Milch Marker Index

MEG Milch Board kritisiert Molkereien


So sieht die Unterdeckung bei den Milcherzeugern in den vergangenen Jahren aus.
Foto: MEG Milch Board
So sieht die Unterdeckung bei den Milcherzeugern in den vergangenen Jahren aus.

Milcherzeuger können ihre Kosten bei den derzeitigen Milchpreisen bei Weitem nicht decken, berichtet das MEG Milch Board. Das Problem sieht das Board bei den Molkereien und fordert die Politik zum Handeln auf.

Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board Peter Guhl beobachtet aktuell eine "alarmierende Diskrepanz" zwischen der Entwicklung der Milchmengen, der Milcherzeugungskosten und der Milchpreise. „Wir hatten in ganz Europa ein sehr schwieriges Erntejahr, und die Futtersituation ist in vielen Regionen extrem angespannt. Der Milchkuhbestand ist infolgedessen auf einen 10-Jahres-Tiefststand gesunken. Die Milchmengen gehen überall in Europa zurück, die Kosten der Milcherzeugung liegen im Durchschnitt der Betriebe bei 43 Cent, aber die aktuellen Milchauszahlungspreise liegen trotzdem deutlich unter der Vorjahreslinie.“

Schon seit April 2018 halten sich die Milcherzeugungskosten bei rund 43 Cent/Kg Milch. Obwohl der Milchauszahlungspreis von Juli bis Oktober 2018 um 5 Prozent auf 36,37 Cent zulegte, konnten die Milcherzeuger ihre Kosten damit bei Weitem nicht decken, es fehlen immer noch 15 Prozent um ein kostendeckendes Milchpreisniveau zu erlangen, rechnet das MEG Milch Board vor. 

Guhl ist überzeugt, dass der Markt für Kuhmilch nicht funktioniere, "weil unsere Molkereien sich gegenüber den Milcherzeugern in einer komfortablen Machtposition befinden und die Preise einseitig auf viel zu niedrigem Niveau diktieren." Spätestens in der aktuellen Situation müsste das jedem förmlich ins Auge springen. "Wir steuern seit Monaten auf einen Versorgungsengpass zu, aber der Markt reagiert nicht!", so Guhl weiter.

Er fordert daher Milchkaufverträge, die es auch Milcherzeugern ermöglichen, am Markt teilzunehmen. Auch hier müssten die Marktregeln von Angebot und Nachfrage gelten. Die Verantwortlichen in der Bundesregierung hätten die Notwendigkeit zur Einführung einer effizient gestalteten Vertragspflicht (inklusive Menge und Preis) noch nicht erkannt und bis heute auf Freiwilligkeit gesetzt.

Guhl setzt diese Freiwilligkeit aber mit Tatenlosigkeit gleich. Die Milchindustrie werde begünstigt, den deutschen Milcherzeugern würden massiven Schaden zufügt, lautet seine Kritik. Er fordert daher eine grundlegende Reform der Markt- und Lieferbeziehungen sowie die Einführung eines Milchmarkt-Krisenmanagements auf europäischer Ebene.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats