Bild: facebook / Maike Schulz-Broers

Kaum sind die Bauernproteste erfolgreich über die politische Bühne gegangen, gibt es schon Zoff unter den Organisatoren. Das Bündnis sieht sich dem ersten Machtgerangel ausgesetzt.

Innerhalb der Bewegung "Land schafft Verbindung" ist offenbar ein Richtungsstreit entbrannt. Einige Mitglieder wollen die Hauptverantwortliche und Gründerin, Maike Schulz-Broers, ausschließen. Sie versuche, eigene Interessen über den Gedanken des Allgemeinwohls zu stellen, lautet ein Vorwurf ihrer Bündniskollegen. Im Gespräch mit der agrarzeitung (az) dementiert Schulz-Broers den drohenden Ausschluss: "Das Original-Organisationsteam, zu dem ich, Markus Vianden, Sarah Dreilich, Andrea Knecht und Christian Teppe zähle, existiert weiterhin. Auch ich bleibe an der Spitze der Bewegung."

Auslöser des Streits soll ein Treffen zwischen Schulz-Broers und dem Deutschen Bauernverband (DBV) gewesen sein. Am Montag hätten sich Schulz-Broers, Christian Teppe und Markus Vianden mit dem DBV getroffen, um "Positionen abzuklopfen", sagt Schulz-Broers. "Es war ein Fehler, dieses Treffen vorab nicht abzusprechen." Den Vorwurf, sie habe sich zu sehr mit dem DBV eingelassen, weist sie zurück.

"Aus unserer Sicht ist der Deutsche Bauernverband grundsätzlich gescheitert. Die Stimme von Nichtregierungsorganisationen ist lauter", sagte sie noch vor einigen Tagen in einem az-Interview. Schulz-Broers wirft ihren Kritikern vor, selbst verbandsnah zu sein und die "unabhängige" Bewegung zerschlagen zu wollen. Aus Sicht von Schulz-Broers sei ein gemeinsamer Nenner mit dem DBV, dass "alle die Landwirtschaft in Deutschland erhalten wollen". Dennoch: "Während der DBV seine Mitglieder vertreten muss, sind wir auf der Suche nach Wegen, um die Kommunikation mit allen Beteiligten zu verbessern."

Der DBV und "Land schafft Verbindung" grenzen sich in der Tat nicht klar voneinander ab. Zahlreiche Landwirte, die an den Protesten teilgenommen haben, sind selbst Mitglieder im Bauernverband. Landwirte berichten, dass einige Landesverbände eine Haltung nach dem Motto "Wir haben die Proteste zwar nicht organisiert, aber wir sind auch nicht dagegen" eingenommen hätten.

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"Wir haben die gleichen Ziele und viele gemeinsame Mitglieder, wir ergänzen uns", beschreibt DBV-Präsident Joachim Rukwied das Verhältnis zu "Land schafft Verbindung" auf Anfrage. Die Einladung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum sogenannten Agrarkongress wertet Rukwied passend dazu als "Erfolg". Die Politik müsse jetzt "Lösungen liefern".

Den Streit innerhalb "Land schafft Verbindung" über das Verhältnis zu den Verbänden beobachten einige Vertreter der Landwirtschaft mit Sorge. "Wenn die Landwirtschaft sich untereinander zerstreitet, haben wir nachher gar keine gewichtige Stimme mehr gegenüber der Politik", heißt es hinter vorgehaltener Hand aus Branchen- und Verbandskreisen. Andere wiederum geben zu bedenken, dass die Graswurzelbewegung recht spontan entstanden sei und sich erst einmal "eine Struktur geben müsse". Passend dazu schlägt "Land schafft Verbindung" in Schleswig-Holstein in einem Video auf Facebook vor, sich in Landesvereinen und einer Art Dachorganisation im Bund zu organisieren.

Ein Landwirt aus Thüringen sagt der az, dass er die Arbeit des Bündnisses "grundsätzlich gut" finde, um auf die schwierige Lage der Landwirte aufmerksam zu machen. Dennoch hätte er sich vom Bündnis eine bessere Pressearbeit gewünscht, damit nicht der Eindruck entsteht, dass "Landwirte immer dagegen sind".

Auch beim DBV sieht er da Nachholbedarf:

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 44/2019, Seite 5. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen  

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