Martin Häusling

Offene Fragen zum Laborfleisch


Der Europaabgeordnete zweifelt an den Vorteilen durch Zellvermehrung erzeugter Fleischprodukte. Er befürwortet eine flächengebundene, artgerechte Tierhaltung.

Schon in wenigen Jahren könnten erste fleischähnliche Lebensmittel auf den Markt kommen, die durch die Vermehrung von tierischen Zellen in Bioreaktoren produziert wurden. Wissenschaftler und Investoren, die sich bei der Entwicklung von In-Vitro-Fleisch engagieren, wecken die Hoffnung, dass so mit einem geringeren Einsatz von Ressourcen und weniger Treibhausgas-Emissionen ein Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit geleistet werden kann.

Positionspapier Martin Häusling Laborfleisch


Martin Häusling, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament, sieht beim Thema viele offene Fragen. „Wir brauchen definitiv mehr Daten, um diese Technologie umfänglich zu bewerten“, stellt der Abgeordnete in einem Positionspapier fest. So fehlten bisher Informationen zu Umwelt- und Klimaauswirkungen.

Unklar sei auch, wie sich das Laborfleisch auf die „biologische und agroökologische Tierhaltung“ sowie für Innovationen auf dem Markt für pflanzliche Ernährung auswirken würde. Offene Fragen gebe es auch zu Patentierung und Eigentumsverhältnissen. Den Vorwurf der Innovationsfeindlichkeit weist der Grünen-Politiker zurück. „Vor einigen Jahrzehnten befürwortete die grüne Bewegung Biogas und Agrotreibstoffe recht unkritisch, daraus sollten wir lernen“, erinnert Häusling.

Nutzung der Grasländer als Weidefläche

Klar ist für Häusling, dass das Fleisch als GVO-Lebensmittel gekennzeichnet werden muss, falls gentechnische Verfahren bei der Produktion eingesetzt werden. Zudem müsse bedacht werden, dass 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen Grasländer sind, die nur durch die Tierhaltung landwirtschaftlich genutzt und erhalten werden könnten. „Laborfleisch trägt im Gegensatz zur Weidehaltung nicht aktiv zum Klima- und Bodenschutz, zur Grundwasserneubildung und zur Artenvielfalt bei“, stellt Häusling fest. Die Diskussion über Laborfleisch als die vermeintlich einfache Lösung, lenke das Augenmerk von den insgesamt komplexen, weltweiten Problemen durch die Tierhaltung ab. „Wir beobachten neue Innovationen mit Interesse, aber stellen das Ziel einer flächengebundenen, artgerechten Tierhaltung in den Vordergrund“, so die abschließende Einschätzung des agrarpolitischen Sprechers der Grünen im Europäischen Parlament.

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