Mercosur-Abkommen

Hogan rechtfertigt Marktöffnung

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Abkommens verteidigt Europas oberster Agrarier das Ergebnis.
Foto: EU
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Abkommens verteidigt Europas oberster Agrarier das Ergebnis.

Die EU und Mercosurländer schließen ein Freihandelsabkommen ab. Die Südamerikaner dürfen mehr Rindfleisch und Geflügel in die EU liefern. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hält die Zugeständnisse für erträglich.

Die Mercosurländer dürfen ihre Rindfleischlieferungen in die EU um 99.000 t erhöhen. Die in Schlachtgewicht bemessene Menge besteht zu 55 Prozent aus gekühltem Rindfleisch und zu 45 Prozent aus gefrorener Ware. Das Rindfleisch muss im Rahmen des Kontingents mit 7,5 Prozent verzollt werden. Die zusätzliche Menge mache gerade einmal 1,25 Prozent des Verbrauchs in der EU aus, beschwichtigte Hogan nach den Abschluss des Abkommens am Freitagabend in Brüssel. Vor allem aus Frankreich, Irland und Belgien hagelte es Proteste gegen die Öffnung des EU-Rindfleischmarktes.

Zur Zeit importiere die EU bereits 270.000 t Rindfleisch jährlich, ergänzte Hogan. Sollte es wirklich einmal zu Marktstörungen kommen, verspricht der EU-Agrarkommissar Hilfen aus dem EU-Agrarhaushalt von bis zu 1. Mrd. € für die Landwirte. Weiterhin eröffnet die EU den Südamerikanern ein Einfuhrkontingent für 100.000 t Geflügel und 650.000 t Ethanol. Der Einfuhrzoll für ein bereits bestehendes Einfuhrkontingent über 180.000 t Zucker wird von 98 €/t auf Null gesetzt.

Europäischer Agrarsektor gewinnt

Vorteile habe von dem Abkommen nicht allein die europäische Industrie, sondern auch der Agrarsektor, betonte Hogan. Einfuhrzölle für Wein und Olivenöl aus der EU würden die Südamerikaner streichen. 375 verschiedene geografische Bezeichnungen (GI) müssten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay zukünftig respektieren.

Der EU-Molkereisektor bekäme einen besseren Marktzugang. Es werden Einfuhrkontingente für 30.000 t Käse aus der EU eingerichtet und zudem für 15.000 t Milchpulver. Die bestehenden Einfuhrzölle von bis zu 28 Prozent für Molkereiprodukte werden im Laufe von neun Jahren auf Null zurückgefahren. Hogan betonte, dass die Standards für Lebensmittel gegenseitig anerkannt und respektiert werden. Außerdem verpflichteten sich beide Seite dazu, die Klimaauflagen aus dem Pariser Abkommen einzuhalten. In der EU befürchten Kritiker des Abkommens, dass der Export von Agrarprodukten aus den Mercosurländern zu einer Abholzung des Regelwaldes in Brasilen führt.

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