Milchindustrieverband

Pulver belastet den Milchmarkt

Konkrete Preisprognosen sind nicht mehr möglich, meinen MIV Präsident Peter Stahl (l)und Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser.
Foto: J_Struck
Konkrete Preisprognosen sind nicht mehr möglich, meinen MIV Präsident Peter Stahl (l)und Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser.

Die Milcherzeugerpreise geraten unter Druck. Vertreter der Milchindustrie wollen keine Prognosen über die weitere Entwicklung abgeben

Die auffallende Spreizung am Markt für Molkereiprodukte wie Butter und Magermilchpulver wird sich wahrscheinlich fortsetzen, so Peter Stahl, Präsident des Milchindustrieverbandes (MIV) heute in Berlin. Dies zeige auch Einfluss auf die aus der Milchverwertung resultierenden Erzeugerpreise. Zwar hätten die in der zurückliegenden Zeit sehr hohen Butterpreise auch hierzulande zu einer gewissen Kaufzurückhaltung geführt, doch nach wie vor befänden sie sich auf dem etwa Dreifachen des Interventionsniveaus. Milchfett sei unter gesundheitlichen Aspekten wieder vollständig rehabilitiert, nachdem es über Jahrzehnte immer in der Kritik gestanden habe. Als Folge dessen würden nun wieder vermehrt fettreichere Produkte am Markt angeboten werden und damit die Nachfrage auf erhöhtem Niveau bleiben, so Stahl.

Ein völlig anderes Bild ergebe sich für Magermilchpulver, erläuterte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser. So befänden sich mittlerweile rund 380.000 t Magermilchpulver in Interventionslägern. Erste Menge seien in den Markt zurückgeführt worden, jedoch zu äußerst niedrigen Preisen von 1,19 € pro kg und damit rund 50 Prozent des üblichen Preises. Davon profitieren würde auch der Export, jedoch zeige dies auch Wirkung auf dem heimischen Markt.

Derzeit rette die Erzeugung von Käse den Markt, sagte Heuser. Er stehe für etwa 40 Prozent der gesamten Milchverwertung. Mit großer Aufmerksamkeit erwarte die Industrie eine Entscheidung des europäischen Rates am 29. Januar 2018. Denn danach dürfe die EU-Kommission über den Fortgang der Intervention entscheiden, während dies bisher nur durch den Ministerrat hätte vorgenommen werden dürfen. Sollte die Kommission eine getrennte Intervention für Butter und Nichtfettkomponenten beschließen, dann sei nach Aussage von Heuser die Intervention in der Zukunft nicht mehr planbar.
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