Legalisierung von Cannabis

Hanf hat Potenzial

Faserhanf lässt sich im Feld kultivieren. Pflanzen mit Wirkstoff sind besser in einem geschützten Bereich aufgehoben.
Bild: Oliver Weber / Pixelio
Faserhanf lässt sich im Feld kultivieren. Pflanzen mit Wirkstoff sind besser in einem geschützten Bereich aufgehoben.

Im US-Bundesstaat Kalifornien kann man seit Januar Cannabis legal erwerben und anbauen. Auch die Schweiz bietet Rausch-Hanf an. Im deutschen Bundestag wird das Thema immerhin diskutiert. Erschließt sich damit bald für deutsche Landwirte eine neue Einkommensquelle?

Für Pioniere könnte der Zeitpunkt gekommen sein, sich mit dem Anbau der alten Kulturpflanze auseinanderzusetzen. Oder sind das wilde Fantasien – ähnlich einem Cannabis-Rausch? Die wichtigsten Fakten rund um Nutzhanf.

Wann wird Cannabis in Deutschland legal sein?
Im US-Bundesstaat Kalifornien kann man seit Januar 2018 Cannabis legal erwerben und anbauen. Auch im deutschen Bundestag wird das Thema bereits diskutiert. Erschließt sich damit für deutsche Landwirte bald eine neue Einkommensquelle? „Die Cannabis-Legalisierung steht an“, sagte Justus Haucap, Wirtschaftswissenschaftler an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, kürzlich der Zeitung Die Welt. „Wenn das im nächsten Jahrzehnt nicht kommt, fresse ich einen Besen.“ Der Ökonom ist mit seiner Meinung kein Exot. Für zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler macht das Verbot keinen Sinn.

Die Einsatzmöglichkeiten ohne Rausch
Je nach Sorte gibt es faserliefernde Pflanzen und Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Cannabinoiden. Der Anbau von Faserhanf mit einem Cannabinoid-Gehalt unter 0,3 Prozent ist in der EU seit 1989 legal. Seit 1996 darf er auch in Deutschland angebaut werden. Faserhanf kommt vor allem in der Industrie als Dämmstoff und als Naturfaserverbundstoff zum Beispiel in der Autoindustrie zum Einsatz. Auch Papier, Seile, Textilien und Öl werden hergestellt. Aus den Presskuchen lassen sich Futtermittel gewinnen. Die Anbauflächen betrugen im Jahr 2015 europaweit rund 16.000 ha. In Deutschland macht die Fläche rund 2.000 ha aus. Frankreich führt die Liste mit 10.000 ha an.

Verwendung als Medizinalhanf
Seit 2017 ist auch der Cannabinoid-Hanf salonfähig. Er ist für Schwerkranke auf Rezept freigegeben. Allerdings ist der bürokratische Aufwand, um die Lizenz zur Kultivierung zu erlangen, hoch. Die Cannabisagentur steuert über ein Ausschreibungsverfahren den Anbau. Voraussetzung sind Referenzen über Anbau, Verarbeitung und Lieferung von Arzneipflanzen aus den vergangenen drei Jahren.

Deutsche Firmen und Landwirte fühlen sich benachteiligt. Für Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ist das ein Unding: „Zwar kann die Landwirtschaft mit dem Anbau von Cannabis nicht gerettet werden“, sagt er. „Aber wir wollen, dass seriöse deutsche landwirtschaftliche Unternehmen die Möglichkeit bekommen, sich zu bewerben.“ Eine Klage ist vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Düsseldorf anhängig. Ende März stoppte das OLG das Vergabeverfahren, weil Bewerbungsfristen zu kurz bemessen waren. Damit verzögert sich erst einmal eine mögliche Lizenzerteilung für deutsche Bauern. Derweil wird Medizinalhanf vor allem aus Kanada und den Niederlanden importiert.

„Regionale Produktion ist ein Trend, das könnte dann auch für Hanf gelten.“
Bernhard Rüb, NRW-Landwirtschaftskammer, 

Das Potenzial
Wird der Konsum von Cannabis legal, erhoffen sich Produzenten ein gutes Geschäft mit dem wirkstoffreichen Hanf. Für die Wirkung sind vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) verantwortlich. THC versetzt Konsumenten in einen Rauschzustand. CBD entfaltet eine entspannende, appetitanregende oder entzündungshemmende Wirkung. Mit CBD gibt es bereits in der Schweiz Erfahrungen. Experten überschlagen einen Ertrag von 3 kg CBD pro Hektar. Den Marktpreis von CBD schätzen Experten zwischen 20.000 und 30.000 €/kg.

Wer steht im Startblock?
Die Agentur S/Company entwickelt bereits eine Strategie, um Cannabis im deutschen Markt zu positionieren. Im Falle der Legalisierung kann sie sofort loslegen. Der Auftraggeber soll eine deutsche Medienpersönlichkeit sein. Im Hintergrund soll es Schweizer und deutsche Investoren geben.

Wie machen es die Nachbarn?
In der Schweiz ist der Verkauf von Cannabisprodukten seit Ende 2016 legal. Das hat zu einem Hanf-Boom geführt. Es gibt zunehmend Geschäfte, die Cannabis mit dem Wirkstoff CBD verkaufen. Bedingung: Der Gehalt an dem rauschverursachenden THC liegt unter einem Prozent.

Der Preis für CBD-Cannabis liegt in der Schweiz bei rund 10 € pro Gramm. Die Zahl der Firmen, die das legale CBD-Gras herstellen oder damit handeln, ist laut Schweizer Tagesanzeiger innerhalb von einem Jahr von fünf auf 400 Unternehmen gestiegen. CBD-Hanf wird in geschlossenen Räumen kultiviert.

