Märkte am Mittag

Russland geht die Puste aus

Steen Houengaard (l.) und Marktkenner Jan Peters sehen Russland als wichtigen Impulsgeber am Getreidemarkt.
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Steen Houengaard (l.) und Marktkenner Jan Peters sehen Russland als wichtigen Impulsgeber am Getreidemarkt.

Im ersten Quartal werden die Getreidemärkte wieder spannender. Das ist ein Fazit des Seminars „Agrarmärkte 2019“ der agrarzeitung (az) am Freitag in Hamburg.

Aktuell dümpelt das Vermarktungsgeschehen am deutschen Kassamarkt zwar generell vor sich hin. Ob das erste Quartal 2019 die traditionelle Belebung des Geschäfts bringen wird, zweifeln immer mehr Marktteilnehmer an. Zuversichtlicher ist Steen Houengaard von dem Makler ABK Getreideagentur in Hamburg. „Die Franzosen müssen mit ihrem Weizen raus, im ersten Quartal 2019 werden wir mehr Exporte in Europa sehen“, sagte Houengaard auf dem Seminar „Agrarmärkte 2019“ von agrarzeitung (az) und Top Agrar am Freitag in Hamburg.

Hinzu kommt, dass das Exporttempo in Russland deutlich nachlassen wird, so der Marktexperte weiter. Nach seiner Schätzung kann Russland maximal 2 Mio. t Weizen pro Monat exportieren bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2018/19 im Juni 2019. An einen offiziellen, politischen Eingriff in den Export in Moskau glaubt Houengaard nicht: „Wir sehen aber schon jetzt eine Drosselung der Ausfuhren. Die russischen Behörden lassen sich momentan gut eine Woche Zeit, bis sie die erforderlichen phytosanitären Papiere ausstellen, die Getreideschiffe brauchen, um die russischen Häfen zu verlassen“, so der Makler. Viel deute darauf hin, dass vor allem die USA mit ihrem hohen Angebot an Weizen einen guten Teil des globalen Weizenmarkts bedienen dürften.

Die deutschen Weizenexporte in Drittstaaten im laufenden Wirtschaftsjahr 2018/19 schätzt der Hamburger Marktkenner auf vergleichsweise niedrige 2,5 Mio. t, hinzu kämen 3 Mio. t, die im EU-Binnenmarkt gehandelt würden. Generell sei die Bilanz im deutschen Markt eng; das laufende Wirtschaftsjahr werde mit knappen Überhangvorräten enden, zeigte sich Houengaard überzeugt. Dennoch sieht er am deutschen Markt die Prämien nicht in den Himmel wachsen: „Der inländische Markt hat bereits in der Ernte in diesem Ausnahmejahr sehr, sehr hohe Prämien gewährt“, so Houengaard weiter.

Markttendenz
Auf die "Watchlist" für die weitere Marktentwicklung gehört neben der Exportdynamik in Russland auf jeden Fall das Wetter. Die Trockenheit wird auch 2019 den deutschen Getreidemarkt überschatten, erwarten Marktexperten.

Unterdessen zeigt sich der Mahlweizen an der Matif in Paris zum Frontmonat Dezember von seiner freundlichen Seite. Mit 201,50 €/t wird der Kontrakt bewertet, das sind 1,50 €/t mehr als am Vortag. Die Pariser Rapssaat bewegt sich bei 371 €/t zum Frontkontrakt Februar 19 seitwärts. In Chicago schreiben Weizen, Mais und der Sojakomplex grüne Zahlen.

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