zahlen, Daten und Fakten. Der Lagebericht zeigt deshalb erstmals zusammenfassend, wo wir bei Antibiotikaeinsatz und Resistenzentwicklung bei Tieren und in der Lebensmittelkette stehen. Der Trend ist positiv: Seit 2011 hat sich die Menge von Antibiotika, die Großhändler und Unternehmen an Tierärzte abgaben, deutlich verringert. Das deutsche Antibiotikaminimierungskonzept zeigt Wirkung“, teilte die Ministerin am heutigen Montag mit.

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