Welche Ansprüche stellt Hanf?
Hanf hat laut einer älteren Analyse des FAL, dem heutigen Thünen-Institut, keine besonderen Ansprüche an den Boden. Für einen optimalen Ertrag sollte der Boden aber tiefgründig, kalkhaltig, stickstoffreich und im pH-Wert neutral bis leicht basisch sein. Aufgrund seiner Schnellwüchsigkeit ist in der Regel keine Unkrautentwicklung festzustellen. Auch tierische Schädlinge sind selten. Die Vegetationsperiode dauert etwa 100 Tage und ist mit der von Lein und Raps vergleichbar. Der Nährstoffbedarf des Hanfs ist wegen seiner Schnellwüchsigkeit relativ hoch. Geschätzt wird er auch wegen seines hohen Vorfruchtwertes.

„Wenn das im nächsten Jahrzehnt nicht kommt, fresse ich einen Besen. “
Justus Haucap, Wirtschaftswissenschaftler , 


Was empfehlen Berater?
Für den Anbau von wirkstoffreichem Hanf müssten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, damit die Pflanzen nicht gestohlen werden. Zu den Vorteilen  einer Produktion in Deutschland gehört, dass man die Kontrolle über die Anbaubedingungen, den Gehalt der Inhaltsstoffe und ein regionales Produkt hätte.

Welche volkswirtschaftlichen Effekte ergeben sich?
Kalifornien wird durch die Legalisierung  profitieren, erklären Wirtschaftswissenschaftler. Der Händler müsste Steuern zahlen und die Arbeiter könnten legal beschäftigt werden. Das könnte auch in Deutschland der Fall sein. Die Schätzungen schwanken zwischen 200 und teilweise 600 t Cannabis-Konsum in Deutschland pro Jahr. Wenn man für Deutschland von einer Cannabis-Steuer von 4 bis 5 € pro Gramm sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer ausgeht, käme mindestens 1 Mrd. € zusammen, rechnet Justus Haucap vor.

Eine mögliche Umsetzung
Die FDP spricht sich dafür aus, in Deutschland Modellprojekte für den freien Cannabis-Konsum zu ermöglichen. Die Abgabe soll reguliert werden.  Verkäufer und Anbauer bräuchten eine Lizenz, um in dem Gewerbe tätig sein zu dürfen. Dieses System würde von Behörden kontrolliert. Wer anfange, illegale Drogen zu verkaufen, verliere seine Lizenz.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. uwe
    Erstellt 8. April 2018 23:00 | Permanent-Link

    Für nun fast 100 Jahre war der Hanf geächtet durch finanzielle Interessen anderer Industriezweige, durch Fehlinformationen, die zum Glück allmählich weichen.
    Wichtig ist, dass in Zukunft die Vielfalt vor Patenten steht! Andernfalls geht alles in eine andere Richtung! Stichwort: Heilung statt Verteilung ;)
    Aber Patente auf eine Pflanze, wie geht das ?
    http://www.wweek.com/cannabis/2017/12/20/portland-companies-are-fighting-a-secret-plot-to-take-over-all-of-cannabis/

    http://www.tll.de/ainfo/pdf/hanf0805.pdf

    Bauern baut Hanf an, aber bitte Anmeldefrist beim BLE beachten ^^ Hanf ist die zukunft, ganz einfach :)
    LG Uwe
    #frankenwaldhanf

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 9. April 2018 10:06 | Permanent-Link

    So der Anbau von Medizinalhanf in Deutschland legalisiert wird - über kurz oder lang steht das wohl gesichert in Erwartung - werden es die Bauern ganz sicher NICHT sein, die sich nur ansatzweise daran ein goldenes Näschen verdienen dürfen. Entsprechend gut betuchte Investoren -Agribusiness as usual - stehen ungeduldig scharrend bereits in den Startlöchern und warten nur darauf, Vollgas geben zu können.
    Beileibe nicht die erste lukrative Wertschöpfungsalternative innerhalb der Landwirtschaft im übrigen, die als kurzzeitig nur zart wahrgenommener hoffnungsverheißender Windhauch an unseren Familienbauernhöfen ungenutzt vorüberzieht.

    Unsere Chemieriesen, die mehrgleisig das eigene Geschäftsfeld schon immer erfolgreich, hoch effizient auszugestalten wussten/wissen - in marktführender Position sowohl in der Humanmedizin als auch im Agrarsektor- werden sich diese fette Wurst ganz sicher von keinem Brot klauen lassen. Wer auch alternativ sollte ansonsten u.a. das bald fällige Brautgeld von über 60 Mrd. Euronen mit latzen helfen!?

    Der Hanfanbau an sich ist zunächst weder problematisch, schon gar nicht generell kostenintensiv; zu erwartendes Ertragspotential mithin, das auch monetär dem einen oder anderen Bauernkonto durchaus gut tun könnte. - WER aber will DAS?

    Insofern wird man die Politik entsprechend frühzeitig zu indoktrinieren wissen, dass selbige als willfährige Erfüllungsgehilfen hier wiederum die entsprechenden Weichenstellungen erwartungsgemäß absolut in Stein meißeln.

    Vielleicht sollte man für jedes tumbe Bäuerlein einen geringfügigen Eigenanbau dieses Rauschmittels dennoch gestatten wollen, damit sich diese entsprechend „wegbeamen“ können, um nicht mehr mit wachem Geist verinnerlichen zu müssen, wie man den deutschen Bauernstand auf rauer See, agrarpolitisch allenfalls an morsches Treibholz geklammert, alleingelassen ums blanke Überleben kämpfen lässt. - Ridentem dicere verum.

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