LKW-Frachtraten

Brasilien fürchtet den Kollaps


Düngerverladung im Hafen Paranagua
Foto: Ivan Bueno/ APPA
Düngerverladung im Hafen Paranagua

Die brasilianische Agrarbranche hat sich noch nicht vom Streik der LKW-Fahrer im Mai erholt. Sollte der Konflikt neu aufflammen, drohen massive Probleme im Agrarhandel.

Ende Mai legten mehrere Hunderttausend der fast zwei Millionen brasilianischen LKW-Fahrer elf Tage lang den Straßenverkehr des Landes lahm. Ausgelöst wurden die Proteste durch stark gestiegene Dieselpreise. Die Folgen des Protestes sind in der Agrarbranche noch immer zu spüren. Um die Trucker wieder zurück ans Steuer zu bringen, machte die Regierung große Zugeständnisse. Wichtigste Maßnahme ist dabei eine staatlich garantierte Mindestfrachtrate, die in der Landwirtschaft auf massive Proteste stieß. Nach Berechnungen von Agrarverbänden verteuern sich die Transportkosten um 50 bis 150 Prozent, wobei Lieferungen aus weit entfernten Anbauregionen für Mais und Sojabohnen wie Mato Grosso besonders stark betroffen seien.

Mindestfrachtraten werden gerichtlich geprüft

Die Vereinigung von Landwirtschaft und Viehzucht (CNA) kritisierte die Mindestfrachtrate als verfassungswidrig. Die Rechtmäßigkeit der Vereinbarung zwischen Regierung und den LKW-Fahrern sollen nun Gerichte prüfen. Mit einer Entscheidung wird frühestens Ende August gerechnet. Die Unsicherheit über die Transportkosten wirkt sich stark auf den Handel aus, stellt das brasilianische Büro des US-Agrarministeriums (USDA) in einer Analyse fest. Weil sich die Kosten nicht kalkulieren lassen, zögerten viele Händler, Termingeschäfte abzuschließen. Sollten die Mindestfrachtraten vor Gericht kassiert werden, drohen erneute Proteste der LKW-Fahrer.

Exporte wurden aus Lagerbeständen bedient

Der Streik Ende Mai hatte sich kaum auf die Agrarexporte Brasiliens ausgewirkt, denn die Schiffe konnten mit der in den Seehäfen lagernden Ware beladen werden. Nun sind die Bestände abgebaut und die Exporteure leben von der Hand in den Mund. Schon jetzt warten deutlich mehr Schiffe vor den Häfen des Landes darauf, beladen zu werden. Mitte Juni hatten in den Häfen gegenüber dem Vorjahr 40 Prozent weniger Schiffe festgemacht, während die Zahl der auf Reede liegenden Schiffe um 60 Prozent größer war.

Schiffe warten vor den Häfen

Der brasilianische Verband der Getreideexporteure schätzte, dass Mitte Juni etwa 10 Mio.t Sojabohnen im Landesinneren festlagen, während mehr als 50 Schiffe auf die Verladung in Häfen warteten. Die Zahl der im größten brasilianischen Hafen Santos eintreffenden LKW sei im Vergleich zum Vormonat um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. Sollten die LKW-Fahrer erneut streiken, könnte das zu weitaus größeren Problemen führen, als bei den Protesten im Mai, denn die Reserven sind weitestgehend aufgebraucht.

Ölmühlen mussten Produktion einstellen

Von den Problemen sind nicht die Exporte von Agrargütern allein betroffen. Auch bei der Einfuhr von Düngemitteln kommt es zu Verzögerungen. CNA schätzt, dass derzeit etwa 35 Schiffe mit Dünger darauf warten, ihre Ladung löschen zu können, mehr als die Hälfte davon im Hafen von Paranagua in Südbrasilien. Der Streik hatte auch enorme Auswirkungen auf die Sojaverarbeitung in Brasilien. Der Branchenverband Abiove beklagte, dass alle 63 Ölmühlen des Landes wegen Rohstoffmangels vorübergehend ihre Produktion einstellen mussten.

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