Landjugend

"Quereinsteiger sind bei Hofübergabe schlechter dran"


Flexiblere Finanzierungsangebote der Banken fordert Kathrin Muus.
BDL/Gräschke
Flexiblere Finanzierungsangebote der Banken fordert Kathrin Muus.

Für die Hofübernahme braucht der Nachwuchs besseren Zugang zu Land, Kapital, Märkten, Informationen und Netzwerken. Das fordert Kathrin Muus, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL).

agrarzeitung: Welche Probleme gibt es bei einer Hofübergabe außerhalb der Familie?

Kathrin Muus: Landwirten, die eine außerfamiliäre Hofnachfolge antreten wollen, fehlt meist der Zugang zu Kapital. Denn im Vergleich zu einer Hofübergabe innerhalb der Familie haben Quereinsteiger keine Vermögensgegenstände in Form von Boden oder Gebäuden, die belastet werden könnten. Folglich sind Banken zurückhaltend bei der Finanzierung neuer Unternehmen.

Dies zwingt die Quereinsteiger häufig zu einem schrittweisen Einstieg. Das heißt, sie müssen noch ein zusätzliches Einkommen außerhalb der Landwirtschaft erzielen. Der Einstieg in die Landwirtschaft wird ihnen damit schwer gemacht.

Was würde die Übergabe erleichtern?

Auch hier geht es oftmals um finanzielle Aspekte: Wie wird derjenige, der seinen Hof abgibt, nach der Übergabe finanziell abgesichert? Wie werden weichende Erben ausgezahlt? Für solche Fälle müssen Rücklagen gebildet werden.

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Aber wie?

An dieser Stelle braucht es zum einen politische Maßnahmen, zum anderen flexiblere Finanzierungsangebote der Banken. Durch gezielte Fördermaßnahmen und ein breites Unterstützungsangebot kann die Landwirtschaft in Deutschland nachhaltig gestaltet werden. Für uns im Bund der Deutschen Landjugend bedeutet nachhaltige Landwirtschaft gleichzeitig auch immer nachhaltiger Erhalt des Berufsstandes.

Welcher gesetzliche Rahmen müsste dafür gesetzt werden?

Die Rahmenbedingungen für inner- und außerfamiliäre Hofübernahmen müssen angeglichen werden. Quereinsteiger dürfen nicht schlechter gestellt werden als Hofnachfolger innerhalb einer Familie. Insbesondere im Bereich der Steuer sind die außerfamiliären Hofnachfolger deutlich schlechter gestellt. Hilfreich wäre zudem eine Vereinheitlichung der Gesetzesgrundlagen beispielsweise im Bereich des Anerbenrechts. Dies gibt Quereinsteigern zum einen Planungssicherheit, zum anderen ermöglicht es ein Beratungsnetz im Bundesgebiet.

Wo finden junge Leute Rat, wenn sie Interesse an einer Hofübernahme haben? Gibt es besondere Ansprechpartner?

Die erste Anlaufstelle bei Interesse an einer Hofübernahme sind die Bauernverbände vor Ort und die Landwirtschaftskammern. Aber auch der Bund der Deutschen Landjugend engagiert sich in diesem Bereich: Zum einen sind wir Sprachrohr und gestalten die Rahmenbedingungen aktiv mit.

Zum anderen bieten wir mit dem gemeinsamen Projekt Junglandwirten und Junglandwirtinnen von BDL und DBV eine Plattform zum Austausch von Erfahrungen. Das Projekt wird von der Landwirtschaftlichen Rentenbank unterstützt. Es werden beispielsweise Webinare zum Thema ‚Erstellung eines Businessplans‘ angeboten. Innerhalb der Webinare können die Fragen der Junglandwirte zum Thema gezielt beantwortet werden. Darüber hinaus ist der BDL Projektpartner beim europäischen Netzwerk-Projekt Newbie. Dieses unterstützt neue Geschäfts- und Einstiegsmodelle in der Landwirtschaft.

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