Lebensmittelüberwachung

Masthähnchen voll Durchfall-Bakterien


Masthähnchen sind häufig mit Campylobacter belastet. Lebensmittelkontrollen zeigen, dass mehr als zwei Drittel der Proben mit den Durchfall auslösenden Bakterien besiedelt sind.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden 2016 im Rahmen eines Monitorings 130 Halshautproben bei Masthähnchen auf das Vorkommen von Campylobacter untersucht. In drei von vier Proben sei dabei der Erreger nachgewiesen worden. Bei zusätzlichen 274 Proben hätten zudem Keimgehaltsbestimmungen ergeben, dass die Campylobacter-Keimzahlen für künftig geltende Anforderungen zu hoch lagen. Etwa ein Viertel der Proben habe über dem ab nächstem Jahr EU-weit geltenden Prozesshygienekriterium gelegen.

Hinweis bei Rohmilch

Laut BVL ergaben die Kontrollen 2016 zudem eine vergleichsweise hohe Keimbelastung bei Rohmilch. Von den 304 im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) untersuchten Milchproben sei bei 19 Prozent eine Gesamtkeimzahl von mehr als 105 KbE/ml gemessen worden. Zusätzlich seien im niedrigen einstelligen Prozentbereich der Rohmilch diverse Krankheitserreger gefunden worden, so etwa Listerien, Campylobacter und Escherichia-coli-Bakterien.

Vor dem Hintergrund vieler Milch-Zapfanlagen und der Ab-Hof-Vermarktung von Rohmilch erinnert das BVL daher daran, dass die Vermarkter gesetzlich verpflichtet seien, den Hinweis „Rohmilch vor dem Verzehr gut abkochen“ gut lesbar an der Ausgabestelle anzubringen.


Die Ergebnisse der behördlichen Lebensmittelüberwachung 2016 präsentierte gestern BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky in Berlin. Er lobte dabei die Anstrengungen der Geflügelwirtschaft bei der Salmonellenbekämpfung, die in den letzten Jahren deutliche Erfolge gezeigt habe. Problematisch sei aber eben nach wie vor das vergleichsweise häufige Vorkommen von Campylobacter.

Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff stufte diese Nachricht nicht nur als "zutiefst unappetitlich" ein. Aus seiner Sicht sei die "Industrialisierung der Schlachtung und die enorme Geschwindigkeit der Schlachtbänder" für das hohe Maß an Verunreinigungen mit verantwortlich. Die mangelhafte Hygiene in den Schlachthöfen sei seit Jahren bekannt. Ostendorff nahm dies zum Anlass, ein Umdenken der politisch Verantwortlichen zu fordern.

 




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