Lebensmittelkennzeichnung

Verbraucherschützer forcieren französische Ampel


Die Lebensmittel-Kennzeichnung Nutri-Score, die in Frankreich 2017 eingeführt wurde, funktioniert nach einem fünfstufigen System aus Farben und Buchstaben.
EU-Kommission, Präsentation Generaldirektion Gesundheit 2017 / screenshot: az
Die Lebensmittel-Kennzeichnung Nutri-Score, die in Frankreich 2017 eingeführt wurde, funktioniert nach einem fünfstufigen System aus Farben und Buchstaben.

Unternehmen der Ernährungsindustrie wie die Molkerei Danone wollen die Nutri-Score-Kennzeichnung aus Frankreich auch in Deutschland einführen. Jetzt brechen die Verbraucherzentralen eine Lanze für das System - und setzen die Bundesregierung unter Zugzwang.

Erst Ende November hat das Bundesagarministerium (BMEL) erste Details zu seiner Reduktonsstratege für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten veröffentlicht. An diesem Wochenende nun haben die Verbraucherzentralen das Thema Farb-Kennzeichnung auf Lebensmittelpackungen in die Diskussion gebracht. Das in Frankreich eingeführte System „Nutri-Score“ biete die Chance, positive und negative Elemente von Fertigprodukten in einem einzigen Wert erkennbar zu machen, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Nachrichtenagentur dpa. Die Bundesregierung solle nun „zügig“ ein Modell nach französischem Vorbild auf den Weg bringen.

Nutri-Score weckt Erinnerungen an Debatte zur Lebensmittel-Ampel

„Verbraucher wollen einfach und schnell informiert werden“, sagte Müller der dpa. „Sie wollen sich zwischen verschiedenen Fertigpizzen oder Frühstückscerealien entschieden können - welches ist das, was für sie am besten und am gesündesten ist?“
Farben mit Buchstaben kombiniert
Das 2017 in Frankreich eingeführte Kennzeichnungssystem Nutri-Score besteht aus einer fünfstufige Farbskala mit Buchstaben: Dunkelgrün und der Buchstabe „A“ bezeichnen demnach eine besonders günstige Nährwertbilanz, dunkelorange oder rot und ein „E“ eine besonders ungünstige. Die für das jeweilige Lebensmittel geltende Bezeichnung wird dabei auf der Verpackung vergrößert hervorgehoben. Verrechnet würden dabei der Gehalt „problematischer Bestandteile" wie Zucker, Salz und Fett, aber auch positive Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Früchte und Gemüse. Hersteller können das Logo freiwillig verwenden.

Die Diskussion erinnert an die Debatte über die Lebensmittelampel, ein Vorstoß zur Änderung des EU-Kennzeichnungsrechts vor gut zehn Jahren. Die Ampel sollte Nahrungsmittel im Supermarkt mit den Farben grün, gelb und rot nach ihrer Nährwertbilanz eingruppieren. Besonders aus der Lebensmittelindustrie, aber auch bei Zuckerproduzenten, gab es heftige Kritik an dem System mit dem Vorwurf, die dreistufige Ampelsortierung würde der ernährungsphysiologischen Komplexität von Lebensmitteln nicht gerecht. Schließlich wurde der Vorstoß gekippt. 

Gemeinsame Verbraucher-Kampagne der Industrie geplant

Unterdessen soll das französische Beispiel ab diesem Jahr auch im deutschen Supermarktregal Schule machen, wie die „Lebensmittel Zeitung“ kürzlich berichtete. So will die deutsche Molkereiprodukte-Sparte des französischen Konzerns Danone die Einführung der Nährwert-Kennzeichnung Anfang 2019 bei dem Kinderjoghurt „Fruchtzwerge“ starten. Danach sollen der Joghurt-Drink „Activia" und der Pudding „Dany Sahne" folgen. Bis Ende des Jahres sollen alle Produkte die fünfstufige Farbkennzeichnung tragen. Ein Danone-Manager kündigte Ende 2018 gegenüber der Lebensmittel Zeitung an, dass nach Danone und Iglo, das Nutri Score ebenfalls plant, weitere Hersteller die Einführung von Nutri-Score erwägen. Geplant sei eine gemeinsame Verbraucherkampagne.

Die Industrie und die Verbraucherschützer setzen damit die Bundesregierung unter Zugzwang. Im Koalitionsvertrag kündigen Union und SPD ein Modell an, in dem der Nährwert-Gehalt von Nahrungsmittelprodukten gegebenenfalls vereinfacht visualisiert werden soll.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hatte jüngst erste Details zur Reduktionsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten vorgestellt. Sie soll Anfang des Jahres umgesetzt werden und folgt auf eine Grundsatzvereinbarung mit Verbänden der Lebensmittelwirtschaft, die bei einem „Runden Tisch“ Ende September im BMEL getroffen wurde. Mit der Umsetzung der Strategie wird laut Ministerium Anfang 2019 begonnen. Die einzelnen Schritte sowie Zielvereinbarungen müssen noch konkretisiert werden.

Klöckners Kurs der Freiwilligkeit stößt auf Skepsis

Während Klöckner in ihrer Strategie auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft setzt, sind Verbraucherschützer da naturgemäß skeptisch. Die Erfahrungen, die in der Vergangenheit mit Selbstverpflichtungen gemacht würden, stimmten wenig optimistisch, hatte der vzbv-Chef bei Vorstellung der ersten Pläne zur Reduktionsstrategie im November 2018 gesagt. Auch andere Verbraucherorganisationen sehen eigene Label der Industrie, die bei der Nährwertbilanzierung beispielsweise sehr kleine Portionsgrößen zu Grunde legen, um hohe Zucker- oder Fettgehalte zu kaschieren, kritisch. Mit einer Regelung für Nutri-Score sei ein „Flickenteppich diverser Nährwert-Logos“ zu vermeiden, sagte Müller folgerichtig dazu im dpa-Interview.

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